AOL-Europe-Verkauf

Bertelsmann soll zwei Ex-Managern 200 Millionen Euro zahlen

Zwei frühere Manager bitten zur Kasse

Zwei frühere Manager bitten zur Kasse

12. Dezember 2003 Nach dem Urteil einer kalifornischen Jury muß der deutsche Medienkonzern Bertelsmann zwei früheren Beschäftigen über 200 Millionen Euro zahlen. Die Geschworenen in Santa Barbara warfen dem Konzern am Donnerstag (Ortszeit) Vertragsbruch vor. Bertelsmann-Anwalt Anthony Murray sagte, daß es für den Konzern „nicht akzeptabel“ sei, den beiden Klägern die von der Jury vorgeschlagene Summe von 208 Millionen Euro zu zahlen.

Die früheren Bertelsmann-Beschäftigten Andreas von Blottnitz und Jan Henric Buettner hatten das Unternehmen auf einen „fairen Anteil“ an dem Erlös aus dem Verkauf der Bertelsmann-Beteiligung am Internetdienst AOL Europe verklagt. Auf seiten der Kläger war zu Beginn die Rede von 3,5 Milliarden Dollar. Bertelsmann hatte seinen 50-Prozent-Anteil für mehr als 6,5 Milliarden Dollar an den amerikanischen Miteigentümer AOL Time Warner verkauft.

Bertelsmann: Viel zu viel

Ulrich Koch, Chef-Syndikus von Bertelsmann, bezeichnete das Urteil als „zwiespältig“. Er werte es als einen Erfolg, daß die Milliardenforderung abgewiesen wurde, bezeichnete aber die von der Jury verhängte Millionensumme als „viel zu viel“. Er halte es für wahrscheinlich, daß der zuständige Richter in den kommenden zwei Wochen der Juryentscheidung zustimme. Koch und Murray stellten in Aussicht, dann einen neuen Prozeß zu beantragen oder gegen das Urteil Berufung einzulegen.

In dem im September begonnenen Prozeß argumentierten die Kläger, ihnen sei eine Erfolgsbeteiligung während ihrer Zeit bei der Bertelsmann AG (Gütersloh) zugesichert worden. Von 1995 bis 1997 war Buettner Geschäftsführer von AOL Deutschland. Von Blottnitz übernahm seinen Posten bis 1999. Heute ist Buettner Geschäftsführer des amerikanischen Unternehmens BV Capital. Von Blottnitz leitet eine Tochterfirma in Kalifornien.

Rechtsstreit auch um Napster

Bertelsmann befindet sich derzeit noch in einem weiteren großen Rechtsstreit. Dabei geht es um die Musik-Tauschbörse Napster, in die Bertelsmann in den Jahren 2000 und 2001 insgesamt 85 Millionen Dollar investiert hat. Im Februar dieses Jahres hatten zwei Musikverlage Bertelsmann auf Schadenersatz in Höhe von 17 Milliarden Dollar verklagt, weil das Unternehmen damit ihrer Ansicht nach Internetpiraterie gefördert und damit der Musikindustrie Umsätze gekostet habe. Dieser Klage schlossen sich später auch die Musikkonzerne Universal und EMI an, die keine Schadenersatzforderung beziffert haben. Bertelsmann hat vor knapp zwei Monaten einen Antrag auf Abweisung der Klagen gestellt, der zuständige Richter in New York hat dazu bislang noch keine Entscheidung getroffen.

Text: dpa, lid.
Bildmaterial: dpa

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