27. Dezember 2005 Opel hat den Anfang gemacht. In Rüsselsheim wurde der Flächenbrand gelegt, dem in der Autoindustrie 2005 zigtausend Stellen zum Opfer gefallen sind. Schon im Herbst 2004 hat General Motors den Plan gefaßt, in Europa 12.000 Stellen zu streichen, 10.000 davon allein in Deutschland, weil die deutschen Arbeiter zu den teuersten gehören.
Nach zähen Verhandlungen und heftigen Streiks stimmt der Betriebsrat im Februar dieses Jahres dem Kahlschlag zu, Kündigungen werden vermieden. Ende Februar haben schon 4.500 Opelaner die angebotene Abfindung angenommen. Andere verlassen das Unternehmen und wechseln in Beschäftigungsgesellschaften. Im Herbst kann Opel 1.200 Stellen aus dem Ersatzteilgeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen auslagern.
Für die erheblichen Zugeständnisse gibt GM dem deutschen Standort den Zuschlag für die Produktion der Kompaktklasse (Opel Astra) in Bochum und die nächste Generation der Mittelklasse (Opel Vectra, Saab 9-3) in Rüsselsheim sowie die Garantie, Kündigungen und Werksschließungen bis 2010 zu vermeiden. Und doch wissen die Opel-Beschäftigten, daß sie über solche Bündnisse für Arbeit nur Zeit gewinnen können. Das
Das Rennen um die niedrigsten Löhne kann Deutschland nicht gewinnen. Wenn die Autokonjunktur schwächelt, die Öl- und Materialpreise steigen, die Konkurrenz aus Fernost noch stärker wird, dann müssen auch jene wieder Angst haben, die ihren Job gerade erst mit Zugeständnissen gesichert glaubten. Das gilt nicht nur für Opel, sondern auch für die Arbeiter bei Volkswagen, Mercedes & Co.
Längst hat der Rüsselsheimer Flächenbrand die Heimat von General Motors ergriffen. In Nordamerika sollen nun 30.000 der 111.000 Stellen gestrichen werden, um das Problem der Überkapazitäten auch auf dem Heimatmarkt in den Griff zu kriegen.
Text: hpe., F.A.Z., 28. Dezember 2005
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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