„Entartete Kultur“

Meisner bedauert „Missverständnis“

In einem Beitrag für die F.A.Z. bedauert der Kölner Kardinal, dass seine Predigt zur Eröffnung des Diözesanmuseums „Anlass zu Missverständnissen gegeben hat“. Das von ihm gebrauchte Wort „entartet“ sei „in der verkürzten Form aus dem Zusammenhang gelöst“ worden.

Lesermeinungen zum Beitrag

25. September 2007 19:07

Gebt dem Hirten ein Zweitbuch!

Georgy Koentges (Koentges)

Meisners Tollpatschigkeit zeigt Unzufriedenheit mit einer säkularen Gesellschaft, die er nicht versteht. Trennung von Ritus und Kultus/r, nach ihm Ursache von 'Entartung', ist auch Ursprung antiker Philosophie, die es später dem Christentum ermöglichte, erwachsen zu werden und sich eine geistige Vergoldung zuzulegen, von der auch Meisner zehrt, wenn er ungelenk mit aquinatischen Denkformeln hantiert. Hätte er Camus gelesen, wüßte er um die Moral des Atheisten, der alleinige Verantwortung fuer sein Fehlen übernimmt. Gewalt korreliert weniger häufig mit Atheismus als mit einer Religion, die dem Aggressor metaphysische Immunität erteilt. Ob Meisner und die Nazis ähnliche Geschmacksaussagen träfen angesichts eines Picassos, soll dem Vergessen der Geschichte überlassen sein. Mit etwas Bildung sähe er, daß seine Kirche seit jeher zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion oszillierte, so daß sogar Atheisten Spaß an Kirchenfenstern haben. Er wüßte um Suger, Cluny, Thomismus, Nominalismus und deren Wirkungen bis in die Moderne und hätte allen eine Debatte seines Niveaus erspart. Sein Mißverstehen verdient das Mitleid aller säkularen Apostaten verkrümmten Herzens. Man wünscht dem Herrn ein Zweitbuch und eine Nachhilfestunde beim Pontifex.

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20. September 2007 17:29

Kein Taliban...! bitte nicht abschießen, Herr Jung!

Felix Baur (FelixBaur)

Was sich etliche Generationen von Kölner Gutbürgern vom Munde abgespart haben, um einen Wegweiser des Glaubens in aller erdenklichen irdischen Prachtentfaltung für die Bewältigung des Eintritts von existenziellen Ausnahmesituationen gegenwärtig zu haben,
das verhunzen nun ein paar säkulare Simpel Kraft ihres von dem Kölner Domkapitel erhaltenen künstlerischen Auftrages innerhalb von einer Generation mit einem "Viele, viele Bunte SmartiesDesign"...
darf man den Sponsor nennen...?

Das tragische daran ist, daß die kölsche Seele, Kardinal Meisner, bereits vor etlichen Jahren über die Auftragsvergabe seine segnende Hand hielt; also hat der Kardinal mitgewirkt; irgendwie ist er jedoch im Laufe der Planungsarbeiten von seinem säkular künstlerischen Tripp heruntergekommen; nun kloppt sich das Domkapitel in aller Öffentlichkeit auf SchulbubenNiveau mit einem Würdenträger der Kirche.

Unser Kardinal wurde bei seiner Rede nicht vom Heiligen Geist befallen...

Als FUNDAMENTAL marianisch erzkonservativer katholischer Christ hat man es immer schwerer, seinen Glauben bei den Mitmenschen ohne MainstreamVer- renkungen zu eröffnen, wenn die Kirche mir selber mit GlaubwürigkeitsKrisen in den Rücken fällt.

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19. September 2007 20:51

Der Kardinal bedauert das Missverständnis bei den anderen

Wilhelm Drühe (wilmtenstedt)

Nach den vorhergehenden Reaktionen des Erzbistums Köln auf die Kritik war nicht mehr zu erwarten - auch jetzt nur: das aus dem Zusammenhang gelöste Zitat gab Anlass zu Mißverständnissen. Da die Zuhörerinnen und Zuhörer eben so sind, hätte der Prediger formulieren müssen: Kultur vom Kultus "abkoppeln". Als evangelischer Theologe meine ich, dass (auch) auf einem Nebenkriegsschauplatz ausgewichen ist. Es stimmt nicht, dass Gott immer schon da ist, und wir unbefangen mit weltlichen Dingen umgehen können - auch mit Bildern, Skulpturen und Kultur im Sinne von Kunst. Es stimmt einfach nicht, dass sich das Christentum überall inkulturieren kann, wo Menschen zusammenleben. Mit den ZEHN GEBOTEN war eine göttliche Weisung gekommen, dass alle Zeit gelten müsse: "Du sollst dir kein Bildnis machen" (2. Mose 20, 4). Was ist aus der katholischen Kirche heute geworden, weil dieses Gebot nicht (mehr) beachtet worden ist. Wie die Kirche durch die Bilder verändert worden ist, kann man an den Reaktionen des Kölner Erzbischofs erkennen - mit dem Farbfenster im Süden des Kölner Domes kann er schon nicht mehr viel anfangen.

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19. September 2007 12:02

Herr Meisner...

Werner Eckl (WernerEckl)

hat eine hervorragende Gelegenheit verpasst, still zu sein. Und wie es so oft passiert bei unerwünschten Rechtfertigungen: Die Misere offenbart sich in voller Blüte.

Fällt eigentlich jemandem der Schönbeter auf, dass die Sprache um Pervertierung etc. in allem den Tiraden jener Hassprediger entspricht, die im Namen des Islam versuchen, die Zeit noch einmal ordentlich zurückzustellen?

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19. September 2007 09:34

Für Frau Däubler-Gmelins Rücktritt

Markus Teuber (arathorn)

gab es sehr gute Gründe.Welche ?
Weil sie offenbar keine Geschichtskenntnisse vorzuweisen hat.

Hitler hat den WWII aus allen anderen Gründen ausgelöst,nur nicht aus "innenpolitischen Schwierigkeiten" !
Wenn überhaupt je eine Regierung/Diktatur KEINE innenpolitischen Schwierigkeiten hatte oder solche Schwierigkeiten schnell und "mit Erfolg" aus dem Weg räumen konnte,dann doch wohl die Nationalsozialisten.

Von einer öffentlichen politischen Person (noch dazu Minister/in) darf man auf jeden Fall bessere historisch-
politische Kenntnisse erwarten.

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19. September 2007 08:53

Zusammenhang gelöst?

Peter Zillig (pzillig)

Bei der (rhetorischen) Intelligenz des Herrn Kardinals (und seiner hochspezialisierten Entourage) fällt es schwer zu glauben, dass die bei seiner Wortwahl zu erwartenden „Missverständnisse“ lediglich dadurch entstanden sind, weil „verkürzt“ und „aus dem Zusammenhang gelöst worden“ ist. Und ja, daran schuld sind natürlich _immer_ die anderen. Diese oberhirtliche Selbstinszenierung als flammender Kulturkritiker war zu billig und ist schon deshalb misslungen.

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19. September 2007 02:02

Warum nicht die Wahrheit sagen?

Josef Bujtor (Mramorak)

Nicht die "Kunst" ist das Prblem, das soviele Kritiker zur Wut bringt, es ist der Kardinal im Besondern und die Christenheit im Allgemeinen. Eine so gute Gelegenheit konnte man doch nicht verpassen, den Chrischten eins zu verpassen! Es sind die gleichen Namen, die jede Gelegenheit wahrnehmen, dem amerikanischen Präsident eins auszuwischen. Ob die Geschichte, die diese Leute verbreiten wahr ist oder nicht, spielt keine Rolle.
Warum bleiben die kritiker des Kardinals nicht bei der Wahrheit?
Die Kritiker am Schießbefehl an der Mauer waren sooooo schnell zum Schweigen gebracht. Warum? Kritik ist in Deutschland erlaubt, sogar erwünscht - aber nicht an den LINKEN. Ja das ist die erweiterte DDR. Hat die CDU noch nicht gemerkt, dass sie nur eine untergeortnet, geduldete, Partei ist?

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18. September 2007 22:16

Die Wortpolizei schlägt unbarmherzig zu!

Wolfgang Kaiser (WolfgangKaiser)

Nach Kardinal Meisner und Eva ermann mit ihrem unerlaubten Politikvergleich ist man nun auch bei Wikipedia darauf gekommen, dass bestimmte begriffliche Benennungen nicht erwünscht sind bzw. boykottiert werden. So soll aktuell der Begriff "taqiyya" (arabisch; im Islam die Erlaubnis bzw. die Verpflichtung zu lügen, wenn das Ziel obligatorisch ist, wie z.B. die Verbreitung des Islams. Wo es gefährlich ist zu lügen, soll man zum Vortäuschen greifen. Täuschen gehört im Islam nicht zum Lügen. Es ist bloß die Methode, Wörter so zu verwenden, dass sie den Zuhörer irreführen.) gelöscht werden...
In Zukunft muss man wohl noch mehr zwischen den Zeilen lesen, als zuletzt im SED-Staat.
Dabei liegt das Problem meist zwischen den Ohren! Wenn hier jemand tatsächlich von "Meisners privatem Lieblingsgott" spricht oder das Opus Dei als "faschistoide Organisation" bezeichnet und Teile oder das Ganze der katholischen Kirche mit dem dem Dritten Reich verwand sieht, dem ist einfach nicht helfen. Da kann man nur sagen: Sie haben Glück, dass die römische Kirche in der Gegenwart nicht agiert wie der Welt-Islam heute! Aber es ist ja vielleicht nur eine Frage von Jahrzehnten, bis in Europa Kardinäle von Imamen und Religionsbehörden abgelöst werden...

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18. September 2007 22:05

Jawohl!

Marcel Meier (MarcelMeier)

Ich bin wahrlich kein Gläübiger, aber den Meisner mag ich.
Recht hat er!
Nun soll die kath. Kirche den Kampf gegen die Ausbreitung des Islams forcieren. Wenigstens eine Institution hat den Mumm dazu.

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18. September 2007 21:50

unworte

Frank Geiser (geiser123)

Es ist eigentlich ein Witz das an diese Banalitaeten mehr als zwei Sekunden verschwendet werden ... gibt es nichts Wichtigeres zu berichten?

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18. September 2007 21:39

unerträglich

Jens Best (JayyBe)

Dieser Meisner ist wirklich unerträglich. Seine "Entschuldigung" in der FAZ ist ein Affront gegen alle die ein verantwortungsvolles und ethisches Leben führen OHNE Gott.

Ich zitiere diesen Herrn: "es sei eine "Pervertierung" des Menschen, wenn er seine "Identifikation auf Gott hin vergisst und dadurch zum Ohne- Gott oder gar zum Antigott wird."

Was soll ich denn jetzt davon halten? Ich fühle mich als Bürger, der frei ohne Gott lebt, seine Kinder erzieht und an der Gesellschaft teilnimmt, zum Unmenschen erklärt.

Was soll diese Anmaßung der religiösen "Führer", dass nur ein gottesfürchtiges Leben ein gutes Leben ist. Im Klartext sagt Meisner nach wie vor, dass ich also "entartet" bin. Langsam werden die Katholiken so unerträglich.

PS: und dann wieder dieses Gleichstellen aller Gottfreien mit den Verbrechern des 20. Jahrhunderts. Man sollte ernsthaft überlegen, ob man diesen Mann wegen Verleumdung anzeigt.

Zuviel ist zuviel.
The future is Bright.

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18. September 2007 20:26

"Entartet"

Erwin Sailer (Erwin13)

Es geht nicht um den Begriff entartet – es gab ihn schon lange, bevor die Nazis ihn gebrauchten. Aristoteles, Rousseau, Nietzsche, Goethe aber auch in der Medizin und in den Naturwissenschaften wurde er und wird er gebraucht. So gibt es zuviel Aufregung, wenn nur von „entartet“ die Rede ist. Problematisch ist der Begriff in Zusammenhang mit Kunst – und da kommen die Nazis in Spiel. Hierzu zwei Aspekte: den offiziellen, der mit der Ausstellung im Münchner „Haus der Kunst“ zusammenhängt und den inoffiziellen, der damit zu tun hat, dass die NSDAP sich eine Finanzquelle erschloss, da entartet nicht etwa mit wertlos gleichzusetzen war.
Zudem sollte man nicht vergessen, dass dem Größenwahn Hitlers, die Vorstellung entsprang, dass das deutsche Volk sich so verhalten müsse, dass es seiner würdig sei. Und als er gegen Ende seines Lebens feststellen musste, dass das deutsche Volk ihm diesen Gefallen nicht tat, wurde er von Zweifeln erfasst. Aber es war zu spät, über Deutschland ein „Leichentuch“ auszubreiten und den totalen Untergang eines unwürdigen Volkes zu inszenieren.
Verfolgt man die Tabuisierung von Worten, die Hitler einmal gebrauchte, hätte er einen Grund in der Hölle endlich über die Deutschen zu lachen.

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18. September 2007 19:06

Wörterentartung

Micha Schleiger (schleiger)

Ich ging hier eben spazieren. Ein Feldkreuz - darauf stand: im Kreuz ist Heil - ist das jetzt verdächtig? Oder bin ich ein Opfer der Hysterie? Oder gar irre? Oder einfach nur zu jung ?!?

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18. September 2007 17:55

politisch korrektes "Begriffsverbot"?

Daniel Schleef (Suppenelse)

Die Meinung von Kardinal Meisner kann man mit Kopfschütteln auffassen oder ihr zustimmen - die Rücktrittsforderungen, die nun tatsächlich allen Ernstes laut geworden sind, stützen sich nicht auf den eigentlichen Inhalt seiner Rede, sondern auf ein einziges Wort: "entartet".

Natürlich muss man heutzutage als Person im öffentlichen Rampenlicht verrückt sein, wenn man ein Wort verwendet, welches durch die Nazizeit geprägt oder pervertiert wurde. Aber, du liebe Güte, ist das ein Grund für einen Rücktritt? Sind Herrn Meisner wegen der Verwendung dieses Wortes allen Ernstes nationalsozialistische Gedankengänge vorzuwerfen? Ich bin kein Freund von Kardinal Meisner, aber dieser Vorwurf ist völlig absurd.

Die Debatte erinnert an die letzte Sau, die kürzlich in diesem Zusammenhang durchs Dorf getrieben wurde, nämlich der Rausschmiss von Eva Herman. In diesem Fall fragten kritische Zeitgenossen, ob es vielleicht mittlerweile geradezu ein "Denkverbot" für bestimmte Themen gebe, die in der Nazizeit strapaziert und missbraucht wurden, aber deren Diskussion natürlich nach wie vor erlaubt sein muss. In diesem Fall entsteht der Verdacht eines politisch korrekten "Begriffsverbots", genauso unsinnig - allerdings wirklich beängstigend.

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18. September 2007 16:41

Meinungsführer im Widerspruch?

Ulrich Gleissner (u.gleissner)

Kardinal Meissner kritisiert selbstredend mit Fug und Recht jegliche "Formen totalitärer Kulturen". Ist es aber nicht paradox, wenn Papst Benedikt gleichzeitig von der "Diktatur des Relativismus" spricht und damit Differenziertheit und Meinungsvielfalt entgegentritt?

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