Erzbischof Robert Zollitsch

Der Spätberufene

Von Daniel Deckers

12. Februar 2008 Damals hatte niemand mit ihm gerechnet. Doch als im Frühjahr 2003 der Name Robert Zollitsch anstelle des beliebten Weihbischofs Paul Wehrle auf der römischen Dreierliste stand, wählte das Domkapitel notgedrungen den langjährigen Personalchef des Erzbistums Freiburg zum Nachfolger des aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Erzbischofs Oskar Saier.

Mittlerweile ist aus der Not eine Tugend geworden, und das so sehr, dass die katholischen Bischöfe den 69 Jahre alten Erzbischof am Dienstag für die kommenden sechs Jahre zu ihrem Vorsitzenden wählten.

Ein Mann, der nicht ins Rampenlicht tritt

Mag Zollitsch jenseits der Grenzen der Erzdiözese Freiburg noch nie im Rampenlicht der Öffentlichkeit gestanden haben, im Leben der mit etwa 2,1 Millionen Katholiken zweitgrößten Diözese Deutschlands ist seine Handschrift unübersehbar.

Denn ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Neuordnung der Seelsorgstrukturen zwischen Bodensee und Main anders als in anderen Diözesen nicht mit der Brechstange durchgesetzt wurde. „Wir müssen gemeinsam Wege des Glaubens gehen“, lautete die Maxime des Personalchefs Zollitsch bei der Zusammenfassung mehrerer Gemeinden zu Seelsorgeeinheiten.

Als Erzbischof gab er angesichts der unabweisbaren Veränderungen aufgrund schwindender Finanzen, der Alterung des Klerus und des Rückgangs der Zahl der Gläubigen das Motto „Aufbruch im Umbruch“ aus.

2005 mündete ein zweijähriger Diskussionsprozess in allen Gemeinden in verbindliche Leitlinien für eine Seelsorge, die von gegenseitiger Anerkennung der verschiedenen Dienste und Ämter in der Kirche und einer „Kultur der Wertschätzung“ getragen sein soll.

Freilich sind auch in der Kirche Worte geduldig, und die meisten Dokumente, die in den vergangenen Jahren die Bistumsverwaltungen verließen, dienten mehr als Tünche denn als Sehhilfe.

Nicht so in Freiburg: Weder scheute sich Zollitsch, nach Abwägung aller Argumente auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, noch beließ er es bei Ankündigungen. Mit Wertschätzung lässt sich am ehesten auch die Haltung charakterisieren, die er der evangelischen Kirche entgegenbringt.

Naturtalent in den kirchlichen Reihen

In der Bischofskonferenz blieb nicht lange verborgen, dass sie in der Person des spätberufenen Erzbischofs, der am 9. August 1938 in Philippsdorf in der (heute serbischen) Batschka geboren wurde und als Heimatvertriebener im Mainfränkischen aufwuchs, auf einmal ein Naturtalent in ihren Reihen hatte.

Für das Thema „geistliche Berufe“ machte er sich bald ebenso stark wie für die gute Verwaltung des Haushalts der Verbands der Diözesen Deutschlands.

So schien Zollitsch schon vor drei Jahren ein Kandidat für die Nachfolge des damals 69 Jahre alten Kardinals Lehmann zu sein. Doch der Erzbischof warb vehement für eine vierte Amtszeit seines aus Hohenzollern stammenden Landsmannes.

Als Lehmann im Januar sein Amt zur Verfügung stellte, wurde Zollitsch bedrängt, sich als Nachfolger bereitzuhalten. Ihn selbst drängte es nicht nach einem neuen Amt.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 
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