Rekorderwärmung

Temperatursprung in Deutschland

Ausgetrockneter Rhein in Düsseldorf (2003)

Ausgetrockneter Rhein in Düsseldorf (2003)

27. Juni 2007 Rekorderwärmung in Deutschland: Die vergangenen zwölf Monate waren die mit Abstand wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung vor über 100 Jahren. Zwischen Juni 2006 und Mai 2007 lag die Durchschnittstemperatur mit elf Grad Celsius hierzulande drei Grad über dem bisherigen Maximum seit 1893, teilte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Mittwoch mit.

„Wir nehmen aber erstmal an, dass dies ein statistischer Ausreißer ist“, sagte Klimaforscher Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe. Sollte sich der Trend jedoch fortsetzen, würde es sich um eine Beschleunigung der Erwärmung in Deutschland handeln, wie sie bisher von Wissenschaftlern nicht erwartet wurde. Gerstengarbe erklärte, ein Sprung von drei Grad in der Durchschnittstemperatur sei nie zuvor beobachtet worden. „In den vergangenen fünfzig Jahren zuvor hat sich die Mitteltemperatur in Deutschland insgesamt nur um ein Grad erhöht“, sagte er.

Zwölf Monate am Stück zu warm

Dagegen herrschte seit Sommer 2006 zu allen vier Jahreszeiten eine zu hohe Temperatur. „Auch alle zwölf Monate seit Juni 2006 waren zu warm, aber nicht jeder war ein Rekordmonat“, erklärte der Forscher. Verantwortlich für den milden Winter sei die häufigere Westwindzirkulation aus Atlantikrichtung infolge der Erderwärmung. Für heißere Sommer sorgen in unseren Breiten die zunehmenden stabilen Hochdruckwetterlagen.

Die Wissenschaftler waren bei einer Routineuntersuchung der meteorologischen Messreihe in Potsdam auf das Temperaturphänomen aufmerksam geworden, nachdem sie dort eine Erwärmung um 3,7 Grad festgestellt hatten. Bei Analysen der Werte aus 24 von der Nordseeküste bis zur Zugspitze über Deutschland verteilten Wetterstationen habe sich der Wärmerekord für das ganze Land bestätigt, erklärte Gerstengarbe. Dabei sei der mittlere Temperaturanstieg um drei Grad registriert worden. Weitere Wettermerkmale wie Niederschlag oder Stürme wollen die Forscher demnächst auswerten.

Wärme liebende Pflanzen wandern ein

Unterdessen berichtete der niedersächsische Landesbetrieb für Küsten- und Naturschutz, dass sich in Folge des Klimawandels zunehmend mediterrane und subtropische Pflanzen ausbreiten. Seit 1980 sind demnach in dem Bundesland 40 neue Pflanzenarten heimisch geworden. Zumeist handele es sich um Sommer und Wärme liebende Arten aus dem Süden, sagte Experte Eckhard Garve in Hannover bei der Vorstellung eines neuen Pflanzenatlasses für Niedersachsen.

Nur eine geringe Zahl der eingewanderten Pflanzen bereite Probleme, sagte Garve. Einzelne neue Arten seien aber giftig, lösten Allergien aus oder verdrängten heimische Gewächse. Bei Bauern als Unkraut gefürchtet sei etwa die früher in Deutschland unbekannte Erdmandel, ein meterhohes Zyperngras. Das Gras gedeihe vor allem in Maisfeldern und verursache massive Ernteverluste. Durch Vogelfutter aus Südosteuropa würden auch immer wieder Samen der Beifuß-Ambrosie eingeschleppt, die durch ihre Blüte im Spätsommer Allergikern zu schaffen mache.

Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: dpa

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