Von Claus Tigges, Washington
18. August 2007 Die amerikanische Notenbank hat am Freitag auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten reagiert und ihre Geldpolitik gelockert. Der geldpolitische Rat um den Notenbankpräsidenten Bernanke verringerte den Diskontzins für kurzfristige Kredite an Geschäftsbanken um 0,5 Prozentpunkte auf 5,75 Prozent. Zugleich stellten die Währungshüter eine Senkung des Leitzinses (Federal Funds Rate) in Aussicht für den Fall, dass sich die Lage an den Märkten weiter zuspitzen und damit die Risiken für das Wirtschaftswachstum noch größer werden sollten.
Nach Einschätzung von Bernanke haben die Verwerfungen an den Börsen und Kapitalmärkten inzwischen die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen so sehr beeinträchtigt, dass sich die Gefahr für den Konjunkturaufschwung in Amerika deutlich erhöht hat (Siehe auch: ).
Bis die Lage sich deutlich bessert
Der niedrigere Diskontzins werde so lange gelten, bis sich die Lage an den Märkten deutlich verbessert habe, kündigte die Notenbank an. Ziel der Zinssenkung sei es, den Diskontzins näher an den Leitzins von 5,25 Prozent heranzuführen. Der Diskontzins ist jener Zins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank kurzfristig Geld leihen können, falls ihnen das im Handel mit anderen Banken nicht gelingt (Siehe auch: Kommentar: Nichts für schwache Nerven).
An den Aktienbörsen wurde die Nachricht aus Washington positiv aufgenommen. An der Wall Street kletterte der Aktienindex Dow Jones im frühen Handel um 2,4 Prozent, gab allerdings einen Teil der Gewinne wieder ab und lag im späten Geschäft bei 13.000 Punkten mit einem Prozent im Plus. Der Deutsche Aktienindex Dax, der zuvor abermals nachgegeben hatte, sprang zwischenzeitlich um mehr als 300 Punkte und ging mit knapp 7400 Punkten aus dem Handel, 1,5 Prozent höher als am Vortag. Die Börse in Tokio erreichte die Botschaft erst nach Handelsschluss. Dort rutschte das Börsenbarometer um 5,4 Prozent, der größte Verlust seit sechs Jahren. Der Euro legte zum Dollar rund einen Cent auf 1,35 Dollar je Euro zu.
Geld in Milliardenhöhe bereitgestellt
Die amerikanische Notenbank hat seit der vergangenen Woche zusammen mit anderen Zentralbanken den Banken zusätzliches Geld in Milliardenhöhe bereitgestellt, um Engpässe auf dem Geldmarkt zu überwinden. Die Senkung des Diskontzinses rührt aus der Befürchtung, die Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt könne sich auf das gesamte Finanzsystem ausweiten und damit die Wirtschaft belasten.
Erst in der vergangenen Woche hatte der geldpolitische Rat auf einer Sitzung beschlossen, die Zinsen unverändert zu lassen. Die Wachstumsrisiken hätten sich zwar erhöht, doch gelte die größere Sorge nach wie vor der Inflation, hatte die Notenbank ihre Entscheidung begründet.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, F.A.Z., reuters