Kölner Fensterstreit

Kritik an Kardinal Meisner

Richters Fenster im Kölner Dom: Der Kardinal hält es für „beliebig und austauschbar“

Richters Fenster im Kölner Dom: Der Kardinal hält es für „beliebig und austauschbar“

01. September 2007 Der Kölner Kardinal Joachim Meisner ist mit seiner Kritik, das neue, abstrakte Kirchenfenster von Gerhard Richter im Kölner Dom könne genauso gut in einer Moschee hängen, auf Widerspruch in Politik und Kirche gestoßen. Nach Ansicht der Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth offenbart diese Äußerung „eine fundamentalistische Geisteshaltung und eine große Distanz gegenüber einem Dialog der Religionen“.

Auch Abstraktion könne eine Glaubenssprache sein, sagte die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Verzicht auf Figuren zeige die Fähigkeit zum Dialog und eröffne neue Dimensionen der Spiritualität, „nach denen wir ja in unseren Kirchen suchen“. Es sei großartig, einen so renommierten Künstler wie Gerhard Richter für die Ausgestaltung eines Gotteshauses gewonnen zu haben. Frau Käßmann nannte die Kritik Meisners „eine sehr persönliche Wahrnehmung des Kardinals“. Katholische Bischöfe wollten sich auf Anfrage zu dem Fensterstreit nicht äußern. Niemandem müsse die Arbeit eines weltberühmten Künstlers gefallen, sagte Frau Roth. Richters Arbeit aber in den Islam abzuschieben, sei „auf seltsame Weise borniert“.

Das Domfenster war am vergangenen Wochenende in Abwesenheit des Kardinals eingeweiht worden. In Köln wurde berichtet, Meisner hätte lieber eine figürliche Darstellung gesehen. Nach den Worten seines Sprechers wollte der Kardinal mit dem Verweis auf die Moschee aber lediglich darauf hinweisen, dass er das Fenster in seiner Machart für „beliebig und austauschbar“ halte.

Text: cw./elo., F.A.S.
Bildmaterial: dpa

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