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Fachkräfte gesucht Auch in Breslau ist man wählerisch Von Holger Appel
Die Bundesregierung will hochqualifizierten Fachkräften aus Osteuropa den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern. Das Kabinett plane, die Ausnahmeregelungen für Maschinenbauer und Elektroingenieure auf andere Akademikergruppen auszudehnen, sagte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) kürzlich auf einer Konferenz des Ifo-Instituts in München. In einem weiteren Schritt werde womöglich auch der Zugang für Experten aus Ländern erleichtert, die nicht zur Europäischen Union (EU) gehören. Für die besonders dringend gesuchte Berufsgruppe der Ingenieure hatte das Kabinett schon im vergangenen Jahr eine Lockerung beschlossen und damit auf langwierige bürokratische Prüfungen durch die Bundesagentur für Arbeit verzichtet. Deutsche Unternehmen können zwar heute schon Arbeitsgenehmigungen für ausländische Spezialisten beantragen. Sie müssen in der sogenannten Vorrangprüfung allerdings nachweisen, dass für die vorgesehene Stelle kein Inländer zur Verfügung steht. Für Arbeitnehmer aus acht osteuropäischen EU-Mitgliedsländern (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien) soll der deutsche Arbeitsmarkt außerdem bis 2011 generell abgeriegelt bleiben. Jedes zweite Unternehmen in Osteuropa sucht im Ausland Ob solche Trippelschritte reichen, um Spezialisten aus ihren Ländern zu locken? Schon berichten Unternehmen aus Mittel- und Osteuropa, sie erwarteten selbst in naher Zukunft einen signifikanten Mangel an Talenten - und reagieren mit eigenen Werbemaßnahmen um die besten Köpfe. "Diese Talente-Knappheit scheint vor allem Bulgarien, die Slowakei und Polen zu betreffen", heißt es in einer neuen Untersuchung des Wiesbadener Personalberaters Hewitt. Die Untersuchung zeigt, dass der Sog auch in die andere Richtung funktioniert. 51 Prozent der Unternehmen in Zentral- und Osteuropa erwägen, außerhalb ihres Landes oder sogar außerhalb ihrer Region Mitarbeiter zu rekrutieren, um dem Talentemangel entgegenzuwirken. 71 Prozent der Topmanager gaben an, dass das Gewinnen und Halten von Talenten in den kommenden drei bis fünf Jahren die größte Herausforderung der Personalabteilungen sein wird. Die Betriebe werden schon vielfältig tätig: 78 Prozent kooperieren mit Hochschulen, 71 Prozent führen Kommunikationskampagnen durch, um für sich als Arbeitgeber zu werben. Dabei kommt es auch darauf an, Versprechen einzuhalten, sobald der Kandidat zum Mitarbeiter geworden ist. Denn das Enttäuschungspotential - mit entsprechender Auswirkung auf Vertrauen und Engagement - ist groß: Nur die Hälfte der Befragten gab an, das Image ihres Unternehmens als Arbeitgeber stimme mit den von ihnen nach der Einstellung gemachten Erfahrungen überein. Attraktive Arbeitgeber = weniger Fehltage und Fluktuation Besonders gut zu gelingen scheint dies Microsoft Slowenien (Kategorie Klein- und Mittelbetriebe) und McDonald's Russland (Kategorie Großunternehmen). Sie sind nach der Untersuchung "Best Employers 2007/2008 Central and Eastern Europe" die attraktivsten Arbeitgeber in Zentral- und Osteuropa. Microsoft sei insbesondere ausgezeichnet worden, weil der Konzern nicht nur in einem Land, sondern in Bulgarien, Polen, Russland, Slowakei, Slowenien, in der Tschechischen Republik und in der Ukraine herausragende Ergebnisse erzielt habe. Die positive Beurteilung als Arbeitgeber zahlt sich auch wirtschaftlich aus, stellt Hewitt fest. "Attraktive Arbeitgeber sind erfolgreicher im Erreichen oder Übertreffen ihrer Unternehmensziele. Sie erreichen im Durchschnitt eine um 24 Prozent höhere Aktienrendite. Auch ist die Fluktuationsrate um 15 Prozent niedriger", schreiben die Autoren der Untersuchung. Attraktive Arbeitgeber erhielten viermal so viele Bewerbungen. Die durchschnittliche Zahl der Fehltage sei um 45 Prozent geringer, sie liege je Mitarbeiter bei 4,8 statt 7 Tagen je Jahr. Und schließlich seien zufriedene Mitarbeiter die besten Botschafter, wenn es darum gehe, ihr Unternehmen einem Freund, der eine Anstellung sucht, zu empfehlen, heißt es in der Studie, an der sich 120.000 Mitarbeiter, 3000 Führungskräfte und 600 Unternehmen aus Österreich, Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Slowenien, aus der Tschechischen Republik, der Türkei, Ukraine und Ungarn beteiligt haben. Text: F.A.Z.Bildmaterial: F.A.Z. |
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