Klimawandel

Klimakollaps im Tertiär

Von Horst Rademacher

07. Februar 2007 Das geologische Zeitalter des Tertiärs ist durch erhebliche Klimaschwankungen gekennzeichnet. So fand vor knapp 34 Millionen Jahren der wohl abrupteste Übergang von einer Phase mit Treibhausklima zu einer eiszeitlichen Epoche statt. Als Folge davon ist beispielsweise die Antarktis auch heute noch unter einem dicken Eispanzer verborgen. Diese enorme Abkühlung an der Grenze zwischen dem Eozän und dem Oligozän ist vor allem durch Analysen von Meeressedimenten gesichert. Bei geologischen Untersuchungen in China und Nordamerika fanden sich jetzt erstmals deutliche Hinweise darauf, dass es damals auch auf der Nordhalbkugel zu einem drastischen Klimawandel kam.

Spuren einer Abkühlung bis um acht Grad fand eine Forschergruppe um Alessandro Zanazzi und Matthew Kohn von der University of South Carolina in Columbia bei der Analyse von fossilen Tierknochen und Zahnresten, die in verschiedenen Nationalparks in den nördlichen amerikanischen Bundesstaaten Nebraska, Wyoming und Süd-Dakota gefunden wurden. Die Forschergruppe untersuchte dabei jeweils die Verhältnisse der verschiedenen Isotopen von Sauerstoff und Kohlenstoff in den Fossilien. Wie sie in der heutigen Ausgabe der britischen Zeitschrift „Nature“ (Bd. 445, S. 635 u. S. 639) berichten, ist es ihnen gelungen, die Funde genau zu datieren.

Klima in Südasien wurde erheblich trockener

Dabei zeigte sich, dass sich die Isotopenverhältnisse in den Knochen- und Zahnfunden bei einem Alter von 33,5 Millionen Jahren deutlich änderten. Vor allem das Verhältnis der Sauerstoffisotope deutet auf eine erhebliche Abkühlung innerhalb von etwa 400.000 Jahren hin. Ein ganz anderes Verfahren hat eine Gruppe niederländischer und chinesischer Forscher bei der Untersuchung von Sedimenten aus dem Xining-Becken in der Nordostecke des Hochlandes von Tibet angewandt. Dort gibt es mächtige gipshaltige Schichten.

Der Gips ist in flachen Senken entstanden, die nach starken Regenfällen voller Wasser standen, das anschließend unter starker Sonneneinstrahlung verdampfte. Dabei blieben die im Wasser gelösten Mineralien - vor allem Gips - zurück. Der ständige Wechsel von heftigen Niederschlägen und anschließender Trockenheit muss für eine lange Zeit angehalten haben, denn sonst hätten die mächtigen gipshaltigen Schichten überhaupt nicht entstehen können.

Wie die Forschergruppe um Guillaume Dupont-Nivet von der Universität in Utrecht jetzt ebenfalls in der Zeitschrift „Nature“ schreibt, hören diese gipshaltigen Schichten nach oben hin plötzlich auf und werden unmittelbar von Sandstein überlagert. Den Übergang haben die Forscher ebenfalls auf ein Alter von 33,5 Millionen Jahren datiert. Sie schließen daraus, dass das Klima in Südasien damals binnen weniger Jahrtausende erheblich trockener wurde, so dass die minerallösenden Niederschläge ausblieben. Fasst man die Ergebnisse der beiden Untersuchungen mit den zahlreichen Befunden aus den Meeressedimenten zusammen, so muss sich das Klima in allen Teilen der Erde damals binnen eines geologisch äußerst kurzen Zeitraumes erheblich verändert haben.



Text: F.A.Z., 08.02.2007, Nr. 33 / Seite 32
Bildmaterial: ddp, obs

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