28. Januar 2008 Auch wenn der Aufschwung etwas gebremst ist, der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt setzt sich fort. Welche Absolventen sind besonders begehrt? Wer wird sich bei der Jobsuche schwerer tun? Und in welchen Berufen verdient man am meisten?
Endlich geknackt: Die historische Marke von 3,5 Millionen Arbeitslosen - im Oktober 2007 wurde sie erstmals seit 12 Jahren unterschritten. Nur noch 3,434 Millionen Menschen waren arbeitslos gemeldet. 3,5 Millionen - das ist die Marke, die der Ex-Kanzler Gerhard Schröder schon für Ende 2002 versprochen, aber weit verfehlt hatte. Stattdessen stieg die Arbeitslosigkeit im Schnitt auf über vier Millionen. Das ist nun Vergangenheit. Seit 2006 erholt sich der Arbeitsmarkt. Auch 2008 wird die Arbeitslosigkeit sinken, da sind sich die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute einig. Sie werde nicht nur einmalig, sondern im Jahresdurchschnitt unter 3,5 Millionen liegen. Zudem sagen die Experten einen Anstieg der Beschäftigtenzahl auf 40 Millionen voraus. Damit stünden rund eine Million Menschen mehr in Lohn und Brot als 2006. Der Aufschwung geht also weiter, auch wenn er ein wenig an Fahrt verliert. Für 2007 erwarten die Forschungsinstitute eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 2,6 Prozent, für 2008 um 2,2 Prozent.
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| Quelle: personalmarkt.de |
Von der Erholung am Arbeitsmarkt profitieren insbesondere die Hochqualifizierten. In einzelnen Akademiker-Berufsgruppen ist die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr um 30 Prozent und mehr zurückgegangen, sagt Marion Rang von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn.
Wie durchschlagend der Aufschwung für Akademiker ist, zeige sich insbesondere bei den Geisteswissenschaftlern, den eigentlichen Sorgenkindern unter den Hochschulabsolventen. In den letzten Jahren hatten sie die meisten Probleme, einen Job zu finden. Wie die Absolventenstudien des Hochschul-Informations-Systems (HIS) zeigen, schaffte nur eine Minderheit im ersten Jahr nach dem Examen den Berufseinstieg. Die meisten Absolventen geisteswissenschaftlicher Studiengänge brauchten wesentlich länger, bis sie erstmals in einem regulären Arbeitsverhältnis standen. Viele hielten sich zunächst mit Aushilfsjobs über Wasser. Oder hangelten sich nach dem Studium von Praktikum zu Praktikum - und lebten vom Geld der Eltern. Jetzt entspannt sich die Lage spürbar.
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| ** ab hier auch Fachärzte, da man nicht ewig Assistenzarzt bleibt
Quelle: personalmarkt.de |
Die Arbeitslosigkeit der Geisteswissenschaftler sank zwischen Oktober 2006 und Oktober 2007 um 20 Prozent, bei den Germanisten und Romanisten sogar um gut 35 Prozent. Alles spricht dafür, dass sich der Trend 2008 fortsetzt, so Rang. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit von Geisteswissenschaftlern ist besonders aussagekräftig. Denn er zeigt, dass viele Personalabteilungen es sich nicht mehr leisten können, nur solche Bewerber einzustellen, die passgenau dem Wunschprofil entsprechen. An Geisteswissenschaftler gerichtete Stellenanzeigen gab es im vergangenen Jahr wie gewohnt nur sehr wenige - wie die Auswertung der Offerten in 40 Zeitungen durch den Personaldienstleister Adecco ergab. Doch kommen Germanisten, Pädagogen, Philosophen, Historiker und andere Geisteswissenschaftler dank der guten konjunkturellen Lage nun verstärkt auch dort unter, wo sich die meisten Unternehmen eigentlich mehr Wirtschaftskompetenz erwünscht hätten - im Vertrieb, in der Beratung, im Marketing.
Die großen Stars auf dem Arbeitsmarkt sind freilich andere, nämlich Ingenieure und IT-Experten. Der Stellenindex Deutschland von Adecco zeigt: Fast jedes zweite Stellenangebot für Akademiker in den ersten neun Monaten des Jahres 2007 richtete sich an Ingenieure. Die Fachrichtung Maschinenbau liegt an der Spitze, gefolgt von Elektrotechnik und Bauwesen. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) schlägt auch schon Alarm, beklagt, dass der Branche mindestens 9.000 Ingenieure fehlen. Der Markt ist leergefegt, der Innovationslokomotive Maschinenbau fehlen die Lokführer, sagt VDMA-Präsident Manfred Wittenstein.

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Auch in der IT-Branche ist von einem Fachkräftemangel die Rede. 62 Prozent der Unternehmen gaben in einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom an, dass ihre Geschäftstätigkeit durch den Engpass auf dem Bewerbermarkt behindert würde. Vor allem Beratungs- und Softwarehäuser suchen neue Leute. Teilweise herrscht hier schon wieder New-Economy-Stimmung, 80 Prozent rechnen mit steigenden Umsätzen, 70 Prozent mit wachsenden Gewinnen. Die Chancen für einen interessanten Job im IT-Bereich sind so gut wie seit Jahren nicht mehr, sagt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer.
Insgesamt ist die Auswahl an verfügbaren Akademikern knapper geworden. Quer durch alle Fachrichtungen registriert die Bundesagentur für Arbeit einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Bei den Betriebswirten sank sie um 23,5 Prozent, den Politologen um 20,1 Prozent, den Chemikern um 19,9 Prozent und den Juristen um 9,3 Prozent. Ein Hochschulstudium ist fast schon eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, so Arbeitsmarktexpertin Rang.
Doch die Arbeitsverhältnisse sind lockerer geworden. Viele Unternehmen möchten eine feste Bindung an Mitarbeiter möglichst vermeiden - und bieten daher oft nur befristete Stellen an. Von den bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen für Naturwissenschaftler waren im vergangenen Jahr knapp 60 Prozent befristet. In zunehmendem Maße greifen die Unternehmen zudem auf Zeitarbeitskräfte zurück. Satte 31 Prozent der im Jahr 2006 gemeldeten Stellen für Maschinenbauingenieure wurden von Zeitarbeitsfirmen angeboten, nur 11 Prozent von der Maschinenbaubranche direkt. Der Trend zu offenen Strukturen auf dem Arbeitsmarkt wird sich auch 2008 fortsetzen, sagt Rang.
Wie macht man sich als Hochschulabsolvent attraktiv? Worauf achten Personalleiter - vom Studienfach einmal abgesehen - bei der Rekrutierung? In einer Studie der Managementberatung Kienbaum nannten die befragten Unternehmen absolvierte Praktika, gefolgt von Sprachkenntnissen und gezielt gewählten Studienschwerpunkten als Hauptkriterien. Die wichtigsten persönlichen Eigenschaften sind der Studie zufolge Eigenmotivation, Lernbereitschaft und analytische Kompetenzen sowie Teamfähigkeit. Auch interkulturelle Fähigkeiten spielen eine immer größere Rolle, sagt Kienbaum-Mann Erik Bethkenhagen. Wie aus der Studie weiter hervorgeht, ziehen die Unternehmen nahezu aller Branchen den Mastertitel einem Bachelor vor, selbst die Promotion fällt hinter den Mastertitel zurück. Allerdings sei die Attraktivität von Bewerbern mit Bachelor insbesondere im Handel, in der Industrie sowie der Bau- und Immobilienbranche gestiegen.
Die meisten Hochschulabsolventen wünschen sich als Arbeitgeber einen namhaften Konzern wie Porsche, Bayer, SAP oder Lufthansa. Arbeitsmarktexpertin Rang rät hingegen, sich mehr zu den kleineren und mittleren Unternehmen zu orientieren. Die sind zwar nicht so bekannt. Aber bieten Akademikern tolle Karrieremöglichkeiten. Und suchen händeringend Nachwuchs.