Rohstoffe

Steigender Ölpreis bedroht die Konjunktur

04. Mai 2004 Der schier unaufhaltsam anziehende Ölpreis wird nach Einschätzung von Börsianern den ohnehin geringen Konjunkturoptimismus mittelfristig dämpfen und die internationalen Finanzmärkte damit belasten.

„In den kommenden drei bis sechs Monaten wird der Ölpreis auf die Kurse durchschlagen", sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt am Dienstag. Andere Börsianer äußerten sich ähnlich. Der Terminkontrakt auf die führende europäische Erdöl-Sorte Brent stieg auf 35,32 Dollar je Barrel (159 Liter) und erreichte damit den höchsten Stand seit Oktober 1990. Das Ende der Fahnenstange ist nach Einschätzung von Analyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank längst nicht erreicht. Er rechnet in den kommenden Monaten mit einer Verteuerung von Brent auf bis zu 38 Dollar.

In New York ist dieser Preis schon erreicht: Am Dienstag kostete dort ein Barrel 38,21 Dollar, der höchsten Stand seit Oktober 1990. Der Preis stieg am Montagabend noch einmal um 83 amerikanische Cent.

Auch der Preis für Öl der Opec klettert weiter: Ein Barrel Öl (159 Liter) der Opec-Länder kostete am Montag 34,15 Dollar, nach 33,99 Dollar am Handelstag zuvor, wie die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) am Dienstag in Wien mitteilte. Im Schnitt der vorigen Woche waren es noch 33,25 Dollar gewesen. Im März betrug der Durchschnittspreis für ein Barrel Opec-Öl 32,05 Dollar, nach 29,65 Dollar im Februar und 30,33 Dollar im Januar. Im Gesamtjahr 2003 lag er bei 28,10 Dollar. Die Opec ermittelt den Durchschnittspreis aus sieben verschiedenen Sorten der Mitgliedsländer.

Preisanstieg drückt Gewinne und Konsum

Das Problem bei der Ölpreis-Entwicklung sei, daß ein Preisanstieg die Gewinnmargen der Unternehmen drücke und den privaten Konsum - angesichts höherer Benzinpreise - dämpfe, sagten die Experten. „Für die Europäische Zentralbank (EZB) schließt sich der Zinsspielraum", betonte Hellmeyer zudem. Schließlich importieren sich die Euro-Länder über den hohen Ölpreis auf den Weltmärkten quasi Inflation, auch der immer noch recht niedrige Dollar-Wechselkurs kann dies nicht mehr auffangen. Volkswirt Sartoris sieht im hohen Ölpreis ebenso ein Hindernis für eine von Ökonomen und Politikern geforderte Zinssenkung durch die EZB zur Ankurbelung der im internationalen Vergleich noch lahmenden Konjunktur in Europa.

Mit einer Entspannung der Situation sei nicht zu rechnen, fügte Hellmeyer hinzu. Der Brent-Preis werde sich langfristig wohl oberhalb einer Spanne von 30 bis 33 Dollar bewegen. Grund sei die wachsende Nachfrage asiatischer Staaten, insbesondere Chinas. Die Diskussion um eine Anhebung der Förderquoten durch die Opec beurteilte der Analyst der Bremer Landesbank zurückhaltend. „Viele Ölfelder haben ihre beste Zeit schon hinter sich und eine Erhöhung der Förderquoten könnte nur mit einem deutlich erhöhten technischen Aufwand bewerkstelligt werden.“

Schwankungen schlimmer als die Höhe

„Bislang ist der Öl-Preis-Anstieg noch recht glimpflich für die europäischen Unternehmen verlaufen", sagte Aktienstratege Stefan Mitropoulos von der Bankgesellschaft Berlin. Schließlich habe der Kursanstieg des Euro einen Teil der Teuerung wett gemacht. Zudem werde der belastende Effekt derzeit noch von der weltweit anziehenden Konjunktur überkompensiert. Branchenanalysten betonten zudem, daß nicht die Höhe des Ölpreises allein für die Unternehmen problematisch sei, sondern auch die große Kursschwankungen. Denn eine langsame Verteuerung könne leichter an Kunden weitergegeben werden.



Text: Reuters, AP
Bildmaterial: dpa

 
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