Tarifstreit

Keine Einigung bei den Metallern in Sicht

Konfrontation in Düsseldorf

Konfrontation in Düsseldorf

21. April 2006 Die IG Metall hat in den wahrscheinlich entscheidenden Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie am Freitag ein Kompromißangebot auf den Tisch gelegt. In der siebten Runde für die 700.000 Metaller in Nordrhein- Westfalen rückte die Gewerkschaft von ihrer Fünf-Prozent-Forderung ab und verlangt nun 3,4 Prozent mehr Geld plus 0,4 Prozent Einmalzahlung bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Dies berichtete Verhandlungsführer Detlef Wetzel in Düsseldorf in einer Gesprächspause. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Michael Jäger, nannte das Angebot nicht akzeptabel.

Die Metall-Arbeitgeber wollen ihrerseits noch ein neues Angebot präsentieren. „Im Laufe der Gespräche wird ein Angebot vorgelegt werden“, sagte Verhandlungsführer Jäger. Die Unternehmen wollten sich dabei „aus dem jetzigen Rahmen nach oben bewegen“, kündigte er an. Bei den Gesprächen werde aber die Findung einer Lohnzahl der schwierigste Teil werden.

Warnstreiks seit Wochen

Warnstreiks seit Wochen

Jäger schränkte Erwartungen der Gewerkschaft aber schon mal ein: „Drei Prozent plus x ist auf keinen Fall machbar.“ Das werde so nicht laufen können. Dagegen sagte IG-Metall-Bezirksleiter Detlef Wetzel, man werde sich nicht mit den von den Arbeitgebern vorgeschlagenen Einmalzahlungen abspeisen lassen. „Wir erwarten einen guten Tarifvertrag mit einem ordentlichen Pfund bei Lohn und Gehalt.“ Eine Einigung im Tarifstreit liege allein in der Hand der Arbeitgeber: „Wir sind jedenfalls verhandlungswillig.“

Jäger kündigte an, in der Nacht zum Samstag einen Abschluß erreichen zu wollen. „Ich bin auf eine lange Nacht eingestellt.“ Er sehe Spielräume für einen Abschluß. „Ich möchte heute den Deckel draufmachen“, kündigte er an.

Metaller gegen Kompromiß „Zwei plus Eins“

Wetzel sagte im WDR, die Lebenshaltungskosten würden im nächsten Jahr „auch nicht billiger“. Wetzel widersprach damit ausdrücklich einer Meldung, die Tarifverhandlungen liefen auf einen Kompromiß mit der Formel „Zwei plus Eins“ hinaus, also zwei Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung plus Einmalzahlungen im Volumen von einem Prozent. Es gehe darum, Einkommen dauerhaft zu sichern, sagte Wetzel. Er unterstrich, die Gewerkschaft wolle keinen Streik. Sollte es aber dazu kommen, sei die IG Metall in der Lage, einen Streik „unbegrenzte Zeit“ durchhalten zu können.

IG-Metall-Vize Berthold Huber hat die Arbeitgeber zum Einlenken aufgefordert. „Wir werden seit zehn Wochen hingehalten von den Arbeitgebern“, sagte Huber am Freitag im Deutschlandfunk. Die Arbeitgeber hätten die Friedenspflicht, die eigentlich ein Verhandlungsergebnis ermöglichen solle, „eher mißbraucht“ als genutzt. Das erst in der vergangenen Woche vorgelegte Angebot von 1,2 Prozent sei „der Rede aus unserer Sicht nicht Wert“, fügte Huber hinzu. Die Verhandlungspartner seien in einer „außerordentlich schwierigen“ und „zugespitzten“ Situation, räumte Huber ein. Er appellierte dennoch an die Arbeitgeber, „eine friedliche Lösung zu finden“ und dies am Verhandlungstisch zu tun.

Der Leiter des IG-Metall-Bezirks Frankfurt, Armin Schild, hat einen Abschluß von „drei plus x“ gefordert. „Wir müssen mindestens in die Nähe des Ausschöpfens des verteilungsneutralen Spielraums kommen“, sagte Schild in Frankfurt. Dieser Spielraum, der sich aus Produktivitätszuwachs und Inflation berechnet, liege zwischen drei und vier Prozent. Die 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche bräuchten Reallohnsteigerungen.

„Einmalzahlungen sind kein Ersatz“

Fußballer wünschen sich zum Anstoß ein “gutes Spiel“: Arbeitgeber-Vertreter Jäger (l.), Gewerkschafter Wetzel

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Schild schloß aus, die Erhöhung von „drei plus x“ Prozent auf 24 Monate zu strecken. „Ich habe die Befürchtung, daß das Denkmodell der Arbeitgeber ist, dann gibt es keinen Abschluß“, sagte der Bezirksleiter. Die Arbeitgeber sollten sich darüber im Klaren sein, daß die von ihnen geforderte lange Laufzeit faktisch zwei Tarifabschlüsse in einem Paket bedeuten. „Der Abschluß muß zwei Stufen enthalten, die deutlich über drei Prozent liegen“, sagte Schild. Einmalzahlungen seien „sinnvolle Elemente“, aber kein Ersatz für eine dauerhafte Erhöhung der Lohntabelle.

Den Arbeitgebern warf der Bezirksleiter vor, daß sie den Verhandlungsspielraum ungenutzt haben verfließen und Ankündigungen keine Taten haben folgen lassen. In Nordrhein-Westfalen beginne an diesem Freitag schon die 46. Verhandlungsrunde in der seit Anfang Februar geführten Tarifauseinandersetzung. Mit jeder Runde würden die Spielräume kleiner. Die Taktik der Arbeitgeber sei „irgend etwas zwischen Wirrwarr, Strategiestreit und politisch motivierter Provokation“, sagte Schild. Der IG-Metall-Bezirk Frankfurt umfaßt die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen.

Sollte es bei den Gesprächen in Düsseldorf nicht bis Montag um Mitternacht zu einem Durchbruch kommen, droht die IG Metall mit bundesweiten Streiks. Bei den Verhandlungen ist die Gewerkschaftsspitze von Jürgen Peters bis hin zu den Bezirksleitern der Bundesländer ebenso zugegen wie Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser und sein Stellvertreter Otmar Zwiebelhofer.

Die IG Metall hat für die insgesamt 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche ursprünglich fünf Prozent mehr Lohn gefordert sowie den Abschluß eines Tarifvertrages zur Qualifizierung in den Betrieben. Von den fünf Prozent ist die Gewerkschaft seit einigen Tagen öffentlich abgerückt. Die Arbeitgeber bieten bislang neben einer Lohnerhöhung um 1,2 Prozent noch 0,6 Prozent Einmalzahlungen und 0,3 Prozent mehr vermögenswirksame Leistungen an.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa, AFP, AP, Reuters
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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