Von Petra Kolonko
02. Februar 2007 Chinas andauernd hohes Wirtschaftswachstum beschleunigt die Luftverschmutzung. Während viele Länder ihren Ausstoß an Treibhausgasen stabilisiert haben, wachsen die chinesischen Emissionen. Nach Berechnungen der Internationalen Energiebehörde (IEA) wird die Volksrepublik schon in zwei Jahren mehr Kohlendioxid ausstoßen als die Vereinigten Staaten und damit der Staat sein, der mutmaßlich am meisten zum Klimawandel beiträgt.
Chinas Kohlendioxidausstoß kommt vornehmlich aus der Kohleverbrennung. Siebzig Prozent der Energie, die China für sein Wirtschaftswachstum braucht, wird in Kohlekraftwerken gewonnen, die zum großen Teil nicht mit umweltfreundlicher Technologie arbeiten. Nach Angaben des chinesischen Energie-Forschungsinstitutes wird die Volksrepublik im Jahr 2009 2,5 Milliarden Tonnen Kohle verbrauchen, was zu einem Ausstoß von 5,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid führen wird.
China als Entwicklungsland nicht verpflichtet
China kommt daher unter Druck von der internationalen Gemeinschaft, mehr zur Reduzierung der Treibhausgase zu tun. Auch chinesische Wissenschaftler fordern mehr Engagement ihrer Regierung. Im ersten Bericht zu den Auswirkungen des Klimawandels auf China, der am Ende des vergangenen Jahres vorgelegt wurde, empfehlen die chinesischen Wissenschaftler, China solle jetzt eine treibende Kraft“ bei der Bekämpfung des Klimawandels werden.
Bis jetzt weigert sich die chinesische Führung, Emissionsgrenzen festzusetzen. Solche Maßnahmen würden nur dazu führen, Chinas Wirtschaftswachstum zu bremsen, argumentiert die Regierung. Nach dem Kyoto-Protokoll, das die Volksrepublik unterzeichnet hat, ist China als Entwicklungsland nicht verpflichtet, seine Emissionen zu begrenzen. Es ist aber an dem Mechanismus der sauberen Entwicklung (CDM) beteiligt, nach dem Unternehmen aus Industrieländern in China in Umwelttechnologien investieren und sich damit Emissionsrechte erkaufen können.
China baut mehr Atomkraftwerke
China gehört auch der Asiatisch-Pazifischen Klima-Partnerschaft (AP 6) an, die sich im letzten Jahr in Sydney auf eine wachstums- und technologieorientierte Herangehensweise an den Klimaschutz verpflichtet haben. China fördert erneuerbare Energien und baut mehr Atomkraftwerke. Weil China aber weiterhin vornehmlich auf Kohle als Energieträger setzen wird, bemüht China sich vor allem, die Energieeffizienz zu verbessern.
Die Regierung hat dazu das Ziel vorgegeben, den Energieverbrauch pro Einheit des Bruttosozialproduktes bis zum Jahr 2011 um 20 Prozent zu verringern. Das Etappenziel des vorigen Jahres, den Energieverbrauch um vier Prozent pro Einheit zu verringern, wurde allerdings bereits verfehlt. Statt dessen hat der Energieverbrauch um 0,8 Prozent zugenommen.
Häufiger Dürren und Hitzewellen
Neben China ist Indien mit seinem Wirtschaftsboom ein weiterer neuer Produzent von Treibhausgasen. Nach Ansicht der Fachleute wird China aber weniger als Indien unter den Auswirkungen des Klimawandels zu leiden haben. Der Klimawandel wird nach dem Bericht der chinesischen Forscher die Temperaturen bis zum Jahr 2020 um 1,3 bis 2,2 Grad ansteigen lassen.
Es werde häufiger Dürren, Hitzewellen und andere extreme Wetterverhältnisse geben. Bereits jetzt sind die chinesischen Gletscher im Vergleich zum Jahr 1950 um 21 Prozent geschrumpft. In einigen Regionen Chinas könnte der Niederschlag bis zum Jahr 2100 um 17 Prozent zunehmen, was allerdings nicht unbedingt die derzeitige Dürre beheben würde, da wegen höherer Temperaturen auch die Verdunstung zunehmen wird.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: dpa
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