23. Juli 2003 Das Abholzen der tropischen Wälder hat in Südostasien ein katastrophales Artensterben ausgelöst. Nachdem die Lebensräume in den vergangenen 183 Jahren um 95 Prozent schrumpften, seien zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bereits verschwunden, berichten Wissenschaftler aus Japan, Australien und Singapur im britischen Fachblatt Nature.
Sie fürchten, daß am Ende dieses Jahrhunderts nicht nur in Singapur, sondern in ganz Südostasien bis zu 42 Prozent der verbliebenen Arten ausgestorben sein werden - die Hälfte davon werde damit für immer von der Erde verschwinden. Nach der Kriterien der unabhängigen internationalen Naturschutzorganisation (IUCN) sind derzeit 77 Prozent von Singapurs Arten vom Aussterben bedroht. Werde weiter ungemindert abgeholzt, werden allerdings am Ende dieses Jahrhunderts auch in Südostasien 74 Prozent der Tropenwälder vernichtet und damit etliche Arten ausgerottet sein, schreiben die Wissenschaftler. Nur groß angelegte Schutzmaßnahmen könnten dies verhindern.
Immer weniger Arten
Anhand historischer Aufzeichnungen und neuerer Daten aus Singapur rekonstruierten die Forscher um Barry Brook von der australischen Northern Territory University in Darwin den Niedergang der Artenvielfalt. Im Jahr 1819 errichteten die Briten erste Stützpunkte in Singapur, damit begann auch die Abholzung der tropischen Wälder und Mangroven. Von den ursprünglichen 540 Quadratkilometern bewachsener Fläche seien heute nur noch 24 Quadratkilometer Wald übrig, berichten die Wissenschaftler.
In diesem Zeitraum seien mindestens 28 Prozent der Tier- und Pflanzenarten verschwunden. Möglicherweise sei der Verlust sogar wesentlich höher, schreiben die Wissenschaftler. Viele Arten seien vermutlich schon ausgestorben, bevor Singapurs Artenvielfalt von 1870 an systematisch erfaßt wurde.
Drei Viertel aller Arten schon ausgestorben
Berechnungen, in denen Artenlisten gleicher Lebensräume des benachbarten Malaysias mit einbezogen wurden, ergaben, daß eventuell bis zu 73 Prozent aller ursprünglich vorhandenen Tier- und Pflanzenarten bereits ausgestorben sind. Am stärksten betroffen waren solche Arten, die sich auf den Lebensraum Wald spezialisiert hatten. Ihre Zahl ging um ein Drittel zurück.
Nicht nur die Lebensräume wurden zerstört - zunächst durch Abholzen, später dann durch die Ausbreitung der Städte - auch Jagd und das Sammeln von Tier- und Pflanzenarten seien Ursache für den rasanten Niedergang der Artenvielfalt. So sei der letzte Tiger (Panthera tigris corbetti) bereits 1930 geschossen worden. Auch der heftige Beschuß Singapurs während des Zweiten Weltkriegs habe vermutlich verheerende Auswirkungen auf die Fauna des Waldes gehabt.
Text: dpa
Bildmaterial: AP
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