VW-Führung

Wulff unterstützt Pischetsrieder

Kein Anlaß, seine Meinung zu ändern, sagt Wulff

Kein Anlaß, seine Meinung zu ändern, sagt Wulff

03. März 2006 Nun hat sich Niedersachsens Ministerpräsident Wulff doch noch geäußert, wenn auch ein wenig verklausuliert: Seine Unterstützung für VW-Chef Bernd Pischetsrieder gilt. Der Betriebsrat hält sich noch immer zurück. Der langjährige Vorstandschef des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche, Wendelin Wiedeking, will auf seinemPosten bleiben und nicht Chef des Wolfsburger VW-Konzerns werden.

„Ich denke nicht darüber nach, woanders hinzugehen“, sagte Wiedeking in einem Freitag veröffentlichten Interview mit dem österreichischen Magazin „Format“. „Die Porsche-Story ist einfach viel zu spannend für mich.“ Er stehe deshalb nicht als Volkswagen-Chef zur Verfügung. „Wir bringen uns als Aktionär ein, für das operative Geschäft ist das Management verantwortlich“, sagte Wiedeking. Porsche ist seit Herbst größter Aktionär von Volkswagen, Wiedeking ist seit kurzem im Aufsichtsrat vertreten.

Wiedeking: „Gutes Verhältnis zu Herrn Pischetsrieder“

Will nicht nach Wolfsburg: Porsche-Chef Wiedeking

Will nicht nach Wolfsburg: Porsche-Chef Wiedeking

Wie bereits in den vergangenen Tagen stärkte Porsche dem unter Druck geratenen VW-Chef nicht öffentlich den Rücken. „Ich habe ein gutes Verhältnis zu Herrn Pischetsrieder“, sagte Wiedeking lediglich. Die vom VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Großaktionär Ferdinand Piech losgetretene Debatte um Pischetsrieders Zukunft an der VW-Spitze muß nach Wiedekings Worten im Kontrollgremium besprochen werden.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hat seine Unterstützung für eine Verlängerung des Vertrages von Pischetsrieder bekräftigt. Auf die Frage, ob seine Unterstützung für Pischetsrieder noch stehe, antwortete Wulff am Freitag in Hannover: „Ich wechsele meine Meinung nur, wenn Anlaß dafür besteht, und ich sehe keinen Anlaß.“

Die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite über eine Verlängerung des Vertrages des VW-Vorstandsvorsitzende seien „im laufenden Gange“, sagte Wulff. Unmittelbar nach dem 16. April, dem Tag, an dem die Vertragsverlängerung von Pischetsrieder frühestens stattfinden könne, werde sehr zeitnah entschieden.

Wulff auf Distanz zu Piëchs Äußerungen

Wulff ging auf Distanz zu den öffentlichen Äußerungen von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch zur Zukunft des Vorstandsvorsitzenden. „Nach Aktienrecht spricht für den Aufsichtsrat der Aufsichtsratsvorsitzende, und der tut das ja hinlänglich in diesen Tagen national und international“, sagte Wulff. Er selbst kommentiere Personaldiskussionen, die im Aufsichtsrat zu führen seien, nie öffentlich. Das gelte auch in diesem Falle. Das Land Niedersachsen und der Autohersteller Porsche sind Großaktionäre von VW.

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh will sich nicht öffentlich in die Diskussion über die Zukunft von Pischetsrieder einschalten. Osterloh vermied es im Gespräch mit Reuters aber auch, ein Bekenntnis für Pischetsrieder abzugeben. „Für mich als Betriebsrat hat vor allen anderen Dingen meine Verantwortung für die 170.000 Beschäftigten im Inland Priorität“, sagte Osterloh am Freitag. Für ihn hätten die Verhandlungen über das von Pischetsrieder eingebrachte Sparprogramm Vorrang. „Wir wollen mit Volkswagen verhandeln und nicht darüber in der Zeitung lesen.“ Osterloh wies zugleich Vermutungen zurück, die Arbeitnehmerseite könne ihre Zustimmung zu Pischetsrieders Vertragsverlängerung im Aufsichtsrat zurückhalten, um Abstriche an den Sanierungsplänen zu erreichen. Das sei nicht seine Intention, betonte er.

Nach Informationen aus Konzernkreisen will Pischetsrieder nicht zurücktreten. „Es gibt keinerlei Anzeichen, daß Pischetsrieder seinen Vertrag frühzeitig lösen will. Er denkt nicht einmal daran“, berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Unternehmenskreise in Wolfsburg. Ein VW-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa, Reuters, AP
Bildmaterial: picture-alliance / dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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