Automobile

Schrempp verteidigt seinen Kurs

“Bei einem operativen Problem ändern wir nicht die Strategie“

"Bei einem operativen Problem ändern wir nicht die Strategie"

07. April 2004 Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp hat auf der Hauptversammlung des deutsch-amerikanischen Autobauers in Berlin seinen Kurs gegen die Kritik der Aktionäre verteidigt. „Wenn es schwierig wird, darf man nicht davonlaufen und eine richtige Strategie ändern“, sagte Schrempp am Mittwoch in seiner Eröffnungsrede.

Natürlich sei er insgesamt mit dem Geschäftsjahr nicht zufrieden, räumte Schrempp mit Blick auf die verlustreiche Beteiligung am japanischen Autobauer Mitsubishi ein. Dies gelte auch für den Aktienkurs. Seinen in die Kritik geratenen Expansionskurs verteidigte Schrempp: „Bei einem operativen Problem ändern wir nicht die Strategie, sondern bringen das Geschäft in Ordnung.“

Ertragsziele bekräftigt

Die Ertragsziele des Stuttgarter Autokonzerns für 2004 bekräftigte der Vorstandschef. Der Konzern werde das Ergebnis aus dem laufenden Geschäft nach einem Vorjahreswert von 5,1 Milliarden Euro leicht steigern, sagte Schrempp. Mit deutlichen Verbesserungen sei erst in den Jahren 2005 und 2006 zu rechnen. Dann seien sämtliche neuen Fahrzeuge voll verfügbar. Bei seiner 37-Prozent-Beteiligung Mitsubishi Motors hält sich Daimler-Chrysler alle Optionen offen.

Aufgrund der anstehenden Modellwechsel liege der Absatz der Mercedes Car Group im 1. Quartal 2004 unter dem des Vorjahres. Der Absatz von MCG ging um 4,2 Prozent auf 274.000 Fahrzeuge zurück.

Zum Börsenkurs

In der Nutzfahrzeugsparte erwartet Daimler-Chrysler für das 1. Quartal einen deutlichen Absatzanstieg. Auch die Auftragseingänge entwickeln sich laut Schrempp “erfreulich“. Im Geschäftsfeld Dienstleistungen entwickelten sich die Financial Services “weiter erfreulich“.

Bei der amerikanischen Tochter Chrysler habe sich im ersten Quartal 2004 der positive Ergebnistrend fortgesetzt. Die Nutzfahrzeug-Sparte habe einen deutlichen Anstieg der Absatzzahlen verzeichnet, auch die Auftragseingänge seien erfreulich.

Pläne zu Mitsubishi bleiben vage

Zur nötigen Sanierung des japanischen Partners Mitsubishi Motors äußerte sich Schrempp nur vage: Der in Arbeit befindliche mittelfristige Geschäftsplan müsse zeigen, ob eine Grundlage für eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen gegeben sei. Erst nach dem Vorliegen des Sanierungsplans seien weitergehende Entscheidungen möglich.

„Wir haben uns an Mitsubishi Motors beteiligt, um eines der größten Wachstumspotenziale unseres Marktes zu erschließen", sagte Schrempp mit Blick auf den asiatischen Markt. „Trotz der Probleme trägt unsere Zusammenarbeit Früchte."

In unternehmensnahen Kreisen hieß es, Daimler-Chrysler hoffe, für Mitsubishi Motors 700 Milliarden Yen (5,5 Milliarden Euro) zu beschaffen. Dieser Betrag sei auf einer Sitzung vorgeschlagen worden, auf der unter Führung von Daimler-Chrysler-Managern ein Entwurf für die Sanierung des japanischen Unternehmens ausgearbeitet worden sei, hieß es am Mittwoch in Tokio. Ein großer Teil des Betrages solle durch eine Kapitalerhöhung beschafft werden. Die Mitsubishi Motors-Eigner - DaimlerChrysler und Unternehmen der Mitsubishi-Gruppe - sollten dabei neue Vorzugsaktien von Mitsubishi Motors zeichnen. Außerdem sei geplant, von der staatlichen Development Bank of Japan Kredite aufzunehmen. Mitsubishi Motors wollte zu den Angaben keine Stellung nehmen. Das Unternehmen teilte lediglich mit, ein ausführlicher Geschäftsplan werde am 30. April vorgestellt.

Die Krise bei dem japanischen Autohersteller, an dem Daimler-Chrysler einen Anteil von 37 Prozent hält, war durch die Vergabe von Autofinanzierungs-Krediten an die junge Kundschaft von Mitsubishi Motors in Amerika ausgelöst worden, deren Rückzahlung viele Kunden schuldig blieben. Für das Ende März abgeschlossene Geschäftsjahr erwartet Mitsubishi einen Nachsteuerverlust von umgerechnet 560 Millionen Euro.

Text: Reuters, dpa, Dow Jones - vwd, AFP
Bildmaterial: dpa, dpa/dpaweb

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