17. Mai 2004 Trotz des zu Jahresbeginn etwas beschleunigten Wirtschaftswachstums in Deutschland hat die Bundesbank die Hoffnung auf einen kräftigen Aufschwung gedämpft.
Die konjunkturelle Erholung habe sich im ersten Quartal zwar etwas verstärkt, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Bundesbank-Monatsbericht Mai. Allerdings wäre es voreilig, die höhere Wachstumsrate des ersten Quartals einfach fortzuschreiben. Frühindikatoren signalisierten eine eher verhaltene Erholung und der Preisanstieg bei Öl und Rohstoffen könnte zusätzlich bremsen. Schwachpunkt bleibe der Konsum, wobei die Bundesbank für die Kaufzurückhaltung der Deutschen ein verändertes Sparverhalten mitverantwortlich macht. Die Erholung reicht nach Ansicht der Bundesbank nicht, um ohne Einsparungen das Haushaltsdefizit 2005 unter die europäische Obergrenze von drei Prozent des BIP zu drücken.
Im ersten Vierteljahr war das Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent zum Vorquartal erhöht nach einem Anstieg von 0,3 Prozent im Schlussquartal 2003. Ein selbsttragender Aufschwung ist allerdings nach wie vor nicht in Sicht", heißt es im Bericht. Das Wachstum habe vorwiegend vom Auslandsgeschäft hergerührt, während Konsum und Investitionen im Inland schwach geblieben seien. Bislang sei die Investitionsbereitschaft der Unternehmen noch gering. Die konjunkturelle Erholung reichte nicht aus, um positiv auf den Arbeitsmarkt auszustrahlen.
Neue Risiken
Die Zentralbank-Ökonomen verweisen zudem auf neue Risiken: Auch könnten die sehr hohen internationalen Rohöl- und Rohstoffpreise vorübergehend bremsend wirken, zumal der für die Wirtschaft wichtige Euroraum erst langsam in Schwung kommt. Dagegen dürften andere Unsicherheitsfaktoren die Weltwirtschaft nicht vom Aufwärtskurs abbringen. Die Terroranschläge in Madrid am 11. März und die verschärfte Lage in Nahost hätten die Akteure in der Wirtschaft nur vorübergehend verunsichert. Aus heutiger Sicht stehen die Chancen recht gut, daß es trotz der hohen geopolitischen Risiken nicht zu einer gravierenden Störung der weltweiten Wirtschaftsaktivitäten kommt. Die konjunkturdämpfenden Effekte der Euro-Aufwertung würden zudem vom kräftigeren Aufschwung der Weltwirtschaft ausgeglichen.
Sparverhalten geändert
Die deutschen Verbraucher dürften nach Ansicht der Bundesbank dagegen auf absehbare Zeit wenig zur Wirtschaftserholung beitragen. Dabei könne die derzeitige starke Kaufzurückhaltung angesichts niedriger Zinsen nicht alleine mit der verhaltenen Einkommensentwicklung erklärt werden, heißt es im Monatsbericht. Vielmehr gebe es Hinweise, daß die Deutschen ihr Sparverhalten geändert hätten. Als mögliche Gründe für den Anstieg der Sparquote auf knapp elf Prozent nennt die Bundesbank ein stärkeres Bewußtsein für die Notwendigkeit eigener Alters- und Gesundheitsvorsorge sowie die Verunsicherung über die weiteren Reformpläne der Politik. Die Bundesbank betont aber auch, daß die Sparquote nicht ungewöhnlich hoch sei und daß stärkeres Sparen kein Problem sein muß, wenn das Geld in produktive Investitionen fließt. Für die entsprechende Attraktivität des Produktionsstandorts müsse die Politik sorgen.
Angesichts schwacher Steuereinnahmen geht die Bundesbank davon aus, daß die deutsche Defizitquote in diesem Jahr etwa beim Vorjahreswert von 3,9 Prozent und damit weit über der europäischen Obergrenze von drei Prozent des BIP liegen wird. Ohne zusätzliche Sparmaßnahmen werde es auch im kommenden Jahr nicht gelingen, das Staatsdefizit unter diese Marke zu drücken.
Text: Reuters
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