Benedikt XVI.: Gebrauch von Kondomen das weniger große Übel?

Vatikan

Papst überdenkt Haltung zu Präservativen

In Rom mehren sich die Hinweise darauf, daß der Vatikan seine rigorose Haltung zum Gebrauch von Kondomen überdenken könnte. Papst Benedikt XVI. läßt die Glaubenskongregation prüfen, ob sich damit aus moraltheologischer Abwägung das „größere Übel“ Aids abwenden ließe.

Lesermeinungen zum Beitrag

23. November 2006 15:52

Zugegeben, ich bin übers Ziel hinausgeschossen

thomas schulz (peanutbutter)

Hauptursache von Aids ist in der Tat der Männlichkeitswahn in nicht wenigen Kulturen, der vorschreibt, das man, um als richtiger Mann zu gelten, möglichst viele Frauen "in die Horizontale" bringt und möglichst viele Kinder zeugt, egal von wie vielen Frauen.
Enthaltsamkeit oder Treue zur Ehefrau zu predigen, ist wie gegen Windmühlen kämpfen; es entspricht einfach der menschlichen Natur, seine Gene möglichst oft weiterzugeben, um die Chancen zu erhöhen. Aber man sollte nicht aufgeben, wer weiss, vieleicht wird der Mensch irgendwann in der Lage sein, seine Urinstinkte unter Kontrolle zu bringen. Bis dahin aber muss alles Menschenmögliche getan werden, um der Seuche Aids Einhalt zu gebieten, auch wenn es mit weniger kritischen kirchlichen Grundprinzipien wie dem Verbot der Benutzung von künstlicher Empfängnisverhütung kollidiert. Der Papst hat in vielen überwiegend katholischen Ländern grossen Einfluss, den er nützen sollte, um Leid zu mildern. Diese Herren der Schöpfung werden, werden nicht aufhören, auf "Jagd" zu gehen, ob mit oder ohne Kondome.

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23. November 2006 15:38

Bekomme ich jetzt

Rick Fischer (Its_Worth_A_Try)

einen Generalablass für die bereits vergangene Zeit oder gilt das erst ab Beschluss und ich komm trotzdem in die Hölle?

Herje...die Kirche, was die schon alles wusste was andere schließlich doch besser wussten.
Mal schaun was da noch kommt...

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23. November 2006 10:27

Naja

Michael Klueter (mklueter)

an Überbevölkerung und Armut ist die Kirche nun wirklich nicht schuld, weil sie gegen Verhütungsmittel war. Und Aids wird man allein mit Condomen in der armen Welt auch nicht Einhalt gebieten können. Schönes Beispiel Mosambik : für ca 4Mio geschlechtsreife Männer standen letzthin im Jahr 20 Mio Condome zur Verfügung, bedeutet 5mal Sex im Jahr. Also da muss schon noch ein anderes Umdenken her.

Und noch ein ein Gedanke: Wer die reine Lehre der Kirche verfolgt, muss sich wenigstens in Gerichtsurteilen nicht spitzfindig dazu erklären, warum ein Kind (k)ein Schaden ist, für das ein Arzt, der bei der Verhütungsempfehlung einen Fehler gamacht hat, den Unterhalt übernehmen muss. Ein echter Volltreffer in einer Zeit und einem Land, in der / dem alle darüber lamentieren, Kinder dürften nicht nur unter Kostengesichtspunkten gesehen werden.

Also ganz so einfach ist die Sache mit Kirche und Sexualität nun wirklich nicht. Aber wer nicht bis zum Ende denkt, kann es sich im Leben eben einfach machen.

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23. November 2006 09:35

Kein Kniefall vor dem Zeitgeist

Maximilian Ohl (maxilein1408)

Das musste ja kommen wie die Flatulenzen auf den übermäßigen Genuss von Bohnensuppe: Das durch seine stereotype Wiederholung nicht wahrer werdende Gerede von der ach so bösen katholischen Sexualmoral, die überall in der Welt nur für Krieg, Hunger und Armut verantwortlich ist - vor allem in den Gebieten, in denen man nach Katholiken mit der Lupe suchen muss. Auch auf die Gefahr hin, dass dieser Schritt als Kniefall vor dem Zeitgeist missverstanden werden könnte, ist davon auszugehen, dass der Heilige Vater weiß, was er tut und eine wohlüberlegte Antwort finden wird. Es wird keine Abkehr von den christlichen Grundüberzeugungen auch in diesem Bereich geben und das ist gut so. Diejenigen, die nun meinen, die Kirche würde sich schon bald jenen Kräften beugen, die schon im letzten Jahrhundert sexuelle Libertinage als Mittel eingesetzt hatten, um die Gesellschaft für ihre zweifelhaften Versuche der "Menschheitsbeglückung" sturmreif zu schießen, könnten sich zu früh freuen.

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23. November 2006 00:30

Er könnte als Robespierre der katholischen Kirche in die Geschichte eingehen

thomas schulz (peanutbutter)

Wenn er es schafft, dass diese Doktrin wirklich fallengelassen wird, dann verdient er sich bei allen, nicht nur Anhängern der katholischen Kirche, Respekt.
Diese Doktrin, die auf die Bibel "zieht aus und vermehret euch" basiert, hat vielen Millionen unsägliches Leid zugefügt. Aids, Überbevölkerung, Armut und Verteilungskriege waren in vielen Teile der Welt, wo die Lehre des Vatikan wortwörtlich genommen wurde, die Folge.

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22. November 2006 17:35

Nicht erstaunt

Thomas Schmitt (redfish)

So mancher mag denken "na sowas...!"

Ich nicht. Ich war schon immer der Meinung, dass der hochintelligente Mensch Joseph Ratzinger kein vollkommen weltfremder Roboter ist. In dem Moment, als aus Joseph Kardinal Ratzinger Papst Benedikt XVI. wurde, hätte ich Wetten abschließen mögen, dass sich etwas bewegen wird in der katholischen Kirche.

Nun kann man - aus weltlicher Sicht - sicherlich sagen "pah, bewegen, für so eine Binsenweisheit war´s wahrlich höchste Zeit". Stimmt sogar, aus weltlicher Sicht wäre das nur ein ganz kleiner Anfang. Für die katholische Kirche wär´s jedoch ein Quantensprung. Warten wir ab, was da weiter passiert.

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