01. Mai 2008 Im sogenannten Mittelalter, einem Zeitalter des Glaubens, da sich Christentum und Islam oft feindselig gegenüberstanden, waren Dialoge zwischen den höchsten Vertretern beider Religionen nicht so selten, wie man vielleicht glauben mag.
So begehrte Kaiser Friedrich II. von dem islamischen Philosophen Ibn Sab'in aus Murcia Antworten auf Fragen, die ihm auf der Seele brannten: War die Welt ewig, wie Aristoteles behauptete, oder von Gott aus dem Nichts geschaffen? Was sind die Grundlagen der Theologie? Und wie hat man sich die Unsterblichkeit der Seele vorzustellen? Die Antworten, die der Muslim auf diese Sizilianischen Fragen gab, konnten den Skeptiker Friedrich seinerzeit nicht zufriedenstellen.
Glaubensfragen in Zeiten des Terrors und Antiterrors
Der seit geraumer Zeit geführte Dialog zwischen dem Vatikan und islamischen Religionsgelehrten, der nun in sieben Thesen zu einem vorläufigen Resümee gelangte, ist zwar nicht so spektakulär, aber angesichts der Weltlage nicht weniger brisant.
Es bedeutet schon etwas, wenn in Zeiten des Terrors und Antiterrors schiitische Theologen sich mit katholischen darauf einigen, Glaubensfragen rational zu durchdringen, wechselseitige Pauschalurteile, selektive Wahrnehmungen und Verunglimpfungen ebenso zu vermeiden wie den Missbrauch der Religion zu kriegerischen Zwecken.
Für die Ernsthaftigkeit dieser Bemühung spricht auch, dass Unterschiede zwischen Islam und Christentum nicht verschwiegen werden sollen; doch wichtiger seien allemal die Gemeinsamkeiten.
Interpretationssache?
Das iranische Gremium hat die Rückendeckung der Führer in Teheran, des Revolutionsführers Ajatollah Chamenei wie des Präsidenten Mahmud Ahmadineschad. Letzteren sollte man freilich fragen, wie sich diese vermittelnde, ja versöhnliche Stellungnahme mit seinen Vernichtungsphantasien gegenüber Israel verträgt. Es ist gut, dass 138 führende Muslime vor einiger Zeit einen offenen Brief an den Westen publizierten, und es ist auch gut, dass der saudische König Abdullah den Papst traf.
Doch zu fragen ist, ob die Begriffe, die etwa in jenen sieben Thesen Verwendung finden, von beiden Seiten gleich interpretiert werden. Schon Kaiser Friedrich II., der erste moderne Mensch, verstand unter Rationalismus etwas anderes als sein muslimischer Partner; der war auch ein Sufi, ein Mystiker.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS