Polarforschung

Scharfes Mosaik der Antarktis

Von Katja Gelinsky, Washington

30. November 2007 Revolutionäre Fortschritte bei der Erforschung der Antarktis erwarten amerikanische und britische Wissenschaftler von einer neuen Satellitenkarte von den Land- und Meeresgebieten am Südpol. Darauf werden die Landschafts- und Eisformationen der Antarktis in beispielloser Schärfe und Farbtreue gezeigt. „Die Aufnahmen eröffnen uns eine Antarktis, wie wir sie bislang einfach nicht gekannt haben“, beschrieb Robert Bindschadler von der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa die Bedeutung der Karte bei der öffentlichen Vorstellung des Projekts „Landsat Mosaic of Antarctica“ (Lima) am Nasa-Zentrum in Greenbelt im amerikanischen Bundesstaat Maryland.

Bindschadler ist der leitende Wissenschaftler am Nasa-Laboratorium für hydrosphärische und biosphärische Studien, das die Satellitenbilder mit Hilfe neuer, eigens für das Projekt entwickelter Technik ausgewählt hat. Insgesamt wurden für die neue Karte 1100 Satellitenfotos zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Die Aufnahmen wurden zwischen 1999 und 2001 von dem Nasa-Forschungssatelliten Landsat 7 gemacht.

Einzigartige Momentaufnahme von den Eismassen

Bevor im Jahr 1972 erstmals Satelliten Fotos von der Antarktis lieferten, mussten sich Wissenschaftler mit Hilfe von Flugzeugen und Schiffen ein Bild vom Weißen Kontinent machen. Die Qualität der Satellitenbilder, die für Lima verwendet wurden, ist nach Darstellung der Wissenschaftler zehnmal besser als die der bis dahin verfügbaren Satellitenaufnahmen von der Antarktis. „So als ob man einen hochauflösenden Farbfernseher anstatt verschneiter Schwarzweißbilder hat.“ Wissenschaftler könnten künftig besser Expeditionen in die Antarktis planen. Auch würden Forscher aller Disziplinen, die sich mit dem Weißen Kontinent beschäftigten, von den Bildern profitieren. Vor allem sei Lima eine wertvolle Hilfe beim Studium der Folgen des Klimawandels.

Man habe damit eine einzigartige Momentaufnahme von den Eismassen der Antarktis, die sechzig Prozent des auf der Erde vorhandenen Frischwassers enthielten, schilderte Scott Borg von der amerikanischen Wissenschaftseinrichtung „National Science Foundation“ (NSF), die das britisch-amerikanische Gemeinschaftsprojekt mit nahezu einer Million Dollar unterstützt hat.

Kostenloser Download

Auf amerikanischer Seite ist daran noch die wissenschaftliche Behörde Geologischer Dienst der Vereinigten Staaten beteiligt, und auf britischer Seite wirkte das Polarforschungsprogramm British Antarctic Survey mit. Mit Lima sei der erste entscheidende wissenschaftliche Beitrag zum Internationalen Polarjahr 2007/2008 geleistet worden, hob Borg hervor. An dieser Initiative zur Erforschung von Arktis und Antarktis sind Zehntausende Wissenschaftler aus mehr als sechzig Nationen beteiligt.

Die neue Antarktiskarte ist aber nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für interessierte Bürger gedacht. Unter der Internetadresse http://lima.usgs.gov können kostenlos acht verschiedene Versionen des Kartenmosaiks heruntergeladen werden. Scott Borg von der „National Science Foundation“ schwärmt, damit hätten Schüler die Möglichkeit, Eisformationen in der Antarktis mit Gletschern in den Rocky Mountains oder sogar mit Bildern vom Mars zu vergleichen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, USGS

 
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