26. Februar 2003 Mit einer Radioquote für neue Musiktitel will die deutsche Phonowirtschaft den anhaltenden Umsatzschwund beim Verkauf von CDs und anderen Tonträgern angehen. Die Branche wolle durchsetzen, dass in öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern die Hälfte aller Stücke Neuheiten sein müssten, erklärte der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt, am Mittwoch in Hamburg.
Mit der Radio-Quote will die Phonowirtschaft das Interesse der Hörer und damit den Verkauf ihrer Tonträger ankurbeln. Im vergangenen Jahr ging deren Umsatz nach Verbandsangaben auch wegen weiter steigender Zahlen von Raubkopien erneut um 11,3 Prozent auf 1,97 Milliarden Euro zurück. Lediglich der Absatz von DVDs stieg dem Verband zufolge von 1,3 auf drei Millionen Stück. In den vergangenen beiden Jahren hätten Handel und Industrie rund 3.000 Arbeitsplätze gestrichen.
Die Radioquote: 50 Prozent Neuheiten, 25 Prozent deutsche Künstler
Der Neuheitenanteil der öffentlich-rechtlichen Radiosender sei mit durchschnittlich 14,3 Prozent beschämend niedrig, erklärte Gebhardt. Daher fordere die Musikwirtschaft unter dem Motto 50:50 auch in der Bundesrepublik - ähnlich wie in Frankreich - eine Radioquote einzuführen. Die Hälfte der gespielten Titel sollten demnach von neuen Künstlern sein. Um auch deutsche Künstler stärker in den Vordergrund zu rücken, sollen von den Neuheiten wiederum die Hälfte aus inländischer Produktion stammen. Gebhardt betonte, trotz der Vielfaltspflicht machten die deutsch-sprachigen Neuheiten derzeit nur 1,2 Prozent des Musikprogramms der Öffentlich-Rechtlichen aus.
Seit Musik-CDs mit einem Computer kopiert werden könne, hat die deutsche Musikindustrie nach eigenen Angaben ein Viertel ihres Marktes eingebüßt. In den vergangenen beiden Jahren beschleunigte sich der Abschwung nochmals. Zumindest im laufenden Jahr erwartet die Musikindustrie keine durchgreifende Besserung ihrer Lage. Wenn wir Glück haben, bleibt das Minus einstellig, sagte Gebhardt.
Schwunghafter Verkauf von bespielbaren CDs
Auch in den anderen großen Industrieländern gehen die Umsätze der Musikbranche zurück. Die Entwicklung verläuft jeweils parallel zur Verbreitung der CD-Brenner, sagte Verbands-Geschäftsführer Peter Zombik. In Deutschland verkaufte die Branche 2002 rund 166 Millionen CD-Alben, sechs Millionen weniger als im Jahr zuvor. Gleichzeitig wurden 486 Millionen unbespielte CD-Rohlinge verkauft, von denen nach Schätzungen 267 Millionen mit Musik bespielt wurden. Das sind rund 100 Millionen mehr, als reguläre Musik-CDs gekauft wurden. Musik ist nachgefragt wie nie zuvor, sagte Gebhard. Leider wird immer seltener dafür bezahlt.
Ihre Hoffnungen setzt die Branche auch auf die Novelle des Urheberrechts, die gegenwärtig in Berlin vorbereitet wird. Dann hätte die Musikwirtschaft eine Handhabe gegen Hersteller von Kopier- Software sowie Zeitschriften, die Anleitungen zum Umgehen des Kopierschutzes veröffentlichen. Außerdem will die Branche noch im ersten Halbjahr 2003 eine Gemeinschaftsplattform im Internet einrichten, bei der legal für Geld Musikstücke geladen werden können.
Text: AFP, dpa
Bildmaterial: dpa
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