Übernahmekampf

Entscheidung bei Beiersdorf

24. Oktober 2003 Das monatelange Tauziehen um den Hamburger Kosmetikhersteller Beiersdorf hat ein Ende.

Die Allianz will 40 Prozent ihres Anteils an dem Traditionsunternehmen an eine Investorengruppe unter Führung des Kaffeekonzerns Tchibo verkaufen. Der amerikanische Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G) scheint damit aus dem Rennen.

Bei der Tchibo Holding steigt der Anteil an Beiersdorf von jetzt 30,3 auf künftig 49,9 Prozent. Der Gesamtpreis für die von der Allianz abzugebenden Anteile beträgt den Angaben zufolge rund 4,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem durchschnittlichen Preis von 130 Euro je Aktie. Der Durchschnittskurs der Beiersdorf-Aktie lag in den vergangenen 12 Monaten bei 107,75 Euro. Die Transaktion stufenweise umgesetzt und muß noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Die Vereinbarung sieht vor, daß 19,6 Prozent des Aktienkapitals an Beiersdorf von der Tchibo Holding, 10 Prozent von der städtischen HGV Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsverwaltung, und drei Prozent von der Troma Alters- und Hinterbliebenenstiftung der Beiersdorf AG übernommen werden. Weitere 7,4 Prozent sollen im Rahmen eines Aktienrückkaufprogramms von Beiersdorf angeboten werden. Von ihrem Aktienpaket behält die Allianz einen Anteil von 3,6 Prozent.

Hamburger Senat kämpft für den Standort

„Wir haben eine Lösung gefunden, die für alle Beteiligten große Vorteile bietet“, erklärte der Tchibo-Vorstandsvorsitzende Dieter Ammer. An der Infrastruktur des Traditionsunternehmens, das auch Markenprodukte wie Tesa und Hansaplast produziert, soll „nichts geändert“ werden.

Die Stadt Hamburg ist mit dem Verkauf an das Tchibo-Konsortium ihrem Ziel ein gutes Stück näher gekommen, das Traditionsunternehmen Beiersdorf am Standort zu halten.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust erklärte, man sei froh, Beiersdorf als eigenständiges und börsennotiertes Unternehmen in der Hansestadt zu halten. „Unser Ziel ist es weiter, mit Beiersdorf den ersten DAX-Wert in Hamburg zu schaffen“, sagte er. Von Beust erinnerte daran, daß 3.200 Arbeitsplätze und der größte Gewerbesteuerzahler in der Stadt gehalten würden.

Kleinaktionäre würden von P&G-Angebot profitieren

Der amerikanische Konzern P&G hat nun schlechte Karten, sollte er sich er feindliche Übernahme anstreben. Die Tchibo Holding, die bereits 30 Prozent an Beiersdorf hält, kann nach deutschem Recht weitere Anteile kaufen, ohne den Kleinaktionären ein Angebot für ihre Anteile zu machen. Bei einer Übernahme müßte P&G allen Aktionären ein Angebot für ihre Aktien machen und einen Aufschlag bieten.

Berg- und Talfahrt der Beiersdorf-Aktie

Hinweise auf eine schnelle Entscheidung schickten die Beiersdorf-Aktie schon am Mittwoch auf eine Berg- und Talfahrt. Zu Handelsbeginn notierte das Papier bei 114,69 Euro. Nach Meldungen über ein formelles Angebot von Tchibo von 125 Euro je Aktie schnellte es innerhalb weniger Minuten auf ein neues Jahreshoch von 119,01 Euro hoch.

Genauso rasant fiel der Wert auf unter 113 Euro und im Verlauf des Nachmittags sogar unter 110 Euro. Am Donnerstag brach die Aktie zwischenzeitlich um 13 Prozent ein und notierte am Nachmittag bei 98 Euro.



Text: @nal
Bildmaterial: dpa, dpa/dpaweb

 

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