11. August 2002 Der Betrieb des insolventen Luftschiffbauers Carglifter muss nach der Verweigerung einer Bürgschaft kurzfristig stillgelegt werden. Insolvenzverwalter Rolf- Dieter Mönning erklärte am Sonntag, die noch vorhandenen finanziellen Mittel reichen nur noch aus, die Infrastruktur des Standortes in begrenztem Umfange zu sichern.
Das Bundeswirtschaftsministerium hatte am Samstag eine Bürgschaft über 40 Millionen Euro abgelehnt, weil ein tragfähiges Konzept und ein privater Investor fehlten. Zudem wären für ein Engagement der öffentlichen Hand stets ein finanzieller Eigenbeitrag eines privaten Investors sowie ein Unternehmenskonzept notwendig. Das Unternehmen hatte die Bundesbürgschaft als überlebenswichtig bezeichnet.
Aufsichtsrat muss sich zur Reorganisation äußern
Die Landesregierung in Potsdam möchte das technische Know-how am Standort Brand erhalten. Der Betriebsrat strebt für die noch verbliebenen 260 Mitarbeiter eine Auffanggesellschaft an. Insolvenzverwalter Mönning erklärte, der Aufsichtsrat sei gebeten worden, bis Anfang kommender Woche mitzuteilen, ob an der Reorganisation festgehalten werde. In diesem Falle müsste der gesamte Finanzbedarf innerhalb weniger Tage über Eigenkapital sichergestellt werden.
Mit den erbetenen Bundesmitteln wollte Cargolifter vor allem die Entwicklung des Lastluftschiffes AirCrane finanzieren. Auch der Cargolifter-Betriebsrat verwies am Sonntag auf Managementfehler als Ursache für die voraussichtlich endgültige Pleite. Gründe von außen für die Insolvenz lassen sich kaum finden, hieß es. Am Montag werde man mit Unternehmensführung und Insolvenzverwalter über eine sozialverträgliche Lösung für die übrigen Beschäftigten verhandeln. Möglicherweise werden Teile der AG, beispielsweise der kürzlich aufgenommene Rundflugbetrieb mit dem Testluftschiff Charly, verselbstständigt.
Steigt der Cargolifter nun im Ausland auf?
Von Cargolifter war am Wochenende zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Brandenburgs Regierungssprecher Erhard Thomas sagte, die Landesregierung bedauere zutiefst, dass sich die Bundesregierung nicht am Fortführungskonzept für Cargolifter beteilige. Nach breiter Expertenmeinung handele es sich bei der Leichter als Luft Technologie trotz des derzeitigen Rückschlags um eine chancenreiche Zukunftstechnologie.
Die Landesregierung werde weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, damit das technische Know-how am Standort Brand weiterentwickelt und so viel wie möglich davon in der Region gehalten werden kann. Um das Fortsetzungskonzept zu ermöglichen, habe sie Cargolifter erst vor wenigen Wochen trotz angespannter Haushaltslage ein bis Ende des Jahres befristetes Masse- Darlehen in Höhe von vier Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte kürzlich die Befürchtung geäußert, dass das geplante Transport-Luftschiff in 10 bis 15 Jahren im Ausland mit staatlicher Förderung aufsteigen könnte.
Am 1. August war das Insolvenzverfahren für die Cargolifter AG und sechs Töchter eröffnet worden. Das Fortführungskonzept sah zunächst den Bau einer kleineren Test-Version eines Last-Luftschiffes und die Konzentration auf den Transport-Ballon CL 75 vor. Dazu wären nach Einschätzung des Unternehmens bis einschließlich 2003 etwa 70 Millionen Euro frisches Kapital nötig. 317 Millionen Euro privater Anleger sind nach Angaben des Bundes bereits verbraucht.
Text: Reuters, dpa
Bildmaterial: dpa
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