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Porsche vor VW-Übernahme?

Porsche und VW rücken näher zusammen

Porsche und VW rücken näher zusammen

16. November 2006 Der Sportwagenhersteller Porsche bereitet sich möglicherweise auf die Übernahme von Volkswagen vor. Die Aufsichtsräte des Familienunternehmens beschlossen am Mittwoch, von der Hauptversammlung, die für den 26. Januar 2007 in Stuttgart geplant ist, ein genehmigtes Kapital im Volumen von 8,75 Millionen Stamm- und Vorzugsaktien bewilligen zu lassen. Damit wäre eine Kapitalerhöhung um 50 Prozent möglich. Die daraus zufließenden Milliarden würden ausreichen, um an VW die Mehrheit des Kapitals zu erlangen.

Bei Porsche wurde bislang ausdrücklich betont, es gebe noch „keine Pläne und erst recht keine Entscheidungen“ über die Verwendung des genehmigten Kapitals. „Das ist nur ein Vorratsbeschluß, um für alle Eventualitäten gesichert zu sein“, sagte ein Sprecher und verwies darauf, daß der Beschluß fünf Jahre Gültigkeit habe: „Fünf Jahre - was da passieren kann!“ An der Börse wurde die Phantasie aber angeheizt. Spekulationen über Zukäufe durch Porsche haben gestern der VW-Aktie zu einem Kursanstieg von zeitweilig mehr als 8 Prozent verholfen (siehe auch: Porsche und VW: Viel Phantasie in den Kursen).

Ferdinand Porsche entwickelte in den 30er Jahren den VW Käfer

Ferdinand Porsche entwickelte in den 30er Jahren den VW Käfer

Am Donnerstag morgen wurde Porsche dann deutlicher. Zu den Überlegungen in den Medien sagte Porsche-Kommunikationschef Anton Hunger der Nachrichtenagentur dpa: „Es bestehen derzeit definitiv keine Absichten, den Anteil von Porsche an VW auf 30 Prozent oder darüber aufzustocken.“

„Position untermauern“

„Es ist ein Irrtum zu glauben, Porsche brauche das Geld nur, weil wir etwas mit VW vorhaben“, sagte der Sprecher. Tatsächlich hat Porsche laut einer Pflichtmitteilung bereits die Meldeschwelle überschritten und hält nun 27,4 Prozent der VW-Stammaktien. Definitiv beschlossen ist vom Aufsichtsrat aber erst, den Anteil an VW auf 29,9 Prozent aufzustocken. „Damit wollen wir unsere Position als der mit Abstand größte Einzelaktionär von VW untermauern“, heißt es in Stuttgart. Sobald die Schwelle von 30 Prozent überschritten wird, muß ein Investor den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten.

Nach den Kursen vom Mittwoch wären die Volkswagen-Stammaktien insgesamt rund 23 Milliarden Euro wert. Weil Porsche bereits mehr als ein Viertel des Pakets hält und es als gesichert gelten kann, daß das Land Niedersachsen seinen 20-Prozent-Anteil nicht verkauft, müßte Porsche höchstens 50 Prozent der VW-Aktien finanzieren - was zu gestrigen Kursen rund 12 Milliarden Euro kosten würde. Wahrscheinlich wären aber viele Aktionäre gar nicht verkaufsbereit, weil sie die Porsche-Dominanz im Verbund mit dem VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piech als Motor für eine gute Entwicklung des VW-Kurses sehen. Aus heutiger Sicht wäre die Finanzierung also problemlos möglich. Eine Kapitalerhöhung um 50 Prozent könnte Porsche rund bis zu 8 Milliarden Euro in die Kasse spülen, entsprechend hoch wäre der Spielraum für zusätzliches Fremdkapital. Außerdem dürfte Porsche hohe Reserven haben.

„Deutlich dreistelliger Millionenbereich“

Zum Ende des Geschäftsjahres 2004/2005 verfügte Porsche über liquide Mittel und Wertpapiere von mehr als 3,5 Milliarden Euro. Das dürfte in etwa dem Betrag entsprechen, den Porsche für den VW-Anteil bisher ausgegeben hat. Zwar hat sich der VW-Kurs seit dem Einstieg von Porsche beinahe verdoppelt.

Doch für Porsche müssen die Zukäufe nicht so teuer werden. Der Sportwagenhersteller, der auch in Bezug auf Devisen berühmt für seine Kurssicherungsgeschäfte ist, hat sich offenbar bestens abgesichert. Im Geschäftsjahr 2005/2006 - für das erst im Dezember ein Geschäftsbericht vorgelegt wird - verbucht Porsche sogar einen Ertrag im „deutlich dreistelligen Millionenbereich“ aus Kurssicherungsgeschäften mit VW-Aktien. Diesem Sondereffekt, der sich nur in Buchwerten widerspiegelt, sowie weiteren Einmaleinflüssen verdankt Porsche einen überdurchschnittlich hohen Ergebnissprung für das Geschäftsjahr 2005/2006 (31. Juli). So nahm das Ergebnis vor Steuern im Konzern um 70 Prozent auf 2,11 Milliarden Euro zu.

Verbesserter Modellmix

Nach Steuern ergibt sich ein Plus von fast 79 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro Überschuß. Das Ergebnis aus dem Fahrzeuggeschäft habe sich besser entwickelt als der Umsatz, was in erster Linie einem verbesserten Modellmix zu verdanken sei, heißt es. Seit Jahren bezeichnet sich Porsche als der Autohersteller mit der höchsten Umsatzrendite, vor Jahresfrist erreichte der Wert 18,5 Prozent (vor Steuern). Dieses Jahr wird der Wert erstmals nicht explizit genannt - unter Verweis auf die Sondereinflüsse, die die Angabe verfälschen würden. Neben den Erträgen aus Kurssicherungsgeschäften zählen dazu auch der Verkauf des Cabrio-Dachherstellers CTS und das Ergebnis aus der VW-Beteiligung.

Die großen Zukunftspläne von Porsche soll offenbar weiter Wendelin Wiedeking verwirklichen, dessen Vertrag bis September 2012 verlängert wurde. Der bisherige Aufsichtsratschef Helmut Sihler, 76, sowie Walther Zügel, 73, werden altershalber aus dem Kontrollgremium ausscheiden. Als neue Aufsichtsratsmitglieder werden Henkel-Chef Ulrich Lehner sowie Hans-Peter Porsche, 63, vorgeschlagen.

Text: sup. / F.A.Z. vom 16. November 2006
Bildmaterial: ddp, dpa

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