11. Mai 2007 Einen Tag nach dem Ende der Urabstimmung haben bei der Deutschen Telekom am Freitag die bundesweiten Streiks gegen den geplanten massiven Stellenumbau begonnen. Im bayrischen Weiden in der Oberpfalz traten um 6.00 Uhr 120 Beschäftigte der Frühschicht in den Ausstand, wie ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi mitteilte. In Düsseldorf begann der Arbeitskampf eine halbe Stunde später.
Callcenter und Servicestellen sind betroffen
Der Streik zielt auf Callcenter, Servicestellen und technische Infrastruktur ab, sagte Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm. Der Schwerpunkt der Arbeitsniederlegungen liege in Nordrhein-Westfalen, wo Verdi 3.000 Telekom-Mitarbeiter erwartet. Wir sind so aufgestellt, dass wir sehr lange durchhalten können, sagte Wilhelm. Kunden müssen mit Einschränkungen beim Service und bei der Beseitigung von Störungen rechnen.
Der Protest richtet sich gegen die geplante Auslagerung von 50.000 Mitarbeitern in Service-Gesellschaften. Sie müssen dort für weniger Geld mehr arbeiten. Privat- und Geschäftskunden müssen sich auf Einschränkungen beim Service und bei der Beseitigung von Störungen einstellen. Der Streik, für den sich die Beschäftigten in einer Urabstimmung mit großer Mehrheit ausgesprochen hatten, ist der größte Arbeitskonflikt seit der Privatisierung des Bonner Konzerns vor zwölf Jahren.
Prämien für Arbeitswillige
Die Telekom bemüht sich, die Auswirkungen des Arbeitskampfes nach außen gering zu halten. Eine Sprecherin sagte, die Beamten, die etwa die Hälfte der 50.000 von den Auslagerungsplänen betroffenen Arbeitnehmer ausmachen und die nicht streiken dürften, seien im Einsatz. Sie bestätigte außerdem, dass arbeitswilligen Tarifbeschäftigten für Mehrarbeit während des Streiks Prämien gezahlt würden.
Die von Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder genannte Zahlung von 300 Euro pro Tag an Streikbrecher wollte die Sprecherin nicht bestätigen. Es stehe ein Budget zur Verfügung, aus dem entsprechend der Leistung der Mitarbeiter bezahlt werde, sagte sie.
Politiker kritisieren die Streiks
Mehrere Bundespolitiker haben die ersten Streiks in der Unternehmensgeschichte der Deutschen Telekom kritisiert. Der Konzern steckt in großen Schwierigkeiten. In so einer Situation ist ein Arbeitskampf keine Hilfe, sagte der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend der Oldenburger Nordwest-Zeitung vom Freitag. Die Unternehmensführung könne jedoch nicht erwarten, dass ihre Pläne einfach so geschluckt würden.
FDP-Fraktionsvize Rainer Brüderle sprach von einem gefährlichen Spiel der Gewerkschaft Verdi, dem die Bundesregierung nicht tatenlos zusehen dürfe. Statt konstruktiv gemeinsam mit der Unternehmensführung nach einer Lösung zu suchen, stürzt sich Verdi wieder in den Fundamentalismus, sagte Brüderle der Berliner Zeitung. Der CSU-Arbeitsmarktexperte Max Straubinger vertrat in der Passauer Neuen Presse die Ansicht: Der Streik ist der falsche Weg. Er wird die Probleme
im Konzern möglicherweise noch verschärfen.
Text: AP/dpa/Reuters
Bildmaterial: dpa, picture-alliance/ dpa
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