Von Hans-Heinrich Pardey und Michael Spehr
03. März 2008 Der Frühling blüht, und man darf grienen: Anders gegliedert, an schwer zu kaschierenden Stellen des Angebots und auch in den Ausstellerreihen deutlich ausgedünnt, präsentiert sich der Welt größtes Ereignis für Informationstechnik wie ein Saurier des Messewesens: Mit Lösungen“, nicht mehr mit monumental inszenierten Marken und mit Grüner IT“ verspricht die Hannover Messe mehr Überblick und kürzere Wege zum Gesuchten.
Wenigstens im Schaubild wirkt das völlig überzeugend: Da hätten wir zunächst als Fundament Technology & Infrastructure“, die für alle interessanten Grundlagen. Darauf ruhen die drei Bereiche Business Solutions“ (Softwarehäuser und Banken-EDV zum Beispiel), Public Sector Solutions“ (Informations- und Kommunikationstechnik) sowie Home & Mobile Solutions“, was mit Produkte und Lösungen, die das private Leben verändern“ umschrieben wird. Wer nun meint, er könne sich als vorwiegend privat interessierter Besucher auf die dritte Säule beschränken, sieht sich getäuscht. Computer, und zwar PCs und Notebooks, sind genauso wie der öffentlichkeitswirksame Cebit-Klassiker Future Park“ der Säule Business“ zugeordnet. PCs und Notebooks – Halle 21, 25, 26) sind aber außerdem mit wenigem zum Thema Digitalfotografie unter dem Spiegelstrich Imaging“ in Form eines Sammelstands der (Halle 23) dritten Säule zugeordnet. Und Imaging“ findet sich noch einmal unter Business“ – sofern Anbieter mit Jedermann-Kameras nicht einfach am Markenstand bleiben. Die Großthemen lassen sich auch nicht bestimmten Hallen und nur diesen zuordnen, sondern sie verteilen sich – nicht einmal grundsätzlich auf benachbarte Lokalitäten.
Green thematisierter Klimawandel
Es hat sich also in puncto Übersichtlichkeit der auch nach Wegbleiben von rund dreihundert Ausstellern riesigen Messe kaum etwas zum Besseren gewandelt. Dass den großen Themen einschließlich des wieder mal unausweichlich als green“ thematisierten Klimawandels – Energiebedarf von Rechenzentren etwa – Frankreich als Partnerland an der Seite steht, dass kleine und größere Sonderschauen, Vortragsveranstaltungen und Kongresse parallel stattfinden, sei hier einfach nur erwähnt, um die Unübersichtlichkeit nicht schlimmer zu machen, als sie ist: Nämlich genauso wie in zurückliegenden Jahren, nur eben ein bisschen anders arrangiert. Man wird schauen, wo die stecken, die man immer besucht hat, man wird vielleicht den großen Zirkus der Halle 1 – Urzelle der Cebit – etwas vermissen, man wird versuchen, auf elektronische Wegweiser zurückzugreifen. Und wenn man unbedarft genug ist, online bei der Messe einfach nach Apple zu fragen, dann wird einem nach einer Weile des Klickens außer einem chinesischen Aussteller namens New Apple Concept aus Shenzhen dies ausgeworfen: Herbert Richter, The mounting solution experts“ aus Pforzheim-Büchenbronn mit der Apple iPhone Halterungsschale. Die kann man sich mit dem 8-Zoll-Turm-Haftsauger an die Autoscheibe kleben, und sie ist, sagenhaft, ice clear“ designt.
Automotive Solutions“ unter anderem mit Navigation (Hallen 14 und 15, siehe unten) und Mobile Devices + Communication“ (Halle 26) sind die Überbleibsel einer Cebit, die dereinst auch der zentrale Treffpunkt für die Welt der Telekommunikation war. Davon ist nicht mehr viel geblieben. Die großen Hersteller sind ausnahmslos zum Mobile World Congress“ nach Barcelona abgewandert, und in Sachen Handy und Mobilfunk bleiben in Hannover eigentlich nur T-Mobile und Vodafone. Sie zeigen Produkte und Lösungen vor allem für die Privatkunden, die hier auch gleich Verträge abschließen können. Die Messestände der beiden Netzbetreiber werden einem übergroßen T-Punkt oder Vodafone-Shop immer ähnlicher. Mitreißende Innovationen oder spektakuläre Neuheiten werden indes nicht mehr auf der Cebit angekündigt. Überhaupt sind es in diesem Jahr eher die unscheinbaren Dinge, die wir spannend finden. Etwa den drahtlosen USB-Anschluss, den man bei Unternehmen wie D-Link oder Belkin bewundern kann. Oder das Zwergentreffen der besonders kleinen Mini-Notebooks à la Eee-PC oder den Bluetooth-USB-Stecker von Trust, der kaum größer als eine 10-Cent-Münze ist. Dazu mehr in unserer Rückschau am kommenden Dienstag.
Die Cebit 2008 mit mehr als 5800 Ausstellern aus 77 Ländern findet vom 4. bis zum 9. März auf dem Messegelände in Hannover statt. Die Tageskarte kostet 38 Euro (ermäßigt: 17 Euro), eine Dauerkarte 81 Euro.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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