19. Juli 2003 Der Beiersdorf-Konzern will sein Markengeschäft ausbauen und denkt an die Übernahme von Firmen im Ausland. Sobald eine Marke auf den Markt kommt, muß man schnell zuschnappen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Nivea-Herstellers, Rolf Kunisch, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Mittel für Übernahmen seien vorhanden: Bei der Bilanzstruktur von Beiersdorf und einschließlich unserer frei verfügbaren Barmittel können wir gut zwei Milliarden Euro aufbringen, ohne jede Kapitalerhöhung.
An den aktuell zum Verkauf angebotenen amerikanischen Kosmetikmarken der Firmen Playtex und Revlon ist Kunisch indes nicht interessiert. Erstmals zufrieden ist Kunisch mit der Entwicklung des Klebstoffgeschäfts der Marke Tesa, das vor Jahren in eine selbständige Aktiengesellschaft überführt, nun aber nicht verkauft werden soll. Tesa soll in diesem Jahr um 5 bis 6 Prozent zulegen, kündigte Kunisch an. Es wäre das erste reale Wachstum von Tesa in den vergangenen zehn Jahren.
Frage der Aktionärsstruktur soll geklärt werden
In der offenen Frage der Aktionärsstruktur hofft Kunisch auf eine Klärung, noch bevor sein Vorstandsvertrag Mitte 2004 ausläuft. Der Aufsichtsrat wird diese Frage gemeinsam mit unseren Großaktionären lösen, zeigte sich der 62 Jahre alte Manager gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sehr zuversichtlich.
An Beiersdorf ist der Kaffeeröster Tchibo mit rund 30 Prozent beteiligt, die Allianz will sich von ihrem 44-Prozent-Paket trennen. Wegen der ungewissen Eigentümerfrage blieb der Beiersdorf-Aktie bisher der Aufstieg in den Dax verwehrt. Am 31. Juli entscheidet die Börse abermals über die Zusammensetzung des Index. Kunisch ist skeptisch, ob Beiersdorf aufgenommen wird, wenngleich seiner Meinung nach kein Weg daran vorbeiführe: Nach den objektiven Kriterien der Börse wären wir dabei. Gemessen an der Marktkapitalisierung und den Umsätzen ist der Körperpflegekonzern zusammen mit T-Online ein heißer Anwärter.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 20. Juli 2003
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