Klimakonferenz auf Bali

Es geht nur um den Teilerfolg

Von Konrad Mrusek

Ein Eisberg in der Arktis - auf der Klimakonferenz müssen Lösungen gefunden werden

Ein Eisberg in der Arktis - auf der Klimakonferenz müssen Lösungen gefunden werden

03. Dezember 2007 Die Wissenschaftler haben gesprochen, und ihre Klimaprognose ist beängstigend. Nun wartet man auf Taten der Politiker. Groß sind daher die Hoffnungen vor der Klimakonferenz in Bali, die heute begonnen hat. Dort geht es nicht um eine Abwendung der Apokalypse, wie die Propheten des Untergangs glauben machen wollen, sondern um ein neues Abkommen zur Begrenzung der Erderwärmung. Im nächsten Jahrzehnt sollte die starke Zunahme der Treibhausgase gebremst und danach gesenkt werden, um nicht Gefahr einer Katastrophe zu laufen.

Kann die Konferenz die großen Erwartungen erfüllen, oder werden die Politiker mit leeren Händen zurückkehren wie im vergangen Jahr aus Nairobi? Ein solches Debakel ist wenig wahrscheinlich. Das Klima für die Klimapolitik hat sich gebessert. Die Macht der Bilder von schmelzenden Gletschern und die Überzeugungskraft des mit dem Friedensnobelpreis geadelten Klimarates (IPCC) werden Lösungen erzwingen, auch wenn die Touristeninsel Bali keinen politischen Leidensdruck erzeugt. Doch der Ort ist keine Wellness-Wahl von Diplomaten, sondern politischer Zufall: Indonesien hat in diesem Jahr den Vorsitz in der UN-Klimarahmenkonvention inne.

Hebeleffekt für Schwellenländer

Dennoch wird auch diese Konferenz nur einen Teilerfolg hervorbringen. In Bali wird kein Vertrag geschlossen, sondern lediglich ein Mandat formuliert und ein Zeitplan bestimmt für Verhandlungen. Diese sollen dann in ein Abkommen münden, welches an die Stelle des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls tritt. Für diesen bescheidenen Ertrag Tausende Teilnehmer rund um die Welt reisen zu lassen ist weder klimaneutral noch effizient, doch so arbeitet eben die multilaterale Maschinerie.

Ein Mandat wird es wohl geben, doch es kommt darauf an, wie ehrgeizig es ist. Wird man eine maximale Erwärmung von zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau festlegen, wie es die EU wünscht? Dies würde eine Reduktion der Emissionen bis zum Jahr 2050 um fünfzig Prozent bedeuten. Die Fixierung einer Obergrenze ist ganz allgemein notwendig, weil nur dann der Emissionshandel funktioniert. Im Mandat müsste auch festgelegt werden, ob nur Industrieländer Emissionen verringern, wie es bisher der Fall ist, oder ob auch Schwellenländer wie China oder Indien in die Pflicht genommen werden, etwa im Wege einer Verbesserung ihrer Energieeffizienz. In Ländern mit hohem Wirtschaftswachstum ergibt das einen Hebeleffekt, weil Wachstum und Emissionen entkoppelt werden.

Keiner will vorangehen

Viele Länder wollen etwas gegen den Treibhauseffekt tun. Das zeigen die vier Berichte, die der Klimarat in diesem Jahr vorgelegt hat. Aber nur wenige Staaten wollen vorangehen, denn es gibt eine Versuchung zum Trittbrettfahren. Das mögen Moralisten beklagen, doch es hat eine ökonomische Logik. Verursacher und Leidtragende des Klimawandels sind nicht dieselben, zudem gibt es Gewinner und Verlierer. Das Klima ist ein öffentliches Gut; die Atmosphäre gleicht einer globalen Allmende, die von allen genutzt und - wie häufig bei Gemeingütern - auch über Gebühr genutzt wird.

Weil die Emissionsminderung eines Staates allen zugute kommt, wird taktiert, zeigen die kleinen auf die großen Verschmutzer, die Armen auf die Reichen. Einer muss vorangehen, sonst bewegt sich nichts. Das hat die EU getan. Unter deutscher Präsidentschaft wurde beschlossen, dass die EU ihre Emissionen bis 2020 um 20 Prozent senkt. Machen andere mit, sollen es sogar 30 Prozent sein.

Industriestaaten müssen in Vorleistung treten

Dieses Signal im Klima-Poker war wichtig. Es zeigte Wirkung beim G-8-Gipfel in Heiligendamm, als auch der amerikanische Präsident zusagte, ein langfristiges Reduktionsziel zu erwägen und dabei eine Halbierung von Treibhausgas-Emissionen bis 2050 ernsthaft zu prüfen. Europa hat an der Ostsee einiges bewegt, doch im Malaiischen Archipel wird Amerika die größten klimapolitischen Wellen erzeugen. Wenn die Großmacht sich keine Pflichten auferlegt, werden auch China und Indien keine Zusagen machen. Weil auch viele andere Industriestaaten, die im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten das Kyoto-Protokoll ratifiziert haben, ihre Zusagen bisher nicht erfüllen, haben die armen Länder ein starkes Argument in der Hand: Erst sollen die Reichen ihre Altlasten beseitigen, bevor die anderen etwas tun. Einen Ausweg aus dem Dilemma - und damit ein gutes Verhandlungsmandat - wird es nur geben, wenn alle Industriestaaten Vorleistungen erbringen und für Schwellenländer flexible Lösungen gefunden werden, bei denen sie ökonomisch aufholen dürfen, dies aber auf ökologische Weise tun müssen.

In der Klimadebatte reicht das Spektrum der Beiträge von der Apokalypse bis zur Verharmlosung. Wie so oft empfiehlt sich auch hier ein politischer Mittelweg, der Warnungen ernst nimmt, gleichwohl aber nicht ökonomischen Illusionen huldigt (oder Unsinn predigt). Dieser Weg besteht darin, sicherheitshalber Vorsorge zu treffen gegen einen Klimawandel, der fatale Ausmaße erreicht. Dazu gehört Energiesparen. Das ist notwendiger denn je. Insofern ergänzen sich Klimaschutz und höhere Energieeffizienz, sind sie zwei Seiten einer Medaille.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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