Führungswechsel

Kleinfeld wird neuer Siemens-Chef

07. Juli 2004 Klaus Kleinfeld ist der künftige Mann an der Spitze des Siemens-Konzerns. Der 46 Jahre alte Manager, der schon seit einiger Zeit als Favorit für den Vorstandsvorsitz gilt, soll am 27. Januar 2005, dem Tag der nächsten Hauptversammlung, Nachfolger von Heinrich von Pierer werden. Pierer will dann Karl-Hermann Baumann als Vorsitzenden des Aufsichtsrates ablösen.

Außerdem kündigte der Elektro- und Elektronikkonzern eine wichtige Änderung in der Organisation an: Die Mobilfunksparte ICM und die Netzwerksparte ICN sollen zum 1. Oktober zusammengelegt werden. An der Spitze des neuen Geschäftsfeldes wird Lothar Pauly, bisher Mitglied des Vorstands von ICM, stehen.

Generationswechsel an der Konzernspitze

Pierer hatte bereits im vergangenen Herbst angedeutet, seinen zum 30. September 2004 auslaufenden Vorstandsvertrag zu verlängern. In München war spekuliert worden, daß er sogar bis zu seinem 65. Geburtstag am 26. Januar 2006 Konzernchef bleiben wird. Doch hat sich Siemens für einen Generationswechsel ein Jahr früher entschieden. Baumann wird im Juli des nächsten Jahres 70 Jahre alt und erreicht die von Siemens festgelegte Altersgrenze für den Aufsichtsratsvorsitzenden.

Sämtliche Personalbeschlüsse, auch die Verlängerung des Vertrags von Pierer bis Januar 2005, sollen in der Aufsichtsratssitzung am 28. Juli getroffen werden, wie das Unternehmen ankündigte. Auf die Vorschläge hat sich Baumann mit dem Aufsichtsratspräsidium und am Mittwoch auch mit der Arbeitnehmerseite geeinigt.

Pierers Nachfolger, Klaus Kleinfeld, ist im Siemens-Konzern auf der Karriereleiter rasch vorangekommen. Der in Bremen geborene Betriebswirt und Wirtschaftspädagoge arbeitet seit 1987 für das Unternehmen. Nach Führungspositionen in der Siemens Unternehmensberatung und in der Sparte Medizintechnik wechselte er 2001 zur Siemens Corporation nach New York, der Holding für die Siemens-Gesellschaften in den Vereinigten Staaten.

Amerika-Geschäft auf Vordermann gebracht

Unter Kleinfelds Leitung gelang es dem Konzern, die Ertragslage in Amerika erheblich zu verbessern. Seit Januar dieses Jahres ist er Mitglied des Zentralvorstands der Siemens AG und dort unter anderem Chefstratege und für das Arbeitsgebiet Information und Kommunikation mit den Sparten ICM, ICN und SBS verantwortlich. Der bisherige Leiter der Hauptabteilung Unternehmensstrategie, Johannes Feldmayer, hatte bis dahin neben Kleinfeld wohl die besten Chancen für die Nachfolge Pierers. Kleinfeld soll als Vorbereitung auf den Wechsel an die Konzernspitze zum 1. August stellvertretender Vorstandsvorsitzender werden.

Einzelheiten zum Zusammenlegen der Sparten ICN und ICM will Siemens erst nach der Aufsichtsratssitzung am 28. Juli bekanntgeben. Über eine Änderung der Organisation dieser Geschäftsfelder, die zu den größten von 13 im Konzern gehören, haben die Vorstände von Siemens schon seit längerem nachgedacht. „Die Betreiber von Fest- und Mobilnetzen wachsen zusammen", sagte ein Sprecher des Unternehmens. Deshalb sei es konsequent, die Sparten zu vereinen.

Größte Umstrukturierung der vergangenen Jahre

Die Organisationsänderung ist mit Personalwechseln verbunden. Siemens berichtete, es sei vorgesehen, daß Rudi Lamprecht, Chef von ICM, künftig als eines von neun Mitgliedern des Zentralvorstands für die Regionen Afrika, Naher Osten und Rußland sowie für Osram und die Gemeinschaftsunternehmen Bosch Siemens Hausgeräte und Fujitsu Siemens Computers verantwortlich sein werde. Thomas Ganswindt, Chef von ICN, soll im Zentralvorstand von Kleinfeld die Betreuung des Arbeitsgebietes Information und Kommunikation übernehmen.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, him.
Bildmaterial: Siemens AG

 
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