18. September 2007 Der Kölner Kardinal Joachim Meisner bedauert, dass das von ihm bei einer Predigt zur Eröffnung des Diözesanmuseums gebrauchte Wort entartet in der verkürzten Form des aus dem Zusammenhang gelösten Zitats Anlass zu Missverständnissen gegeben hat.
In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Mittwochsausgabe) schreibt Meisner, durch die Menschwerdung Gottes werde jeder Mensch vom Glanz Gottes berührt und geprägt. Deshalb sei es eine große Pervertierung des Menschen, wenn er diese Identifikation auf Gott hin vergisst und dadurch zum Ohne-Gott oder gar zum Antigott wird, wie wir es in der Geschichte des 20. Jahrhunderts in Europa in grausamster Weise erleben mussten. In diesem Zusammenhang habe er den von den Nationalsozialisten missbrauchten Begriff der Entartung gebraucht.
Totalitäre Kulturen entlarven
Er habe damit gegen diese und alle Formen totalitärer Kulturen gesprochen, um sie mit ihrem eigenen Vokabular zu kennzeichnen und zu entlarven: Kultus und Kultur - im Sinne von Gottesverehrung und Gesellschaft - nehmen Schaden, wenn Gott nicht mehr in der Mitte steht. Für die Substanz seiner Aussage sei der Begriff nicht notwendig gewesen, schreibt Meisner in der F.A.Z. (Sein Gastbeitrag in voller Länge: Kardinal Meisner: Wenn Gott nicht mehr in der Mitte steht)
Über das Museum schreibt Meisner, es liege ihm sehr am Herzen. Es sei Stein gewordener Zeuge des Dialogs zwischen Kunst und Kirche, mitten in unserer Gesellschaft, unserer Kultur. Das Konzept des Museums suche gerade die Auseinandersetzung, die Diskussion und den Austausch zwischen Glaube und säkularer Gesellschaft auf dem Gebiet der Kunst, mitten in der Stadt, als eine schon in ihrer Formsprache deutlich vernehmbare christliche Stimme.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp
