Stammzelldebatte

Auch der katholische Mensch kann irren

Manche katholische Stimme beansprucht, die allein vertretbare christliche Position zu artikulieren. Gemeint ist ein generelles Nein zur Forschung mit embryonalen Stammzellen. Mittlerweile hat die Debatte Züge eines Kulturkampfs angenommen, die evangelische Kirche ist zu Klarstellungen genötigt. Von Bischof Wolfgang Huber

Lesermeinungen zum Beitrag

04. Januar 2008 09:33

verhandelbar?

TILMAN KLUGE (TILMAN_KLUGE)

Es ist symptomatisch für die Abgehobenheit des Herrn Huber, daß er zwar das Lehramt der katholischen Kirche - das zweifellos irren kann - angreift, aber selber offensichtlich von einer Verhandelbarkeit menschlichen Lebens ausgeht. Ich dachte, hinsichtlich dieser Thematik hätte auch Herr Huber aus deutscher Geschichte der frühen Mitte des letzten Jahrhunderts gelernt.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
27. Dezember 2007 17:56

@Herr Keim

Markus Leibold (MSL)

"Woran soll sich der Christ nun orientieren, wenn seine Kirche nicht klar Stellung bezieht?"

Als mündiger Bürger an seinem eigenen Gewissen und an christlichen ethischen Grundvorstellungen. Das ist aber kein Grund, eine Grauzone pauschal für schwarz oder weiß zu erklären bzw. das wie Sie sogar zu fordern - mir persönlich wurde in Sachen Ethik im katholischen Religionsunterricht das Wort 'Multiperspektivität' mal um mal um die Ohren gehauenund- ich finde es gut, wenn die evangelische Kirche sie auch tatsächlich einmal anwendet. Die katholische moralische Oberhoheit wurde für mich mit der Position zu Verhütungsmitteln bzw. Kondomen und der Bestrafung afrikanischer Nonnen und anderer ad absurdum geführt - hiermit tötet man seit Jahren indirekt mehr Leben, als man schützt.

Eine differenzierte Ansichtsweise kann und muss man sowohl von Kirchen als auch einzelnen Gläubigen erwarten können. Eine Kirche, die Moral aufoktroyieren möchte anstatt ihren Anhängern zu helfen, es selbst und differenziert zu entwickeln, ist in meinen Augen noch nicht in der heutigen Zeit angekommen.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
27. Dezember 2007 15:39

Auch der katholische Mensch kann irren?

B. Keim (bkeim)

Selbstverständlich irrt auch der Katholik. Das bestreitet noch nicht einmal dieser. Nur bezweifle ich, dass die Möglichkeit des Irrtums eine klare Stellungnahme seitens der Kirchen von vorneherein ausschließt. Wer Christ ist, ist auch Teil einer Glaubensgemeinschaft. Als Mitglied einer Glaubensgemeinschaft kann man sich schon ein wenig Orientierung in ethischen Fragen von Seiten ihrer Repräsentanten erwarten. Das schließt im speziellen Fall eine gegenläufige persönliche (Gewissens-)Entscheidung nicht aus. Aber der Hinweis Hubers, dass man sich nicht in die Entscheidung einzelner einmischen und deshalb auch keine Vorgaben in ethischen Debatten machen dürfe, lässt den Verdacht aufkommen, dass man sich in Fragen der Moral lieber aussen vor hält. Religionen sind nun einmal auch Moralsysteme. Wenn ein Bischof
nicht in der Lage ist in Fragen der Moral und Ethik einen klaren Standpunkt einzunehmen, stimmt dies doch ein wenig nachdenklich.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
27. Dezember 2007 15:14

Der Mensch irrt, solang er denkt, auch der katholische

KLAUS Krueger (sopher)

Sogar ein Papst kann irren, wie die Geschichte lehrt. Und seine Unfehlbarkeit ist nicht von Gott, sie ist von Menschen gemacht. Da Menschen irren, kann diese Unfehlbarkeit auch ein Irrtum sein. Und damit können auch alle Beschlüsse und Vorschriften ein Irrtum sein. Aber ein Mißbrauch von Stammzellen ist ein Fehler, doch Forschung an Stammzellen für das Erhalten von Leben ist das ein Irrtum? Nein!...

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
27. Dezember 2007 14:58

Rätselhafter Beitrag

B. Keim (bkeim)

mir ist es ein absolutes Rätsel wie Huber sich auf diesen Beitrag einlassen konnte. Kurz zusammengefasst lautet die Botschaft: eine verbindliche Haltung der evangelischen Kirche zum Thema embryonale Stammzellen kann und wird es nicht geben, da die dies ein Vorgriff und Eingriff auf die Gewissensentscheidung des Einzelnen (Christen?) bedeutete. Das Gewissen ist uns heilig. Woran soll sich der Christ nun orientieren, wenn seine Kirche nicht klar Stellung bezieht?
Überheblich wird es dort, wo man der anderen Konfession vorwirft, klar Stellung zu beziehen, da sie diese Frage dem Lehramt unterwirft. Klar, auch Kirchen sind vor dem Zeitgeist nicht gefeit. Aber ist es unbedingt notwendig bei jeder Gelegenheit sein Fähnchen in den Wind zu hängen? Ich bezweifle, dass ein solches Fähnchen wirklich der Orientierung dient.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
27. Dezember 2007 12:19

Stammzell-Debatte

Ulf Weingarten (uweingarten)

"Denn Embryonen sind keine „Sachen“, mit denen man nach Belieben verfahren könnte."
Darin ist Bischof Huber zuzustimmen. Hinzuzufügen ist, es handelt sich um menschliches Leben. Für einen Christen kann es hier keine Kompromisse geben. Seien sie auch noch so schön verpackt.
"Wenn es stimmt, dass die derzeit verfügbaren Stammzelllinien mit Viren und tierischen Zellen kontaminiert und daher für die notwendige Forschung nur begrenzt geeignet sind...".
Wäre das nicht zunächst einmal zu klären, ehe Kompromisse zulasten menschlichen Lebens erwogen werden?

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
27. Dezember 2007 11:13

Ethik ist auch Handlungsethik

Stefan Sedlaczek (sedlaczek1)

Man k a n n vieles machen. Aber gerade dann, wenn es darauf ankommt, der Versuchung zu widerstehen, beim Handeln, zeigt sich tatsächlich, was die propagierte Ethik wirklich wert ist.
Es ist allgemein üblich - und ethisch geboten -, sein Einkommen nicht aus Banküberfällen zu bestreiten. Und tatsächlich gibt es viele andere Möglichkeiten, ehrlich und anständig Einkommen zu erzielen. Wenn die ethisch verschlossenen Türen verschlossen bleiben, gewinnt jede Zivilisation - und öffnet neue gute Wege. Die nun vorgetragene Argumentation kommt mir vor, wie wenn einer sagt, daß er aber doch für seine ehrliches Unternehmen erst einmal Startkapital braucht und ausnahmsweise bitte doch noch ein einziges Mal in die Bank 'rein "darf".
Genausowenig kann man hier auf Nothilfe plädieren: Hilfebedürftige mit anderer Leute Geld helfen, ist keine ethische Glanzleistung - übrigens auch nicht von Staats wegen. Hier kommt noch dazu, daß man einen Diebstahl oder Raub zu Gunsten Dritter zumindest wieder heilen könnte. Im Falle der Stammzellenforschung ist aber die Hilfeleistung spekulativ, der Eingriff in Menschliches ist aber nicht mehr rückgängig zu machen. Und "irgendwie" menschlich ist der menschliche Embryo nun einmal, da hilft auch kein Leugnen.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
27. Dezember 2007 10:20

Auch der katholische Mensch kann irren

Hans Reinhard Seeliger (HRSeeliger)

Vielleicht ist die Lösung des Problems ja ganz einfach: Annette Schavan wird evangelisch! Und Bischof Huber aber wäre zu empfehlen, die (römischen) Kollarhemden im Kleiderschrank zu lassen. Vielleicht erreicht er damit das Ziel, die Unterschiede zwischen den Konfessionen herauszuarbeiten, besser.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
27. Dezember 2007 08:37

Relativierung

R W (DocSnider)

Es ist wie immer:
An die Stelle einer klaren Aussage tritt die Relativierung des Problems.

Wie kann die böse, böse katholische Kirche es auch wagen, seit Jahren eine eindeutige Meinung zu vertreten?


Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
27. Dezember 2007 07:38

Machtkampf

Frank Bach (Spindel)

Die Kirchen leiden unter Erosion. Nun gilt es, im Kampf um die wachsende Gemeinde der Sinn- und Haltsucher eine gute strategische Position zu erobern. Es steht viel auf dem Spiel im Machtkampf mit den weltweit operierenden Anbietern auf dem Immobilienmarkt für festen Felsengrund.

Vor diesem Hintergrund erscheint mir die Position der Evangelischen Kirche die allerschwächste. Man kann es an diesem Beitrag des Bischofs Wolfgang Huber exemplarisch studieren: er ist - aus machtstrategischer Perspektive - viel zu vernünftig, viel zu weich, viel zu wässrig, viel zu friedlich, viel zu tolerant, viel zu schwach, viel zu sympathisch. Gibt man so Orientierung? Vermehrt man so seinen Einfluss?

Die Tragik wird sein, dass die Sanften einmal wieder unterliegen werden. Sie tun es mit einem guten Gewissen, denn man möchte, wenn man schon untergeht, wenigsten geliebt werden.

Frank Bach

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
27. Dezember 2007 02:07

Der Mensch, insbesondere der Gläubige, irrt häufig

Thomas Panke (Survivor2000)

Da ich keiner Kirche sonderlich zugeneigt bin, ist mir schwer verständlich zu machen, weswegen ich eine solch tiefgreifende Entscheidung von den Grundsätzen eines Glaubens abhängig machen sollte.
Die bei uns vertretenen Kirchen können ethische Bedenken äußern, aber bezüglich einer klaren Zu- oder Absage haben sie sich meiner Meinung nach restlos disqualifiziert. Die Wissenschaft veröffentlicht immer nur eine Wahrheit nach dem heutigen Stand der Forschung, die nachträgliche Änderungen durchaus zulässt. Die Standpunkte der Kirchen werden aber als feststehende Tatsachen formuliert, weswegen die leider sehr häufigen Korrekturen peinlich wirken.
Wenn ich dann noch in Betracht ziehe, dass sich nicht einmal innerhalb des Christentums die Kirchen einig sind, dann kann es mit der Richtigkeit ihrer Äußerungen wirklich nicht weit her sein.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
1 - 11 von 11 Lesermeinungen
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche