Von Thorsten Winter
08. Februar 2007 Die Kunden der regionalen Volks- und Raiffeisenbanken können sich auf Direktbank-Angebote der genossenschaftlichen Kreditinstitute einrichten. Der Genossenschaftsverband Frankfurt arbeitet nach Angaben seines Präsidenten Walter Weinkauf an einer Plattform, die Volks- und Raiffeisenbanken künftig zum Vertrieb über das Internet nutzen können. Die Fiducia IT AG als Informationstechnologie-Dienstleister steht dem Verband bei dem Vorhaben zur Seite. Die genossenschaftlichen Institute ziehen mit dieser Neuerung die Konsequenz aus einem Versäumnis, das einen Nachholbedarf nach sich gezogen hat: Wir müssen konstatieren, dass in den vergangenen Jahren unsere Banken zu wenig unternommen haben, um sich im elektronischen Direktgeschäft zu positionieren, sagte Weinkauf gestern in Frankfurt. Aus der Tradition seien die Volks- und Raiffeisenbanken sehr dem Filial- und Personalvertrieb verpflichtet. Aber: Der Direktvertrieb ist gleichbedeutend neben den anderen Vertriebskanälen zu sehen, sagte er.
Den Hintergrund der neuen genossenschaftlichen Zweitmarke mit dem Namen Direkt bilden die anhaltenden Erfolge von Direktbanken wie der in Frankfurt ansässigen Diba, die im Durchschnitt monatlich mit einem Tagesgeldkonto einige Zehntausend neuer Kunden gewinnt; wie viele es zuletzt genau gewesen sind, will die Diba Ende Februar mitteilen. Was die Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken im Einzelnen an Angeboten erwarten können, ließ Weinkauf offen. Dies hänge ebenso von jeder einzelnen Bank ab wie die Steuerung von Online-Dienstleistungen, um die mögliche Verlagerung zu Lasten des Filialgeschäfts zu vermeiden, sagte er.
Miles & More als Vorbild für Bonussystem
Neue Chancen für das Privatkundengeschäft sieht der Verband, der Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Sachsen und Thüringen abdeckt und 198 Banken vertritt, in der für Oktober angekündigten Initiative VR-Vorsorgestatus. Dieses Vorhaben soll der Kundschaft das Thema Altersvorsorge nahebringen und einen ganzheitlichen Beratungsansatz verfolgen. Ziel sei, die Kunden unter anderem regelmäßig über neu auftretende Versorgungslücken zu informieren und ihnen passgenaue Produkte anzubieten. Damit wollen die genossenschaftlichen Banken dem seit Jahresbeginn stark verringerten Sparerfreibetrag begegnen und gleichsam dem Aufbau von Vorsorgevermögen den Weg ebnen. Im Sinne der Kundenbindung soll es künftig auch ein sogenanntes VR-Mitgliederbonussystem geben mit dem Lufthansa-Angebot Miles & More als Vorbild. Einzelheiten stehen aus.
Wie Weinkauf weiter sagte, achten mehr Privatkunden denn je auf den Ertrag, den eine Kapitalanlage zu bringen verspricht. Nach seiner Einschätzung hat die Renditeorientierung sich auf breitere Bevölkerungsschichten ausgedehnt. Dazu passt der Abwärtstrend bei klassischen Spareinlagen, bei denen die Volks- und Raiffeisenbanken im vergangenen Jahr ein Minus von 3,8 Prozent auf etwas mehr als 27 Milliarden Euro verzeichneten. Die befristeten Einlagen, die mehr Zinsen bringen als täglich verfügbare Gelder, nahmen dagegen erstmals nach Jahren wieder deutlich zu, und zwar um acht Prozent auf 15 Milliarden Euro.
Betriebsergebnis stabil
Ein Plus verbuchten die genossenschaftlichen Kreditinstitute laut Weinkauf auch beim Geldverleih: Die Kreditvergabe legte um 1,3 Prozent auf 55,8 Milliarden Euro zu. Dieses Wachstum wertet er als Zeichen, dass der Wirtschaftsaufschwung nun auch beim Mittelstand angekommen ist. So sind mehr Baukredite vergeben worden, auch die Zahl der Betriebsmittelkredite sei gestiegen. Zudem haben die Banken auch Neugründungen von Genossenschaften etwa in der Gesundheits- und der Energiebranche unterstützt. 2006 ist die Bilanzsumme der Volks- und Raiffeisenbanken im Genossenschaftsverband Frankfurt um 2,1 Prozent auf annähernd 92 Milliarden Euro geklettert. Das Betriebsergebnis blieb mit einem Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme weitgehend stabil.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. / Foto Wonge Bergmann