Synagogen-Besuch in Amerika

Papst geht auf die Juden zu

19. April 2008 Als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche hat Papst Benedikt XVI. eine Synagoge in den Vereinigten Staaten besucht. Der Papst kam am Freitagabend in der New Yorker Park-East-Synagoge mit Vertretern der jüdischen Gemeinde zusammen.

„Shalom! Es ist mir eine Freude, nur wenige Stunden vor den Feierlichkeiten zum Pessach-Festes hier zu sein“, sagte das Kirchenoberhaupt vor etwa 400 Zuhörern. Rabbiner Arthur Schneier nannte den Papstbesuch am Vorabend des Pessach-Festes, dem jüdischen Osterfest, ein „historisches Ereignis“.

Gespanntes Verhältnis wegen Karfreitagsgebets

Schneier, ein aus Österreich stammender Überlebender des Holocausts, lobte in seiner Ansprache die Verbesserung der Beziehungen zwischen Juden und Christen. Seit dem zweiten Vatikanischen Konzil vor 40 Jahren seien „viele Fortschritte erzielt worden“. „In unserer Lebzeit haben wir beide die Verwüstungen des Krieges erlebt, aber auch die Freude der Freiheit genossen“, wandte sich Schneier an Papst Benedikt.

Das Verhältnis zwischen dem Papst und den jüdischen Gläubigen war wegen der umstrittenen Neufassung des Karfreitagsgebetes zuletzt gespannt. Benedikt XVI. hatte im Februar angeordnet, im alten Ritus für die Juden zu beten, um diese vom Übertritt zum Christentum zu überzeugen.

Benedikt XVI. befindet sich derzeit auf einer sechstägigen Reise durch die Vereinigten Staaten. Nach einem Treffen mit Präsident George W. Bush und einer Freiluftmesse in Washington war das Kirchenoberhaupt am Freitag nach New York weitergereist. Dort hielt der Papst eine Rede vor den Vereinten Nationen (siehe dazu auch: Rede vor UN-Vollversammlung: Papst rechtfertigt humanitäre Interventionen).

Dritter Jahrestag der Papstwahl

Benedikt XVI. feiert an diesem Samstag in New York den dritten Jahrestag seiner Papstwahl. Er begeht das Jubiläum in einer privaten Messe im engsten Kreis. Eine offizielle Feier ist nicht geplant. Der damalige Kurienkardinal und Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger war nach dem Tode von Johannes Paul II. von den in Rom versammelten Kardinälen am 19. April 2005 zum Oberhaupt der Katholiken gewählt worden. Er ist der erste deutsche Papst seit 500 Jahren.

Die Wahlversammlung (Konklave) in der Sixtinischen Kapelle hatte damals lediglich zwei Tage gedauert. Ratzinger erhielt bereits im vierten Wahlgang die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit der rund 115 Kardinäle aus aller Welt. Zuvor hatte es immer wieder geheißen, es werde keinen deutschen Papst geben.

Für Sonntag ist ein Besuch Benedikts am „Ground Zero“ geplant, dem Gelände des am 11. September 2001 von Terroristen zerstörten World Trade Centers. Nach einer großen Freiluftmesse im New Yorker Yankees-Stadion will er am Sonntag nach Rom zurückkehren.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

 
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