Karrieren

Der tiefe Fall des Lars Windhorst

15. Oktober 2002 Gegen den einstigen Vorzeige-Jungunternehmer Lars Windhorst ist die Zwangsvollstreckung eingeleitet worden. Das teilte Rechtsanwalt Paul Börger aus Lennestadt (Sauerland) am Dienstag mit und bestätigte damit einen Bericht des „Westfalen-Blatts“. Der 25-Jährige habe vor dem Arbeitsgericht Minden vereinbarte Abfindungszahlungen für gekündigte Mitarbeiter der Windhorst Electronics GmbH bislang nicht gezahlt. Es gehe um mindestens 60.000 Euro.

Der Unternehmer hatte vor zwei Jahren in Berlin eine neue Firma gegründet. Windhorst habe seine PC-Produktion im Ort Rahden eingestellt und den verbliebenen 30 Mitarbeitern zum 30. Juni 2002 gekündigt, hieß es. 21 Beschäftigte hätten geklagt, da unter anderem bei Schwangeren und Schwerbehinderten Kündigungsschutzbestimmungen nicht eingehalten worden seien. Ferner sei Mitarbeitern, zumindest aus dem kaufmännischen Bereich, keine neue Arbeitsstelle in Berlin angeboten worden.

Tiefer Fall eines Jungstars

Nach Angaben des Rechtsanwalts wurde vor dem Arbeitsgericht Minden Anfang September ein Vergleich geschlossen und Abfindungszahlungen zwischen 1.000 und 6.000 Euro vereinbart. Bis zur ersten Oktober-Woche sollte gezahlt werden. „Doch keiner meiner Mandanten hat bislang Geld bekommen. Deshalb habe ich die Vollstreckung eingeleitet“, sagte Börger, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Führe diese Maßnahme mangels Masse nicht zum Erfolg, werde eine Strafanzeige wegen versuchten Betruges gegen Windhorst als Geschäftsführer der Electronics GmbH geprüft, kündigte er an. Windhorst, einst Deutschlands jüngster Vorzeigeunternehmer, hatte die GmbH in Rahden im Dezember 1994 im Alter von 18 Jahren gegründet. 600 Arbeitsplätze sollten in einem neuen Windhorst-Center entstehen.

„Habe mich verzettelt“

Später geriet Windhorst, der nach eigener Darstellung schon als Elfjähriger von der Wirtschaft fasziniert war, jedoch wegen angeblicher dubioser Geschäfte ins Visier der Justiz. Zu seinen ehrgeizigen Projekten hatte auch der Bau eines Wolkenkratzers mit 55 Stockwerken in der vietnamesischen Metropole Ho-Tschi-Minh-City (Saigon) gehört, die Pläne waren jedoch geplatzt. Im Rückblick räumte Windhorst ein, sich bei seinen euphorischen Expansionsplänen im Ausland verzettelt zu haben. Inzwischen steht der Firmen-Neubau für acht Millionen Euro zum Verkauf.

Die Windhorst Electronics solle aus dem Handelsregister gelöscht werden, hieß es in dem Bericht. Seit zwei Jahren ist Windhorst in Berlin aktiv: Seine AG mit Sitz in einem Hochhaus am Potsdamer Platz ist in den Sparten Finanzdienstleistungen und Firmenbeteiligungen tätig. Trotz schwierigen Marktumfeldes habe sich das Unternehmen in diesem Jahr profitabel entwickeln können, betonte der Unternehmer in dem Zeitungsbericht.

Text: dpa

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