12. September 2005 Der Chef der Schweizer Börse SWX, Reto Francioni, soll neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse werden. Das teilte die Deutsche Börse am Montag nach einer Sitzung des Personalausschusses mit.
Der Bestellungsvorschlag ist das Ergebnis eines intensiven und straff geführten Suchprozesses unter Topmanagern in Europa und den USA, heißt es weiter. Der Aufsichtsrat muß der Personalie bei seiner nächsten Sitzung am 10. Oktober noch zustimmen.
Börsenrat steht Berufung nicht im Weg
Die erwartete Berufung von Francioni auf den seit Monaten vakanten Chefsessel der Deutschen Börse ist am Finanzplatz Frankfurt nicht unumstritten.
In Kreisen des Börsenrats wurden am Montag noch Zweifel an der Eignung Francionis für den Posten laut. Es gebe im Börsenrat, in dem die Kunden der Börse das Sagen haben, eine deutlich spürbare Stimmung gegen Francioni, erfuhr Reuters aus den Kreisen. Börsenrats-Chef Lutz Raettig sprach dagegen von Einzelmeinungen. Das Gremium werde Francionis Berufung nicht im Weg stehen. Die Ernennung eines neuen Vorstandsvorsitzenden sei allein Sache des Aufsichtsrats.
Verhaltene Reaktion am Markt
Bereits Ende vergangener Woche hatten Händler und Analysten zum Teil verhalten auf den möglichen Wechsels Francionis an die Spitze der Deutschen Börse reagiert. Der promovierte Jurist sei zwar ein international erfahrener Börsenfachmann, habe aber bei der SWX keine strategischen Weichenstellungen vorgenommen.
Francioni gilt in Finanzkreisen dennoch als erste Wahl für die Nachfolge des im Mai auf Druck von rebellischen Aktionären um den Hedgefonds TCI zurückgetretenen Werner Seifert (siehe auch Deutsche Börse: Chronik der Führungskrise).
Francioni, der bis zum Jahr 2000 Mitglied des Vorstands bei dem Börsenbetreiber war, gilt als Vater des mittlerweile wieder eingestellten Neuen Marktes. Er hatte seinen Posten auf Druck von Seifert und Aufsichstsratschef Rolf Breuer aufgegeben.
Text: FAZ.NET mit Material von Reuters, dpa
Bildmaterial: AP
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