05. Juli 2004 Nach einer leichten Besserung auf dem Arbeitsmarkt im Juni hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) vor übertriebenen Erwartungen gewarnt.
Trotz eines erstmaligen Rückgangs der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit seit Januar sei es noch zu früh, von einer Trendwende zu sprechen, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt am Dienstag in Nürnberg bei der Vorlage der Arbeitsmarktbilanz für Juni. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier eine Entwicklung zum Besseren andeutet. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl war von Mai auf Juni um 1000 gefallen: Im Westen ging sie um 6000 zurück, im Osten stieg sie um 5000. Diese Zahl gilt bei Experten als aussagekräftiger, weil jahreszeitlich bedingte Schwankungen herausgerechnet werden. Der saisonbereinigte Beschäftigungsabbau setzte sich jedoch fort. Die Zahl der Erwerbstätigen ging nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden im April - dem jüngsten verfügbaren Monat - saisonbereinigt um 28.000 zurück.
Die unbereinigte Zahl der Arbeitslosen sank im selben Zeitraum um 59.700 auf 4,233 Millionen. Die jahreszeitlich bedingte Frühjahrsbelebung fiel damit schwächer aus als im vorigen Jahr. Auch der Verlust von Arbeitsplätzen setzte sich nahezu unvermindert fort.
Die bundesweite Arbeitslosenquote habe im Juni 10,2 Prozent betragen. Noch ist die konjunkturelle Belebung nicht stark genug, damit die Betriebe in der Summe wieder mehr Personal einstellen", sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise.
Für Bundesminister Wolfgang Clement kommt die deutsche Wirtschaft langsam in Schwung. Saisonbereinigt sei die Zahl der Arbeitslosen zum ersten Mal in diesem Jahr nicht mehr gestiegen. Dies zeige, daß die internationale Konjunktur immer stärker in Fahrt komme. In ihrem Fahrwasser und durch die Reformen erhole sich auch die deutsche Wirtschaft. Dies zeige auch die Tatsache, daß Institutionen und Institute ihre Wachstumsprognosen für Deutschland korrigierten, erklärte Clement. Mit den neusten Zahlen scheine nach Jahren der Trend zum Abbau von Arbeitsplätzen erstmals gestoppt. Einen Trend zum Schaffen neuer Arbeitsplätze erwartet der Minister allerdings erst in der ersten Hälfte des kommenden Jahres.
Volkswirte erleichtert
Volkswirte haben mit Erleichterung auf den schwachen Rückgang der saisonbereinigten Zahl der Arbeitslosen im Juni reagiert. Von einer Wende könne aber noch nicht gesprochen werden, dafür sei die konjunkturelle Belebung in Deutschland noch zu schwach. Es scheint aber eine Stabilisierung der Zahlen im Sommer zu geben, urteilt Jürgen Michels von der Citigroup in London. Damit seien auch die Aussichten für die Inlandsnachfrage zum Jahreswechsel etwas besser geworden. Allerdings gehe mit der moderaten konjunkturellen Belebung auch nur ein moderater Beschäftigungsaufbau einher.
In Westdeutschland verringerte sich die Zahl der amtlich registrierten Arbeitslosen im Juni um 40.800 auf 2.668.900, in Ostdeutschland um 19.000 auf 1.564.500. Die Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen werden jedoch seit Jahresbeginn in der Statistik nicht mehr mitgezählt. Andernfalls hätte sich nach BA-Angaben im Vergleich zum Vorjahr bundesweit ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um 61.900 ergeben.
Text: @tor mit Material von Reuters, dpa, AP und vwd/Dow Jones
Bildmaterial: dpa, F.A.Z., FAZ.NET
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