Benzin

Höchstpreis an der Zapfsäule

03. Mai 2004 Die Benzinpreise haben ein historisches Hoch erreicht. Ein Liter Superbenzin kostete nach einer vom Mineralölanbieter Aral am Montag eingeläuteten Benzinpreiserhöhung erstmals im bundesweiten Durchschnitt 1,20 Euro. Normalbenzin war für 1,18 Euro zu haben. Somit legten die Preise seit dem letzten Anstieg in der Vorwoche um rund zwei Cent zu. Die Anhebung wurde mit dem drastischen Preisanstieg am Benzinmarkt in Rotterdam begründet.

„Die Beschaffungspreise für die Produkte in Rotterdam haben ein Rekordniveau erreicht“, sagte Aral-Sprecher Detlef Brandenburg. Normalbenzin kostet nach der Erhöhung 1,18 Euro, Super plus 1,24 Euro, Diesel 0,96 Euro, wie er mitteilte. Laut Brandenburg kostete eine Tonne Normalbenzin Anfang April in Rotterdam 361 Dollar; am Montag waren es über 440 Dollar, sagte er. „Wir haben nur den Anstieg der Produktpreise weitergegeben“, erklärte der Aral-Sprecher. Es wird erwartet, daß die anderen Anbieter nachziehen.

Somit kennen die Preise für Benzin und Öl weiterhin nur eine Richtung: nach oben. Ein Liter Superbenzin kostete im April im Schnitt 1,132 Euro, wie der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) am Montag in Hamburg mitteilte. Das sind 3,5 Cent mehr als im März. Diesel wurde 3,2 Cent auf 0,91 Euro teurer. Nach Angaben des MWV stieg der Benzinpreis deutlich stärker als der Rohölpreis, weil es eine starke Nachfrage aus den Vereinigten Staaten gibt. Während sich Rohöl seit Jahresbeginn um 17 Prozent verteuerte, schoß der Benzinpreis um 43 Prozent in die Höhe.

Schon seit mehreren Jahren kaufen die Vereinigten Staaten im Frühjahr in Europa Benzin, weil ihre Raffineriekapazität nicht ausreicht. Im Frühjahr braucht Amerika zudem deutlich mehr Sprit als im Winter, weil die Auto-Reisezeit bevorsteht und deshalb die Benzinlager aufgestockt werden müssen.

Opec löst Preismechanismus nicht aus

Auch der Preisanstieg beim Rohöl ging unvermindert weiter. Ein Barrel Öl (159 Liter) der Opec-Länder kostete vergangene Woche im Schnitt 33,25 Dollar, nach 32,66 Dollar in der zweiten Aprilwoche, wie die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) in Wien mitteilte. Am Freitag lag der Ölpreis bei 33,99 Dollar. Im März betrug der Durchschnittspreis für ein Barrel Opec-Öl 32,05 Dollar, nach 29,65 Dollar im Februar und 30,33 Dollar im Januar. Im Gesamtjahr 2003 lag er bei 28,10 Dollar. Die Opec ermittelt den Durchschnittspreis aus sieben verschiedenen Sorten der Mitgliedsländer.

In der vergangenen Woche hatte Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro gesagt, die Organisation erwäge die Einführung eines neuen Preisbandes. Aktuell liegt das Preisband bei 22 bis 28 Dollar. Allerdings hat das Rohstoffkartell erklärt, daß der Mechanismus vorerst nicht ausgelöst wird, nach dem die Fördermenge um 500.000 Barrel pro Tag (bpd) erhöht wird, sollte der Korbpreis an 20 Handelstagen in Folge über der oberen Preisgrenze von 28 Dollar pro Barrel notieren. Umgekehrt wird die Förderung um 500.000 bpd gesenkt, falls er die untere Preisgrenze von 22 Dollar an zehn Handelstagen in Folge unterschreitet.

Umfrage: Jeder Dritte will mehr laufen

Wegen des stark gestiegenen Benzinpreises will jeder dritte Autofahrer sein Fahrzeug weniger benutzen als bisher. Dies hat eine Umfrage des Instituts Forsa unter 1001 Befragten ergeben, wie der Fernsehsender RTL mitteilte. Insgesamt gaben 37 Prozent an, sie wollten weniger mit dem Auto fahren. Von den befragten Westdeutschen waren 38 Prozent zum gelegentlichen Verzicht auf das Auto bereit, bei den Ostdeutschen waren es nur 31 Prozent. Von den Befragten ab 45 Jahren gaben 41 Prozent an, sie würden das Auto häufiger stehen lassen. Rund zwei Drittel der Verzichtwilligen kündigten an, sie würden häufiger mit dem Rad fahren. Fast die Hälfte will mehr zu Fuß gehen, ein Drittel will öfter öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Ein Fünftel erwägt die Bildung von Fahrgemeinschaften. Mehrfachnennungen waren möglich.

Politischer Streit um Benzinpreis

Unterdessen hat die Autoindustrie die Bundesregierung für die hohen Benzinpreise mitverantwortlich gemacht. „Der zeitweise überbewertete Euro hat die Belastungen, die durch die fünffache Ökosteuer entstanden sind, lediglich verdeckt“, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, der „Berliner Zeitung“. Mit dem wieder stärkeren Dollar zeige sich „die volle Last“. Gottschalk wies darauf hin, daß „mehr als 75 Prozent des Benzinpreises an der Zapfsäule auf Mineralöl-, Öko- und Mehrwertsteuer entfallen“. Von Anfang 1999 bis heute seien die Steuern bei Otto-Kraftstoffen um 30 Prozent, bei Diesel sogar um fast 50 Prozent gestiegen.

Gegen die Anschuldigungen wehrt sich der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poss, in einer Mitteilung: Der Benzinpreis sei nicht durch die Belastungen der Öko-Steuerstufen entstanden. Der Vorwurf Gottschalks sei „nichts anderes als billige parteipolitische Schützenhilfe für die Opposition“. Jede Stufe der Ökosteuer habe einen Erhöhungschritt von sechs Pfennigen pro Liter gebracht - insgesamt also „weniger als 15 Cent Mineraloelsteuer“. Die Regierung Kohl/Waigel hingegen habe Anfang der neunziger Jahre „viel drastischere“ Erhöhungen der Mineralölsteuer vorgenommen.



Text: @tor, mit Material von AP, dpa, vwd - Dow Jones, ddp
Bildmaterial: dpa

 
Rubriken
Blättern

Société Générale

Skandal-Broker Kerviel: „Wir waren Geldmaschinen“

 
Video in voller Größe
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.272,21 -1,28
TecDax 734,26 -0,60
DowJones 11.288,54 +0,65
Nasdaq 2.245,38 -0,27
STOXX 50 3.275,20 -1,67
Nikkei 225 13.237,89 -0,21
S&P 500 Zert. 12,61 +0,08
Euro/Dollar 1,57 -0,20
Bund Future 111,54 +0,36
Gold 930,50 -0,16
Öl 145,16 +0,10
Blättern
Netzökonom

"Virales Marketing ist vollkommen überbewertet"

Beiträge: 211, letzter Eintrag: 30.06.2008

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche