Handel

Aldi und Lidl deklassieren die Konkurrenz

17. Februar 2004 Die klassischen Supermärkte in Deutschland können laut einer Studie mit den Vorteilen der Discounter Aldi und Lidl nicht Schritt halten. Die Kunden schätzten neben den günstigen Preisen die Qualität der Eigenmarken und das übersichtliche Sortiment in Billigmärkten. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey, die am Dienstag in Frankfurt vorgestellt wurde.

Im Gegensatz zu vergleichbaren ausländischen Wettbewerbern sei es deutschen Handelsunternehmen wie Edeka oder Rewe noch nicht gelungen, mit neuen Strategien den Angriff der Discounter abzuwehren. Die Discounter hätten das Einkaufsverhalten der Deutschen spürbar verändert.

Wer will 32 Sorten Toilettenpapier?

Daraus folge:„Supermärkte müssen sich an den erfolgreichen Konzepten von Aldi und Lidl orientieren. Nur dann haben sie die Möglichkeit, mit ihren eigenen Stärken Marktanteile zurückzugewinnen“, sagte Michael Kliger, Partner der Unternehmensberatung McKinsey. „Kleinere Sortimente, übersichtlichere Regale und der schnellere Einkauf - Aldi und Lidl setzen Standards, an denen der traditionelle Handel nicht mehr vorbeikommt.“

Während Aldi zwei Sorten Toilettenpapier verkaufe, biete zum Beispiel Edeka mit 32 Sorten eine zu große Auswahl - darunter zwei-, drei- und vierlagige sowie trockene und feuchte Produkte in den Farben weiß, rosa, gelb, grün und blau. Statt dessen sollten große Supermärkte ihr Sortiment überschaubarer gestalten und klar erkennbar nach Qualität und Preis staffeln. „Lebensmittel für Allergiker und Kinder oder Bio-Produkte machen das Angebot für neue Kundengruppen zusätzlich attraktiv“, betonte McKinsey-Berater Michael Kliger.

Lidl in Frankreich und England ohne Chance

Vorbild könne die britische Kette Tesco sein, die mit einer Kombination aus Billig- und Spezialangeboten Marktanteile hinzugewonnen habe. Während die Discounter in Deutschland in fast allen Kategorien der Kundenbewertung besser als der Durchschnitt der Supermärkte abschnitten, falle Lidl beispielsweise in Frankreich und England in den Punkten Bequemlichkeit, Auswahl und Qualität deutlich hinter die dortige Konkurrenz zurück. Allein beim Preis erziele die deutsche Kette im Ausland einen kleinen Vorteil.

Die Billigmärkte konnten ihren Marktanteil im Lebensmittelhandel in Deutschland seit 1998 von 31,3 auf inzwischen 37,3 Prozent steigern. Im europäischen Durchschnitt erzielte Aldi seit 1998 ein jährliches Umsatzplus von 7,8 Prozent. Lidl konnte im gleichen Zeitraum seinen Umsatz im europäischen Durchschnitt sogar um 15,1 Prozent erhöhen, berichtete McKinsey.

Nach Einschätzung des Hauptgeschäftsführers des Markenverbands, Horst Prießnitz, führt der Siegeszug der Discounter zu einem „Tod der Mitte“ in Industrie und Handel. Hersteller mit Marken, die nicht zur absoluten Spitze gehören, hätten es immer schwerer, sich gegen die Eigenmarken der Billigmärkte zu behaupten. Gleichzeitig leide der Fachhandel unter der Rabattschlacht und gestiegenen Mieten. Die Unternehmensberatung untersuchte für die Studie im zweiten Halbjahr 2003 Supermärkte in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien.

Text: @tor, mit Material von dpa und AP

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