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Alle wollen Hochschulabsolventen Krieg um Talente in der Fahrzeugbranche: Dazu ein Interview mit Detlef Jürss Von Peter Trechow 
20. Oktober 2008 Ein Interview mit Detlef Jürss, Vice President Engineering Seating, Inte riors and Systems Europe, Africa and South America des System lie fer an ten Johnson Controls
? Herr Jürss, Systemlieferanten stellen immer mehr Akademiker ein - auch Ihr Unternehmen. Warum eigentlich? : Früher haben wir Sitze gefertigt und geliefert. Heute erwarten unsere Kunden sowohl Fertigungs- und Entwicklungs-Know-how als auch die Anpassung der Sitzsysteme ins Gesamtfahrzeug von uns. Dafür brauchen wir umfassende Expertise bis hinein in die molekularen Strukturen des Sitzschaums. ? Warum das? : Um im harten Wettbewerb zu bestehen. Und dafür müssen wir eben Synergien in der Wertschöpfungskette nutzen. Es reicht nicht, einfach nur Sitze zusammenzuschrauben. Es gilt, Synergien zwischen Metall, Kunststoff und in den Strukturen zu finden und zu nutzen. Das geht bis in die kleinste Schraube - natürlich nicht nur bei Sitzen, sondern auch in der Elektronik, bei Verkleidungen und, und, und ? Was heißt das für Einsteiger? : Das Wissen entwickelt sich nicht nur in die Tiefe des Produkts, sondern auch in die Breite. Unsere Leute müssen in Dimensionen einer S-Klasse und eines Tata Nano denken können. Sie sollten global denken: multidisziplinär und multikulturell. Letztlich spitzt sich unser Bedarf auf Superspezialisten und kundenorientierte Generalisten zu. ? Sie stellen hohe Ansprüche. Finden Sie genug Leute, die sie erfüllen? : Von unseren 2.000 Ingenieuren in Europa sind 10 Prozent Inder, und ein Viertel sitzt in der Slowakei. Auch das ist Realität in unserer globalen Branche. Wir suchen aber auch in Deutschland Entwickler und Konstrukteure, die fertigungsgerecht planen können. Innovationen müssen auf Prozesssicherheit und niedrige Kosten ausgelegt sein. Wir bemühen uns, Know-how intern an unserer Engineering-Academy zu vermitteln. Die Referenten sind Praktiker aus den Fachbereichen. Einsteiger brauchen also keine Angst zu haben, dass ihr Wissen nicht reicht. Wenn sie Potential mitbringen, machen wir sie zu Top-Spezialisten. ? Wie überzeugen Sie Top-Absolventen, dass Jobs im Zulieferbereich zukunftssicher sind? : Nicht jeder Zulieferer wird überleben, die Konsolidierungswelle rollt. Bevor sie sich binden, sollten Bewerber das Produktportfolio des Unternehmens kritisch prüfen. Nicht Größe entscheidet, sondern die technologische Ausrichtung und Bandbreite sowie eine globale Ausrichtung. Im Übrigen können sich Einsteiger besser entwickeln, wenn sie technologisch anspruchsvolle Aufgaben bekommen und internationale Einsätze möglich sind. Text: Hochschulanzeiger Nr. 98, 2008, Seite 54 Bildmaterial: privat
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