Redaktionsgespräch

Senckenberg wird weiter wachsen

Von Eva-Maria Magel

20. Juni 2008 Wenn es nach Volker Mosbrugger geht, darf die Glühbirne, welche die Europäische Union verbieten will, erst einmal weiter brennen. Der Direktor des Senckenberg-Instituts und Museums plädiert auch in diesem Fall für das Denken in größeren Zusammenhängen. So müsse bei Klimawandel und Biodiversität nicht nur an das Kohlendioxid gedacht werden, das derzeit im Vordergrund der Diskussion stehe.

Zusammenhänge deutlich zu machen, hält Mosbrugger, der zu einem Redaktionsgespräch in die Rhein-Main-Zeitung gekommen war, für eine wichtige Aufgabe. Im Senckenberg-Museum geschieht dies etwa in den Führungen, die jeder vierte Besucher wahrnimmt. Es herrsche ein stärker werdendes Interesse an naturwissenschaftlichen Themen, stellt Mosbrugger fest. Dass das Museum der kleinste Teil des großen, von Bund und Ländern geförderten Forschungsinstituts ist und nicht, wie viele Besucher denken, umgekehrt, könnte noch deutlicher kommuniziert werden, gibt Mosbrugger zu, der überhaupt für „mehr Kommunikation auf allen Ebenen“ plädiert, wenn es um die Fragen nach der Evolution oder dem Klimawandel geht.

„Inanspruchnahme der Natur wie einen Markt betrachten“

Er selbst habe auch erst langsam erkannt, welche wichtige Rolle die Wirtschaft dabei spiele: Mittlerweile bemüht sich das Institut um intensiveren Austausch. Denn erst wenn klar sei, dass „die Inanspruchnahme der Natur betrachtet werden muss wie ein Markt“, könnten die globalen Probleme in größeren Zusammenhängen angegangen werden, so Mosbrugger. Dass die Politik öfter auf die Wissenschaft hören sollte, ist ihm nicht nur bei Fragen wie der Glühbirne wichtig. In den „großen Richtlinien“ holten sich Politiker wohl Rat, in der Umsetzung allerdings passieren laut Mosbrugger viele Fehler, „weil zu kurz gedacht wird“.

Lange hingegen brauchte die Politik, um den Klimawandel ernst zu nehmen. 1990 war der erste internationale Klimabericht erschienen, aber erst seit dem vierten von 2007 werde das Thema diskutiert, so Mosbrugger: „Dabei steht in allen das Gleiche drin.“ Dass seinem, wie auch den anderen großen naturforschenden Instituten Deutschlands mit dem wachsenden Bewusstsein mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, hat Mosbrugger wahrgenommen und hofft, dass die Wissenschaft ihrerseits noch mehr mit einer Stimme zu sprechen lerne. „Die Themen holen uns ein“, jene Fragen, mit denen sich Senckenberg in Frankfurt, aber auch an Standorten wie Wilhelmshaven oder Weimar beschäftigt.

2007 zehn Prozent mehr Besucher als im Vorjahr

Zum 1. Januar 2009 wird das Senckenberg-Institut, das zur Leibniz-Gemeinschaft zählt, fast um die Hälfte wachsen: Die tierkundlichen und mineralogischen Museen in Dresden, das Museum für Naturkunde in Görlitz und das Deutsche Entomologische Institut in Müncheberg werden integriert. „Dass Größe gefährlich sein kann, weiß ich als Evolutionsbiologe natürlich“, sagt Mosbrugger und mit Hinweis auf die Dinosaurier, für die sein Museum berühmt ist. Aber die Neuzugänge ergänzten das Institut bestens.

Zu mehr Forschern am Standort Frankfurt wird der Zuwachs allerdings nicht führen: „Die Themen sind ja jeweils in der Landschaft verhaftet“, erklärt Mosbrugger, der seit zweieinhalb Jahren dem Institut vorsteht, das künftig noch „stärker föderal“ organisiert sein soll. Größer werden soll der Standort Frankfurt allerdings schon: Das Museum ist mit seinen 6000 Quadratmetern zu klein. Im vergangenen Jahr wurde die Besucherzahl ein weiteres Mal um fast zehn Prozent auf 338.000 gesteigert. Nach dem Wegzug der Universität könne das Museum seine beiden Flügelgebäude, das eine derzeit vom Physikalischen Verein, das andere von der Universität besetzt, eventuell nutzen. „Ich hoffe, dass ich das als Direktor noch erlebe“, sagt der 1953 in Konstanz geborene Wissenschaftler.

Naheliegender ist eine Lösung, die offenbar schon kurz vor dem Beschluss steht: Das Museum soll auf dem Institutsgelände eine Halle für Sonderausstellungen bekommen, die wieder abgerissen werden könnte, wenn die historischen Flügel bezogen werden können. Immerhin steht schon ein Ausstellungskonzept bis 2010, und die erste Schau zum Thema Tiefsee, die in Basel gezeigt wurde, soll nach Frankfurt kommen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Frank Röth

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