Anders als in Großunternehmen ist unternehmenswichtiges Wissen in kleinen und mittelständischen Betrieben (KMU) häufig an einzelne Personen gebunden. Damit dieses Wissen beim Ausscheiden der Mitarbeiter nicht gleich mit in Rente geht, unterstützt das Projekt Nova.PE der Ruhr-Universität Bochum Unternehmen in Nordrhein-Westralen - und das kostenfrei für die Betriebe.
Unter der Koordination des Lehrstuhls für Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung haben die Forscher ein auf Bedürfnisse der KMU angepaßtes Verfahren zur Weitergabe von Wissen entwickelt, das bislang in 13 Unternehmen erfolgreich eingesetzt wird. Das Verfahren beinhaltet neben der Diagnose auch die Planung, Umsetzung und Erfolgskontrolle von Wissens-Transferprozessen. Moderiert und begleitet wird dieser etwa neun Monate dauernde Prozeß im Unternehmen durch Nova.PE-Projektmitarbeiter.
Zuerst gilt es, die Wissens-Träger unter den älteren Mitarbeitern ab 55 Jahre zu identifizieren und dann mit Hilfe einer auf die Unternehmensbereiche angepaßten Kompetenz-Checkliste das Know-how im Unternehmen zu erfassen. In einem moderierten Prozeß wird anhand eines vorher erarbeiteten Transferplans das Wissen der älteren an die jüngeren Mitarbeiter weitergegeben. Darin wird festgehalten, welches Wissen mit welchen Methoden innerhalb einer bestimmten Zeit weitervermittelt werden muß.
In den meisten Fällen ist es ein face-to-face Wissenstransfer, vor allem auf der Führungsebene, erklärt Ute Domhardt, Projektverantwortliche der Ruhr-Universität. Aber in Unternehmensbereichen wie zum Beispiel der Produktion kann es durchaus sein, daß mehrere Mitarbeiter an dem Transfer teilnehmen. Das Risiko des Wissensverlustes im Unternehmen lasse sich so verringern.
Parallel zu diesen Transferprozessen wird zugleich auch betriebliches Know-how aufgespürt, das für viele Unternehmensbereiche gleichermaßen wichtig ist. Dieses Wissen wird durch eine IT-gestützte Wissensmanagement-Datenbank gesichert und steht allen Mitarbeitern dauerhaft zur Verfügung.
Ein als Personalentwicklungs-Kümmerer bezeichneter Mitarbeiter aus dem Unternehmen begleitet den Prozeß von Anfang an. Dieser Mitarbeiter ist dafür verantwortlich, daß der Prozeß im Unternehmen verankert und fortgeführt wird, und dafür muß er eine Vertrauensposition einnehmen, erläutert Domhardt. Er wird darin geschult, die Instrumente, Verfahren und Methoden künftig eigenverantwortlich anzuwenden und anzupassen. Damit soll ein langfristiger Nutzen gesichert werden. Nachhaltigkeit bedeutet auch, daß Nova.PE für viele KMU als Einstieg in Personalentwicklung und Wissensmanagement dient, betont Professor Heiner Minssen von der Ruhr-Universität. So solle das Verfahren zum Beispiel eingesetzt werden, um die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Unternehmensbereichen zu optimieren oder um Know-how Verlust bei Mitarbeiterfluktuation entgegenzuwirken.
Auch andere Bundesländer haben bereits Interesse an dem Projekt Nova.PE angemeldet, das bis Ende 2007 aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Rahmen der EU-Gemeinschaftsinitiative EQUAL und des Bundesarbeitsministeriums gefördert wird.
Text: plb., F.A.Z.
Bildmaterial: Geoffrey Whiting - FOTOLIA