Von Joachim Müller-Jung
25. April 2007 Nachdem der Biosprit im Zusammenhang mit dem globalen Klimawandel anfangs fast uneingeschränkt als umweltschonender, klimaneutraler Treibstoff gelobt wurde, geraten jetzt offenbar zunehmend seine Schattenseiten ins Blickfeld.
Das gilt besonders auch für die Vereinigten Staaten, wo die Regierung Bush die Ethanol-Wirtschaft vor einigen Monaten als wichtige Säule ihrer Klimaschutzinitiative präsentierte. Neben dem Preisanstieg bei Getreiden, dem Landverbrauch und der Intensivierung der Agrarwirtschaft ist es jetzt die durch Alkohol-Treibstoff verursachte Luftverschmutzung, die diskutiert wird.
Gefahr durch Formaldehyd und Acetaldehyd
Der Atmosphärenforscher Mark Jacobson von der Stanford-Universität hat ausgerechnet, dass sich in den Ballungsgebieten deutlich mehr Ozon-Smog bilden würde, wenn im Jahr 2020 sämtliche Fahrzeuge statt mit herkömmlichem Sprit mit einer in Amerika üblichen Mischung aus 85 Prozent Biosprit und 15 Prozent Benzin betrieben würden. Die Zahl der durch die Luftverschmutzung verursachten Todesopfer, die er mit seinem Modell ermittelt hat, würden demnach in den Vereinigten Staaten theoretisch um vier Prozent, in Los Angeles als der Region mit der größten Verkehrslast gar um neun Prozent ansteigen.
Wie er in der Zeitschrift Environmental Science and Technology berichtet, müsse auch mit deutlich mehr Klinikeinweisungen wegen Asthma und anderer Atemwegserkrankungen gerechnet werden. Ursache für die erhöhte Ozonbildung sind die Emissionen zweier Verbindungen - Formaldehyd und Acetaldehyd -, die bei der Verbrennung des Biomasse-Treibstoffs etwas höher liegen sollen als bei Erdölprodukten. Dabei ist es laut Jacobson gleichgültig, ob der Biosprit aus Mais oder aus Pflanzenresten hergestellt würde.
Text: jom / F.A.Z. vom 25. April
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