15. Dezember 2009

Kontrolle mit viel Gefühl

Einstieg in die Wirtschaftsprüfung

Von Britta Beeger



14. Mai 2009 Auch in Krisenzeiten steht Wirtschaftsprüfern eine gut bezahlte Karriere als Planer und Stratege offen - in WP-Gesellschaften genauso wie in Konzernen. Vorausgesetzt, sie bringen neben dem fachlichen Know-how auch eine gehörige Portion Einfühlungsvermögen und Überzeugungskraft mit.

Christian Stöwe ist einer der gefragtesten Trainer bei Deloitte - obwohl Wirtschaftsprüfung für ihn ein Buch mit sieben Siegeln ist. Als Diplom-Psychologe paukt er mit den Mitarbeitern nicht, wie man Jahresabschlüsse prüft, sondern verbessert Einfühlungsvermögen und Überzeugungskraft. Der Führungskräftecoach und Berater arbeitet oft mit Rollenspielen: Er mimt den Mandanten, der Mitarbeiter lernt im simulierten Gespräch, zuzuhören, die richtigen Fragen zu stellen und zu überzeugen. „Es ist wichtig, dass wir unseren Mitarbeitern solche Trainings anbieten“, sagt Thomas Marcel Orth, der sich bei der Wirtschaftsprüfungskanzlei Deloitte um die Aus- und Weiterbildung kümmert und Stöwe regelmäßig engagiert. „Denn an den Hochschulen kommen Gesprächsführung und Teamarbeit immer noch zu kurz.“

Weiterbildung ist für Wirtschaftsprüfer ein Muss: Die Arbeitgeber legen Wert darauf, dass Mitarbeiter jedes Jahr eine bestimmte Anzahl an Seminar- und Vortragsstunden nachweisen, und bieten deshalb viele Veranstaltungen auch gleich in der Firma an. Immer häufiger tauchen auch Soft Skills im Lehrplan auf. Schließlich durchleuchten die Prüfer nicht mehr nur die Bilanzen von Unternehmen. Sie beraten ihre Mandanten auch bei wichtigen Entscheidungen wie Sanierungen, Insolvenzen oder Unternehmenskäufen. Dabei müssen sie die richtigen Strategien mit dem Kunden diskutieren können - und zwar auf Augenhöhe. „Persönlichkeitstrainings sind deshalb heutzutage genauso wesentlicher Bestandteil unseres Kursangebotes wie fachliche Trainings“, bestätigt auch Juliane Havermann, Director im Bereich Human Resources bei KPMG.

Weil Soft Skills in der Praxis heute so entscheidend sind, spielen sie schon in den Bewerbungsgesprächen eine wichtige Rolle. Im Zweifel können sie das Zünglein an der Waage sein: „Nicht der beste, sondern der passende Bewerber macht bei uns das Rennen“, sagt Thomas Teetz, Leiter Personalmarketing beim Marktführer Pricewaterhouse-Coopers (PwC): Neben Einfühlungsvermögen und Überzeugungskraft legen Personaler bei dieser Eignungsprüfung besonders viel Wert auf Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein, Eigeninitiative, analytisches Denken, Flexibilität und Zielstrebigkeit. „Das sind Qualitäten, ohne die man in unserer Branche nicht arbeiten kann“, ist auch Juliane Havermann von KPMG sicher.

Bevor Berufseinsteiger aber in Schulungen ihre soziale Kompetenz ausbauen, sollten sie eine grundlegende Entscheidung treffen: Wo wollen sie später überhaupt arbeiten? Zieht es sie zu einem der „Big Four“ (PwC, KPMG, Ernst & Young und Deloitte), wie die größten vier internationalen Prüfungsgesellschaften genannt werden, die den Markt dominieren? Oder gehen sie lieber zu einem kleinen oder mittelständischen Prüfungsunternehmen? Die Entscheidung sollte gut durchdacht sein - denn die Anforderungen von großen und kleinen Kanzleien unterscheiden sich enorm. Die Soft Skills etwa gelten bei kleinen Firmen doch eher als ein „nice to have“ - also nicht so unbedingt notwenig wie bei KPMG, PwC & Co.

Allgemein gilt: In kleineren und mittelgroßen Prüfungsunternehmen arbeitet man eher als Generalist, in großen Kanzleien als Spezialist. Im Mittelstand sind in der Regel auch die Mandanten eher mittelständisch, manchmal betreut nur ein einziger Prüfer das gesamte Unternehmen. „Mittelständler wollen den persönlichen Berater“, sagt Manfred Hamannt, Vorstandsmitglied des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), das die Interessen der Branche vertritt. „Deshalb ist man dort mit einer größeren Breite an Themen konfrontiert und muss sich in allen Gebieten gut auskennen.“

Bei großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften arbeiten Prüfer und Berater dagegen in der Regel getrennt - deshalb sind auch die Aufgabenbereiche enger gefasst. Dafür hat man es mit komplexeren Mandanten zu tun: „Große Unternehmen werden von großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften betreut, was die Chance bietet, weltweit tätige Großunternehmen kennenzulernen“, sagt IDW-Vorstand Hamannt. Die großen Vier teilen heute denn auch den Prüfungskuchen der 30 Dax-Unternehmen fast allein unter sich auf. Bei ihnen hat man also das Privileg, Konzerne wie Daimler, Siemens oder die Deutsche Bank zu prüfen. Auch in den Börsensegmenten M-Dax, Tec-Dax und S-Dax sind sie mittlerweile stark vertreten.

Die Branchenführer können mit einem weiteren Plus punkten: Sie zahlen im Schnitt höhere Gehälter als kleinere Prüfungsgesellschaften. Die Vergütungsberater von Personalmarkt haben ermittelt: Durchschnittlich verdienen Mitarbeiter von Prüfungsgesellschaften mit über 1.000 Beschäftigten fast 69.000 Euro im Jahr - 12.000 Euro mehr als die Kollegen bei kleinen Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern. Bei denen stehen am Jahresende nur rund 57.000 Euro auf der Gehaltsabrechnung. Bei allen Unternehmen steigt mit zunehmender Berufserfahrung das Gehalt. Berufsanfänger verdienen im Schnitt rund 51.000 Euro im Jahr, nach zehn Jahren Berufserfahrung sind es 66.000 Euro. Ein Viertel schafft es auf ein Jahresbrutto von 80.000 Euro.

Allgemein sind Wirtschaftsprüfer in der Gehaltspyramide damit weit oben angesiedelt. Dafür ist die Arbeitsbelastung deutlich höher als in anderen Berufen. Eine 40-Stunden-Woche ist für Wirtschaftsprüfer die Ausnahme. Gerade in der Prüfungssaison von Herbst bis Frühjahr ackern sie eher 50 bis 55 Stunden.

Das scheint jedoch nur wenige abzuschrecken: Prüfungsunternehmen zählen unter Wirtschaftswissenschaftlern seit Jahren zu den beliebtesten Arbeitgebern. Bei einem Ranking des Marktforschungsunternehmens Universum Communications aus dem Jahr 2008 etwa wählten die knapp 7.500 befragten Wirtschaftswissenschaftler PwC auf Platz 10 der Wunscharbeitgeber, Ernst & Young auf Platz 11, KPMG auf Platz 14 und Deloitte - etwas abgeschlagen hinter den drei großen Konkurrenten - auf Platz 27.

Dass Wirtschaftsprüfer als Arbeitgeber so beliebt sind, schlägt sich auch in den Bewerbungen nieder. Zwischen 20.000 und 35.000 Bewerbungen gehen jährlich bei jedem der großen Vier ein. Obwohl so viele Bewerber um Jobs in der Wirtschaftsprüfung kämpfen, waren die Aussichten für Berufseinsteiger vergleichsweise gut. Ein Grund dafür: Die internationalen Richtlinien verändern sich ständig - etwa durch die Einführung international einheitlicher Rechnungslegungsstandards (IFRS). Daher sind neue Talente gefragt. Das belegen auch Zahlen aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes: Demnach ist die Zahl der Wirtschaftsprüfer in Deutschland seit dem Jahr 2001 stetig gewachsen. Ein Großteil von ihnen arbeitet bei einem der vier Platzhirsche: Marktführer PwC etwa stellte allein im vergangenen Jahr 1.700 neue Mitarbeiter ein, Ernst & Young 1.500, KPMG 1.620 und Deloitte 1.022.

Wie sich die Finanzkrise auf die Branche auswirken wird, ist noch völlig unklar. Die großen Prüfungsgesellschaften lassen durchblicken, dass sie zwar weiter neue Mitarbeiter einstellen werden, sind aber zurückhaltender als früher. Marktführer PwC etwa, der in den letzten Jahren verstärkt neue Leute eingestellt hat, will sein Engagement künftig tendenziell etwas zurückfahren: Derzeit ist von 1.500 Neueinstellungen für 2009 die Rede. Bei KPMG ist die Vorsicht noch ausgeprägter: Hier werden maximal 1.000 neue Leute gesucht.

IDW-Vorstand Hamannt sieht mittelfristig gute Chancen für die Branche. „In Krisenzeiten haben Unternehmen oft wachsenden Beratungsbedarf, wenn auch unter veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Um diese Nachfrage zu befriedigen, brauchen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ausreichendes und qualifiziertes Personal.“ Eine solche Entwicklung könne die Zurückhaltung bei Neueinstellungen mindern. Außerdem sei derzeit ein Drittel aller aktiven Prüfer über 55 Jahre alt. „Es wird also in jedem Fall auch weiterhin einen Bedarf an jungen Nachwuchskräften geben.“

Die Prüfungsvorbereiter

Wirtschaftsprüfer kann man nicht studieren, zum Wirtschaftsprüfer wird man von der berufsständischen Kammer bestellt. Und dazu braucht es neben Berufserfahrung ein bestandenes Examen. Zur Vorbereitung auf die Prüfung existiert ein breiter Markt an Seminar- und Lehrgangsanbietern - verbreitet sind Fernkurse, Wochenendseminare oder Blockveranstaltungen, zusätzlich gibt es spezielle Klausurentrainings. Oft werden auch die verschiedenen Angebote kombiniert, etwa Fernstudium und Intensivkurse. „Welche Art der Vorbereitung die beste ist, hängt allein vom Lerntyp ab“, sagt Peter Abels, Gesellschafter des Marktführers Abels - Kallwass - Stitz, Deutsche Akademie für Steuern, Recht & Wirtschaft. Von der Wahl des Angebots hängen auch die Kosten ab: Zwischen 2.000 und 7.000 Euro geben die meisten Prüflinge im Vorfeld aus, zum Teil finanziell unterstützt vom Arbeitgeber. Der einfache Fernlehrgang ist die kostengünstigste Variante.

Anbieter von Lehrgängen zur Vorbereitung auf die Prüfung als Wirtschaftsprüfer

Die Adressliste gibt lediglich einen Überblick über ausgewählte Anbieter von Lehrgängen zur Vorbereitung auf das Wirtschaftsprüfungsexamen. Genannt sind Veranstalter, die in der Vergangenheit Vorbereitungskurse angeboten haben und nach derzeitigem Kenntnisstand weiterhin anbieten. Die Liste ist weder vollständig, noch hat die Reihenfolge irgendeine qualitative Aussage.

Norddeutsches Seminar für Prüfungswesen und Steuerrecht
Ferdinandstraße 12, 20095 Hamburg Tel.: (0 40) 30 39 24-0
postfach@norddeutschesseminar.de http://www.norddeutschesseminar.de

WP-Kurs Dr. Schmitz und Partner GbR*
Buchtallee 4 d, 21465 Reinbek Tel.: (0 40) 72 73 04 14
service@wpkurs.de http://www.wpkurs.de

Abels - Kallwass - Stitz Deutsche Akademie für Steuern, Recht & Wirtschaft
Postfach 10 36 64 50476 Köln Tel.: (02 21) 4 20 56-16
wp-info@aks-online.de http://www.aks-online.de

hemmer/ECONECT GmbH
Rödelheimer Straße 47 60487 Frankfurt am Main Tel.: (0 69) 97 09 70-0
info@econect.com http://www.econect.com

Akademie Henssler
Waldseestraße 29, 76332 Bad Herrenalb Tel.: (0 70 83) 92 54-0
info@akademie-henssler.de http://www.akademie-henssler.de

Dr. Grannemann & von Fürstenberg Verlags-GmbH
Marienstraße 8, 79098 Freiburg Tel.: (07 61) 20 73 30
info@drgrannemann- vonfuerstenberg.de http://www.drgrannemann-vonfuerstenberg.de

Anwaltskanzlei Schmidt**
Lorettostraße 29, 79100 Freiburg Tel.: (07 61) 27 55 39
asfreiburg@yahoo.de

Examina Gemeinnütziger Fortbildungsverein für Angehörige der wirtschaftsprüfenden und steuerberatenden Berufe e. V.
Veit-Stoß-Straße 42, 80687 München Tel.: (0 89) 56 15 37
info@examina-ev.de http://www.examina-ev.de

* Vorbereitung im Wirtschaftsrecht
** Einzelunterricht im Wirtschaftsrecht

Quelle: Wirtschaftsprüferkammer ( http://www.wpk.de/examen/anbieter.asp ),
Stand: 1. April 2008

Was ein Wirtschaftsprüfer können muss: 10 Basics für den Beruf

1. Fachkompetenz: Wichtigste Voraussetzung für Erfolg im Beruf ist sicherlich das Fachwissen. Die großen Vier trennen zwischen Prüfung und Beratung. Mitarbeiter der kleineren Prüfungsunternehmen müssen in beiden Gebieten gleich fit sein.

2. Internationalisierung: Wer in einer global arbeitenden Firma beschäftigt ist, sollte auch internationale Regelwerke für Jahresabschlüsse beherrschen. Dazu zählen die International Financial Reporting Standards (IFRS) und die United States Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP). Sie regeln die Buchführung und den Jahresabschluss von Unternehmen. Voraussichtlich ab 1.1.2010 wird auch das HGB durch das Bilanz-Modernisierungs-Gesetz (BilMoG) internationale Bilanzierungsregeln enthalten.

3. Fremdsprachen: Gerade in international agierenden Unternehmen ist Englisch Pflichtsprache. Aber auch in kleineren Betrieben sollte man zumindest diese eine Fremdsprache beherrschen.

4. Unbestechlichkeit: Ein Wirtschaftsprüfer muss unbestechlich und unparteiisch sein. Absolute fachliche Redlichkeit steht bei der Arbeit im Vordergrund. Er muss die Jahresabschlüsse der Unternehmen unabhängig und gewissenhaft prüfen.

5. Diskretion: Die Pflicht zur Verschwiegenheit ergibt sich aus der Wirtschaftsprüferordnung sowie aus dem jeweiligen Auftragsverhältnis. Verletzungen der Verschwiegenheitspflicht sind strafbar.

6. Verantwortung: Wirtschaftsprüfer sind eigenverantwortlich und keinen Direktiven unterworfen.

7. Diplomatie: Sachverstand allein nützt nichts; er muss durch die Fähigkeit, andere für sich zu gewinnen, und die Fähigkeit zur Vermittlung ergänzt werden.

8. Kommunikation: Komplizierte Zusammenhänge muss der Wirtschaftsprüfer einfach erklären können. Dabei kommt es auf eine empfängerorientierte Kommunikation an.

9. Geduld: Die Prüfung umfangreicher Bilanzen erfordert viel Geduld und Präzision.

10. Fortbildung: Wirtschaftsprüfer sollten stets lernbereit sein. Nur durch Weiterbildungen bleiben sie angesichts der äußerst kurzlebigen Gesetzeslage immer auf dem neuesten Stand.

Text: Juliane Wildermann

Text: Hochschulanzeiger Nr. 102, 2009, Seite 48
Bildmaterial: Moni Port, Labor
 
 
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Es geht auch ohne
Durchgefallen durchs Examen?

Wer das Examen zum Wirtschaftsprüfer nicht bestanden hat oder ganz einfach keine Lust auf den Prüfungsmarathon hat, kommt zwar auf der Karriereleiter nicht nach ganz oben, aber ein paar Sprossen sind trotzdem drin. Vor allem die großen Gesellschaften bieten Mitarbeitern, die vom geraden Weg abweichen, mittlerweile mehr berufliche Chancen als noch vor einigen Jahren. 

Christina de Bakker, Leiterin Personalmarketing& Recruiting bei Deloitte:»Auch für Kollegen, die das Examen nicht ablegen möchten, gibt es bei uns Tätigkeitsfelder – z.B. in prüfungsnahen Bereichen, da hier Wirtschaftsprüferwissen von Vorteil ist.«
Praktikant bei PwC zu werden ist nicht einfach
Student sucht Praktikum

Thomas Teetz

Denn die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft siebt ordentlich aus. Von jährlich 8.000 Interessenten bekommen nur 600 den ersehnten Platz. Thomas Teetz ist Leiter des Personalmarketings und Recruitings beim Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse-Coopers. Von ihm wollten wir wissen, was man als Student machen muss, um einen der begehrten Praktikumsplätze zu bekommen.