Textil

Jil Sander verlagert Produktion nach Italien

Modeschöpferin Jil Sander

Modeschöpferin Jil Sander

09. März 2005 Der Hamburger Modekonzern Jil Sander will Produktion und Logistik nach Italien verlagern, um wieder die Gewinnzone zu erreichen. Um die Produktionsprozesse zu vereinfachen, sollen nicht zu der Unternehmensgruppe gehörende Subunternehmen die Aufgaben übernehmen, teilte Jil Sander am Mittwoch in Hamburg mit.

„Schon jetzt werden 90 Prozent der Herstellung in Italien erledigt“, sagte Jil-Sander-Chef Giacomo Ferraris in Hamburg. Das Hamburger Unternehmen werde sich auf seine Kernkompetenzen Design und Markenmanagement konzentrieren und in diesen Bereichen auch investieren. „Die Unabhängigkeit und Einzigartigkeit von Jil Sander sind für uns sehr wichtig“, erklärte der Alleinvorstand.

„Bis 2006 profitabel werden“

Unternehmensgründerin Jil Sander war im vergangenen Herbst zum zweiten Mal aus ihrer Funktion als Chef-Designerin ausgeschieden, seitdem der italienische Prada-Konzern im Jahr 1999 das Unternehmen übernommen hatte. „Bis zum Jahr 2006 wollen wir auf EBITDA-Basis profitabel werden“, sagte Ferraris. So würden vermutlich ein Showraum in Hamburg geschlossen und große Jil-Sander-Stores in kleinere Einheiten umgewandelt.

Die rund 160 Arbeitsplätze von Jil Sander in Ellerau bei Hamburg stehen ebenso auf der Kippe wie weitere Arbeitsplätze in der Verwaltung. Darüber werde mit dem Betriebsrat verhandelt. Jil Sander beschäftigt weltweit 677 Mitarbeiter, davon 430 in Deutschland. Der Prada-Konzern unter dem Vorsitz von Patrizio Bertelli hatte Jil Sander im Sommer 1999 übernommen.

Zwischen dem Italiener und der Norddeutschen kam es schnell zu Problemen, so dass sich Sander vollständig aus dem Unternehmen zurückzog. Eine Rückkehr als Designerin von Mai 2003 bis November 2004 scheiterte abermals an den unvereinbaren Charakteren von Bertelli und Sander. Die Umsätze von Jil Sander für 2004 bezifferte Ferraris mit rund 140 Millionen Euro, was gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg wäre. Die Verluste sind erst für das erste Halbjahr veröffentlicht und betragen hier 17 Millionen Euro.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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