22. November 2006 In der Affäre um schwarze Kassen bei Siemens sind am Mittwoch zwei weitere Konzernmitarbeiter verhaftet worden. Die Münchner Staatsanwaltschaft teilte am Nachmittag mit, sie seien in der internen Revision und im Rechnungswesen tätig. Die inzwischen sechs in Untersuchungshaft sitzenden Beschuldigten hätten sich zu einer Bande zusammengeschlossen gehabt, um Untreuehandlungen zum Nachteil der Firma Siemens durch die Bildung schwarzer Kassen im Ausland zu begehen. Der Schaden betrage rund 200 Millionen Euro. Erkenntnisse über den Verbleib der Gelder lägen nicht vor.
Der Schaden aus der Untreue-Affäre beim Technologiekonzern ist damit offenbar zehn Mal größer als zunächst angenommen. Zunächst waren die Ermittler von einer Summe von 20 Millionen Euro ausgegangen. Insgesamt befänden sich derzeit wegen der Vorwürfe sechs Personen in Haft, teilte die Behörde mit. In der vergangenen Woche waren fünf Personen verhaftet worden, davon wurde ein Haftbefehl inzwischen außer Vollzug gesetzt.
Verbleib des Geldes unklar
Den mutmaßlichen Tätern wird vorgeworfen, den Millionenbetrag bei Siemens abgezweigt und in schwarze Kassen ins Ausland geschafft zu haben. Konkrete Erkenntnisse über den Verbleib dieser Gelder liegen nach wie vor nicht vor, sagte der leitende Staatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld. Die Vernehmungen dauerten noch an.
Die Ermittler prüfen früheren Angaben zufolge, ob das Geld aus der Siemens-Kasse, das auf Konten von Tarnfirmen in der Schweiz und Liechtenstein transferiert worden sein soll, für Schmiergeldzahlungen verwendet wurde. In der Schweiz läuft ebenfalls ein Ermittlungsverfahren. Die in der vergangenen Woche begonnenen Durchsuchungen sind mittlerweile abgeschlossen. Die Ermittler haben nach eigenen Angaben 36.000 Ordner Archivunterlagen und zwischen 200 und 300 Ordnern aktuelle Geschäftspapiere beschlagnahmt.
Vergangene Woche hatten im Zusammenhang mit den Untreuevorwürfen mehr als 270 Polizeibeamte, Staatsanwälte und Steuerfahnder in einer groß angelegten Razzia die Konzernzentrale in München und insgesamt rund 30 weitere Siemens-Standorte in Deutschland und Österreich durchsucht. Bei den Ermittlungen geht es um Unregelmäßigkeiten in der Siemens-Festnetzsparte Com, die derzeit aufgelöst wird.
Text: FAZ.NET mit Material von AP, Reuters
Bildmaterial: ddp
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