06. November 2007 Auf eine halbe Stunde war das Treffen angesetzt, siebzig Minuten dauerte es schließlich. Nach einer kurzen offiziellen Begrüßung zogen sich Papst Benedikt XVI. und der saudische König Abdullah zu einem Gedankenaustausch unter vier Augen zurück, den sie auf italienisch und arabisch führten. Nach Angaben aus saudischen Delegationskreisen war das Treffen auf Initiative des saudischen Königs zustande gekommen.
Als weiteren Tabu-Bruch des saudischen Reformkönigs werteten seine Begleiter die Begegnung mit dem Papst. Als Führer der Muslime habe er keine Berührungsängste, hieß es aus seiner Umgebung. Gerichtet sei die Botschaft des Treffens sowohl an die westliche Welt als auch - und das noch mehr - an die eigene islamische Welt.
Benedikt mahnt Religionsfreiheit an

Als Geschenk brachte Abdullah dem Papst ein mit Juwelen besetztes goldenes Prunkschwert und kleine Skulptur aus Gold und Silber mit
Der vatikanische Pressesaal bezeichnete das Gespräch als herzlich, in dem es vor allem um den interkulturellen und interreligiösen Dialog gegangen sei. Beide Seiten hätten im Lauf der Unterhaltung auch über Themen gesprochen, die den Gesprächspartnern am Herzen liegen.
Offenbar ging es dabei um die Forderung der Kirche nach mehr Religionsfreiheit in Saudi-Arabien. Offiziell hieß es, der Heilige Stuhl habe mit Blick auf die Christen seinen Wunsch nach Wohlergehen für alle Einwohner des Landes ausgedrückt.
Zusammenstoß der Zivilisationen vermeiden
Der König habe auf diesen vorsichtig formulierten Wunsch nach dem Ende der Diskriminierung von Christen in Saudi-Arabien mit der Bemerkung reagiert, dass man in der Gegenwart zusammenarbeiten müsse, um einen Zusammenstoß der Zivilisationen zu vermeiden, und dass man doch gerade bei den Werten vieles gemeinsam habe, verlautete aus der saudischen Delegation.
Mit Blick auf die Aufnahme diplomatischer Beziehungen sagte ein Sprecher der saudischen Botschaft in Rom, Verhandlungen über Details blieben nach diesem Treffen den zuständigen Delegationen überlassen. Als Geschenk brachte Abdullah dem Papst ein mit Juwelen besetztes goldenes Prunkschwert und eine aus Gold und Silber gefertigte Skulptur mit, die einen Kamelreiter unter einer Palme darstellt. Benedikt XVI. revanchierte sich mit der goldenen Pontifikatsmedaille und einem Renaissance-Stich des Vatikan.
Das Treffen mit dem Papst stand am Beginn des Italien-Besuchs von König Abdullah. Er stattete dem italienischen Parlament einen Besuch ab, konferierte mit dem italienischen Ministerpräsidenten Prodi und eröffnete ein italienisch-saudisches Wirtschaftstreffen. An diesem Mittwoch wird der König in Berlin erwartet. (Siehe auch: Kommentar: Ein Treffen in schwieriger Zeit)
Text: her.; F.A.Z.
Bildmaterial: dpa