Von Von Andrea Jung-Mack, Frankfurt
01. Februar 2002 Kupfer ist schön. Küchenprofis schätzen nicht nur die hervorragende Leitfähigkeit des Metalls, sondern ebenso seinen rotgoldenen Glanz. Künstler lieben den relativ weichen aber außerordentlich zähen Werkstoff. Auch Architekten setzten Kupfer ein. Das Metall rostet nicht, sondern legt eine grüne Patina an, die zum Beispiel Hamburger Kirchendächern und dem Rathaus der Hansestadt ihr typisches Aussehen verleiht.
Hamburg ist auch der Sitz von Europas größter Kupferhütte, der Norddeutschen Affinerie (NA). Das Kupfer, das sie herstellt, wird jedoch nicht in erster Linie zu Kochtöpfen oder Kirchendächern verarbeitet.
Kupfer ist immer und überall
540.000 Tonnen Kupfer produziert die NA pro Jahr. Die Palette der Erzeugnisse reicht von dem Grundprodukt Kupferkathoden bis zu Bändern, Blechen und Folien, Installations- und Industrierohren, dicken und dünnen Drähten. Kupfer ist überall, man sieht es nur nicht, sagt Werner Marnette, Vorstandsvorsitzender der NA im Gespräch mit FAZ.NET. Das ist auch ein Grund für seinen Optimismus, wenn er nach der Zukunft des Konzerns gefragt wird. Kupfer ist ein Zukunftswerkstoff. Der Bedarf an Kupfer wächst in modernen Industriegesellschaften kontinuierlich. Kunden der NA sind die Branchen Elektrik/Elektronik, Automobil, Maschinenbau, Bau und Münzhersteller.
Mit dem Erwerb der Prymetall zum Januar 2002 hat sich die NA in die letzte Stufe der Wertschöpfungskette der Kupfererzeugung eingekauft. Dort sind die höchsten Margen zu erzielen, sagt Werner Marnette. Dass die NA damit ihrer eigenen Kundschaft Konkurrenz, macht, stört ihn wenig. Die Firmen, die dem Kupferhersteller Kathoden abkauften, um sie weiterzuverarbeiten, profitierten immer noch von den Größenvorteilen der NA.
Größter Kupferhersteller Europas
In Europa ist die Norddeutsche Affinerie der größte Kupferhersteller, weltweit rangiert sie auf Platz fünf. Um eine Verbesserung des Weltrangs geht es dem Chef des Hamburger Unternehmens zunächst nicht. Er freut sich derzeit an der Akquisition von Prymetall. Kein anderes Unternehmen deckt die Wertschöpfungskette in der Kupferherstellung von Anfang bis Ende ab. Werner Marnette ist außerdem davon überzeugt, dass die breite Aufstellung des Unternehmens für stabile Ergebnisse sorgen wird.
Strategische Partner gesucht
Ganz so breit, wie die NA zurzeit aufgestellt ist, wird sie allerdings nicht bleiben. Der Vorstandschef sucht strategische Partnern, wie er es im Managerdeutsch nennt, für die Tochterfirmen Spiess-Urania Chemicals und MicroMet, die nicht ins Kerngeschäft passen und auch nicht die gewünschten Umsätze bringen. Weitere Akquisitionen der NA im Kerngeschäft, sofern sie zu den vorhandenen Firmenteilen passen und der Preis stimmt, schließt er deshalb jedoch nicht aus.
Neue Anwendungen für Kupfer sieht Marnette neben den althergebrachten Branchen auch in alternativen Energien. Die CIS-Solartechnik GmbH, an der die NA mit 45 Prozent beteiligt ist, arbeitet an der Entwicklung kupferbasierter Solarzellen. Einen Zeitpunkt, zu dem diese Technik in Produktion gehen wird, konnte Werner Marnette jedoch nicht nennen. Dennoch ist er überzeugt, dass Kupfer ein essentielles Metall des Fortschritts bleibt. Es wird die Zukunft der Menschen noch stärker bestimmen, als bisher.
Neue Dächer braucht das Land
Bei aller Ausrichtung auf die Zukunft bleibt die NA von ihrem Selbstverständnis her ein Teil der Old Economy. Und wie es sich für ein hanseatisches Traditionsunternehmen ziemt, engagiert sich die NA für ihre Stadt. Das Kupfer für die neuen Dächer der Hamburger Kirchen St. Jacobi und St. Petri spendete die NA. Eine nachhaltige Art und Weise, sich in das Stadtbild einzubringen.
Text: @juma
Bildmaterial: Norddeutsche Raffinerie
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