Konjunktur

GfK: Hoffnung auf Binnenaufschwung schwindet

27. Mai 2005 Die Konsumstimmung der Deutschen bleibt instabil und könnte durch den Wahlkampf für eine vorgezogene Bundestagswahl sogar noch weiter belastet werden.

Das von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelte Konsumklima sank für den Juni auf 4,4 von revidiert 4,8 Punkten für den Vormonat, wie die GfK am Freitag mitteilte. Damit sei die Wahrscheinlichkeit weiter gesunken, daß der private Konsum in diesem Jahr noch nennenswerte Impulse für das Wirtschaftswachstum liefert. Die für den Wahlkampf zu erwartende Reformdiskussion könnte die Verunsicherung der Verbraucher noch vergrößern: „Die Verbraucher schwanken zwischen Hoffnung und Skepsis„, beschrieb die GfK die Konsumstimmung.

Anschaffungsneigung verbessert

Die GfK ermittelt aus einer Befragung von 2.000 Personen zu ihrer Konjunktureinschätzung, den Erwartungen an die Entwicklung ihres Einkommens und ihrer Neigung zur Anschaffung langlebiger Güter wie Autos das Konsumklima für den Folgemonat. In der Mai-Befragung verschlechterte sich der Index Konjunkturerwartung auf minus 16,3 von minus 15,6 Punkten im April. Die Einkommenserwartungen gaben auf minus 13,3 von plus 0,1 Zählern nach. Die Anschaffungsneigung verbesserte sich auf minus 21,3 von minus 27,1 Punkte, erreichte aber noch nicht wieder das Niveau vom Jahresbeginn. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten mit einer geringeren Eintrübung des Konsumklimas gerechnet.

Firmen und Verbraucher ähnlich negativ gestimmt

„Der für eine kräftige Erholung in Deutschland notwendige Durchbruch bei der Binnennachfrage im Jahr 2005 will sich nicht einstellen“, erklärte die GfK. Die Erwartungen der Verbraucher an die Konjunktur seien ähnlich negativ wie die der Firmen und Finanzmarktexperten: Sowohl der Ifo-Geschäftsklimaindex Trotz Pessimismus droht keine Rezession als auch die Finanzexperten-Befragung des Mannheimer ZEW hatten zuletzt Konjunkturskepsis signalisiert Finanzmarkt in Konjunktursorge - Erleichtert über Neuwahl.

Die GfK erklärte, auch das mit einem Prozent starke Wirtschaftswachstum im ersten Quartal, das alleine vom Export getragen worden war, habe daran nichts geändert Die deutsche Wirtschaft lebt nur vom Export. Auch die Kapitalismuskritik der SPD habe wenig dazu beigetragen, die Verunsicherung der Bürger abzubauen.

Arbeitsmarkt das beherrschende Thema

Der starke Einbruch der Einkommenserwartungen ist der GfK zufolge vor allem den Konsumenten in den neuen Bundesländern zuzuschreiben. Für Ost und West bleibe die schlechte Lage am Arbeitsmarkt das beherrschende Thema. Zudem fürchteten die Konsumenten, daß der Staat die Mehrwertsteuer erhöhen werde, um Löcher im Bundeshaushalt zu stopfen und das Defizit zu senken. Die Anschaffungsneigung erholte sich zwar etwas von dem Einbruch im April, liegt aber weiter auf niedrigem Niveau. Sie bleibe zudem anfällig gegenüber der Entwicklung am Arbeitsmarkt.

Text: AFP, Reuters
Bildmaterial: dpa

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