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Neuordnung im Kabelnetz

04. April 2004 Der führende Kabelnetz-Betreiber Kabel Deutschland hat sich nach monatelangen Verhandlungen mit seinen kleineren drei Konkurrenten Ish, Kabel Baden-Württemberg und Iesy auf eine Verschmelzung geeinigt. Der deutsche Kabelfernsehenmarkt könnte damit künftig wieder von einem Unternehmen beherrscht werden, wofür Kabel Deutschland auf die Zustimmung des Bundeskartellamts hofft.

Kabel Deutschland teilte am Sonntag in Unterföhring mit, die drei Kabelnetzbetreiber in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg zu einem Gesamtpreis von 2,7 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Mit der notwendigen Zustimmung des Kartellamts und einem Abschluß der Transaktion rechnet Kabel Deutschland bis zum Ende des vierten Quartals dieses Jahres. Um Bedenken über eine marktbeherrschende Rolle nach der Re-Monopolisierung auszuräumen, führt Kabel Deutschland bereits seit Monaten Sondierungsgespräche mit dem Kartellamt.

Gemeinsam mit dem nordrhein-westfälischen Konkurrenten Ish sowie Kabel Baden-Württemberg und dem hessischen Betreiber Iesy wird Kabel Deutschland nun über ein bundesweites Kabelnetz mehr als 17 Millionen Haushalte bedienen.

Experten schließen steigende Preise nicht aus

Für die Kabelkunden wird sich dadurch nach Einschätzung von Experten zunächst nichts ändern. Allerdings könnten längerfristig die Preise steigen, da ein Alleinanbieter diese diktieren könne, erklärte ein Sprecher der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen (LfM).

Das Gesamtfinanzierungsvolumen des Deals werde etwas über vier Milliarden Euro betragen, hieß es in Finanzkreisen am Sonntag. Zusammengesetzt sei dies aus Bankschulden und einer geplanten Hochzinsanleihe, die etwas weniger als eine Milliarde Euro betragen solle, hieß es.

Investitionen in neue Produkte geplant

Kabel Deutschland teilte mit, in den nächsten drei Jahren rund 500 Millionen Euro in neue Dienstleistungen und Produkte investieren zu wollen. Das Unternehmen will den aufgespaltenen Kabel-Markt unter seiner Führung zusammenführen, um Kosten zu sparen. Mittelfristig sollen die Netze flächendeckend auch Video auf Abruf, Internet und Telefonie ermöglichen und damit in Konkurrenz zur Deutschen Telekom sowie anderen Telekom- und Online-Unternehmen treten.

Die multimediale Aufrüstung verläuft bislang schleppend. Bundesweit sind rund 21 Millionen Haushalte für TV- und Rundfunk-Empfang an die Kabelnetze angeschlossen. Davon sind knapp ein Drittel direkte Kunden der vier von Investmentfirmen kontrollierten Kabelnetzbetreiber, zwei Drittel werden von der Wohnungswirtschaft und anderen Kabel-Dienstleistern wie Bosch oder Primacom betreut.

Ehemalige Telekom-Betriebe

Alle vier TV-Kabelanbieter bildeten ursprünglich unter dem Dach der Deutschen Telekom eine Einheit, ehe sich der Bonner Konzern auf Druck der EU-Kommission von 1999 an schrittweise von den Netzen trennte. Die ursprünglichen Käufer der Netze wie Callahan oder Klesch haben sich mittlerweile aus finanziellen Gründen aus den einst als lukrativ eingeschätzten Geschäften zurückgezogen. Investmentgesellschaften übernahmen das Ruder.

Kabel Deutschland gehört Goldman Sachs Capital Partners, Apax Partners und Providence. Die Firma versorgte über ihre Netze in Nord- und Ostdeutschland, Bayern, Saarland sowie Rheinland-Pfalz direkt und indirekt bislang rund zehn Millionen Haushalte.

Text: Reuters, AP

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