Chemie / Kosmetik

Spekulationen um Beiersdorf verdichten sich

Tchibo will seine Anteile an Beiersdorf aufstocken

Tchibo will seine Anteile an Beiersdorf aufstocken

13. Oktober 2003 Nach jahrelangen Gerüchten um die Zukunft des Kosmetikherstellers Beiersdorf rückt eine Entscheidung über die Aktionärsstruktur des Unternehmens offenbar in greifbare Nähe. Ein Angebot für die Allianz-Anteile an Beiersdorf durch ein Konsortium unter Führung der Tchibo Holding steht unmittelbar bevor.

„Das Konsortium um Tchibo steht, ein Angebot an die Allianz ist noch in diesem Monat absehbar“, hieß es am Montag in mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Bereits am Freitag war zu hören, daß ein offizielles Kaufangebot in den nächsten Tagen “absolut denkbar“ sei. Neben Tchibo sollen seitens der öffentlichen Hand voraussichtlich die Landesbank HSH Nordbank oder auch eine andere staatliche Gesellschaft dem Konsortium angehören. Daneben sei die Gründerfamilie des Kosmetikkonzerns, Claussen, beteiligt. Außerdem könne auch Beiersdorf selbst dem Konsortium angehören, um im Rahmen eines Aktienrückkaufs ein kleineres Paket zu übernehmen.

„Der Hamburger Senat arbeitet an einer Lösung, die EU-konform ist", hieß es. Der Senat müsse darauf achten, daß eine staatliche Beteiligung an Beiersdorf nicht gegen das Wettbewerbsrecht der Europäischen Union verstoße. Deshalb werde der Senat in keinem Fall selbst Geld in die Hand nehmen, sondern die Landesbank oder andere Unternehmen. Ein Senatssprecher wollte diese Darstellungen nicht kommentieren. „Fragen sie die Landesbank", sagte er. Wirtschaftssenator Gunnar Uldall und Finanzsenator Wolfgang Peiner (beide CDU) seien seit einiger Zeit in die Gespräche eingebunden. Den Kreisen zufolge soll es in Kürze ein Angebot für den 43-prozentigen Anteil des Allfinanzkonzerns Allianz an Beiersdorf geben. „Wir können aber nicht sagen, wer das ist, denn das betrifft den Kern der Sache“, hieß es aus den Kreisen. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll es sich um einen bekannten Finanzinvestor handeln.

Stadt Hamburg dementiert Einstiegspläne

Unterdessen wies ein Sprecher des Hamburger Senats Medienberichte zurück, wonach sich der Stadtstaat mit einer Milliarde Euro am Beiersdorf-Kauf beteiligen will. „Das ist absolut absurd. Eine finanzielle Beteiligung der Stadt wird es nicht geben.“ Der Sprecher bestätigte allerdings, daß seit längerer Zeit Gespräche geführt würden, um die Interessen der Stadt Hamburg - der Verbleib des Unternehmens sowie der Arbeitsplätze in der Hansestadt - zu wahren.

Auch die Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) halten es nicht für sehr wahrscheinlich, daß sich die Stadt Hamburg neben Tchibo und der Beiersdorf-Gründerfamilie Claussen an der Übernahme des Allianz-Anteils an Beiersdorf beteiligen wird. Es sei sehr fraglich, wie der Hamburger Senat bei der angespannten Haushaltslage mindestens eine Milliarde Euro aufbringen soll, heißt es.

Appelle nach München

Die Senatoren Gunnar Uldall (Wirtschaft) und Wolfgang Peiner (Finanzen) können jedoch nur Appelle in Richtung München senden - die Entscheidung über die Beiersdorf-Zukunft trifft allein der Allianz- Konzern. Bislang scheiterte der Verkauf der Anteile vor allem an zu hohen Preisvorstellungen der Allianz und dem hartnäckigen Beharren von Tchibo auf der Sperrminorität von 30 Prozent, die jeden Mehrheitseigner in seiner Handlungsfreiheit einschränkt. Procter-&- Gamble-Chef Alan G. Lafley hatte vor kurzem im „Spiegel“ angezweifelt, daß Beiersdorf überhaupt zum Verkauf steht. „Wir haben noch nie in unserer Firmengeschichte eine feindliche Übernahme durchgezogen“, sagte er dem Magazin. Damit läuft die Entscheidung auf Tchibo zu.

„Für mich verdichtet sich der Eindruck, daß mit den vielen Gerüchten Druck auf die Allianz ausgeübt werden soll“, sagt der Analyst Michael Mantlik von der Vereins- und Westbank. Insider sehen auch in der Berichterstattung des amerikanischen „Wall Street Journal“ ein Hamburger Signal an Procter & Gamble, daß sie in der Hansestadt nicht willkommen sind.

Aufstellung gegen Procter & Gamble

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires berichtet, daß durch einen Zusammenschluß der Stadt Hamburg und der Beiersdorf-Gründerfamilie Claussen mit Tchibo der amerikanische Konzern Procter & Gamble an einer Übernahme der Beiersdorf-Anteile gehindert werden soll. Tchibo sei bereit, mindestens den durchschnittlichen Preis der Beierdorf-Aktien der vergangenen zwölf Monate zu zahlen, hieß es aus Verhandlungskreise. Dies würde einen Preis von 107 Euro je Aktie bedeuten und einen Gesamtpreis von 3,95 Milliarden Euro für den Allianz-Anteil.

Die LRP-Analysten meinten dazu, daß dieser Übernahmepreis unrealistisch sei, da er keine Übernahmeprämie beinhalte. Die Allianz habe im April eine Kapitalerhöhung vorgenommen und stehe finanziell nicht mehr unter Druck. Sie müsse den Beiersdorf-Anteil demnach nicht um jeden Preis verkaufen. Ein zügiger Verkauf würde nichtsdestotrotz auch den Interessen der Allianz entgegenkommen, die sich nach Informationen aus Branchenkreisen möglichst noch im laufenden Jahr von ihrem 43,6-prozentigen Beiersdorf-Anteil trennen will. Die Beiersdorf-Aktie legte bis 13 Uhr um 1,4 Prozent auf 109,72 Euro zu.

Text: vwd, Reuters, dpa
Bildmaterial: dpa

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